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BFH zu Firmenwagen Dienstwagen: Sensationsurteil bringt Steuervorteile

Nach einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs können Arbeitnehmer mit Dienstwagen jetzt für die Übernahme von Benzinkosten Steuererleichterungen beantragen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Beruflich unterwegs

Darf ein Arbeitnehmer einen Dienstwagen des Handwerksbetriebs auch privat fahren, muss er einen geldwerten Vorteil für diese Privatnutzung und einen Teil für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz versteuern. Ohne Fahrtenbuch wird dieser Privatnutzungsanteil nach der so genannten 1-Prozent-Regelung ermittelt. Danach wird monatlich 1 Prozent des inländischen Bruttolistenpreises des Fahrzeugs als Arbeitslohn versteuert.

Nun gibt es in Betrieben oftmals die Vereinbarung, dass der Arbeitnehmer zwar einen Dienstwagen gestellt bekommt, dafür aber die kompletten Benzinkosten übernehmen muss. Doch diese vom Arbeitnehmer übernommenen Benzinkosten durften bislang nicht von dem geldwerten Vorteil abgezogen werden. Der Bundesfinanzhof kippte diese strenge Auffassung des Finanzamts nun (BFH, Az.: VI R 2/15). Die vom Arbeitnehmer übernommenen Benzinkosten dürfen nun vom ermittelten geldwerten Vorteil für die Dienstwagennutzung abgezogen werden. Es winken dadurch also erhebliche Steuerrückerstattungen für Arbeitnehmer.

Ausgangsbeispiel: Handwerkerin Müller durfte 2016 einen Dienstwagen mit einem Bruttolistenpreis von 40.000 Euro nutzen (= geldwerter Vorteil pro Jahr 4.800 Euro). Sie war arbeitsrechtlich dazu verpflichtet, die Spritkosten für diesen Dienstwagen aus eigener Tasche zu zahlen, das waren 2016 3.100 Euro. Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeit sind nicht angefallen, weil Frau Müller direkt gegenüber dem Betrieb wohnte.

Folge: Nach dem BFH-Urteil ist nur ein geldwerter Vorteil in Höhe von 1.700 Euro zu versteuern und nicht wie vom Arbeitgeber 4.800 Euro.

Kleine Einschränkung

Eine kleine Einschränkung schoben die Richter des Bundesfinanzhofs aber leider hinterher. Kommt es tatsächlich vor, dass die vom Arbeitnehmer übernommenen Benzinkosten höher sind als der geldwerte Vorteil für die Dienstwagennutzung, verfallen diese Überzahlungen steuerlich ungenutzt. Mit anderen Worten: Der geldwerte Vorteil darf maximal auf null Euro reduziert werden.

Abwandlung des Ausgangsbeispiels: Handwerkerin Müller nutzt einen Firmenwagen mit einem Bruttolistenpreis von 20.000 Euro (= geldwerter Vorteil pro Jahr 2.400 Euro). Selbst wenn Frau Müller 3.100 Euro Benzinkosten übernommen hat, darf der geldwerte Vorteil nur um 2.400 Euro reduziert werden. Die restlichen 700 Euro kann sie steuerlich nicht mehr geltend machen. Hat der Arbeitgeber bisher den geldwerten Vorteil ohne Abzug der vom Arbeitnehmer getragenen Benzinkosten versteuert, hat der Arbeitnehmer also zu viel Steuern bezahlt.

Diese zu viel gezahlten Steuern kann sich der Arbeitnehmer vom Finanzamt zurückholen, indem er in seiner Steuererklärung die Reduzierung seines Arbeitslohns um den zu hoch angesetzten geldwerten Vorteil beantragt. Dazu ist es sinnvoll, sich vom Arbeitgeber bescheinigen zu lassen, wie der geldwerte Vorteil ermittelt wird und dass die Benzinkosten vom Arbeitnehmer getragen wurden.

Beispiel: Hätte Frau Müller einen persönlichen Steuersatz von 35 Prozent, würde ihr die Reduzierung des Arbeitslohns um 3.100 Euro eine Steuererstattung von 1.085 Euro einbringen. Arbeitnehmer können die Reduzierung ihres Arbeitslohns wegen übernommener Benzinkosten für den Dienstwagen für alle Steuerjahre beantragen, für die noch keine Steuererklärung eingereicht wurde oder die wegen eines Einspruchsverfahrens noch änderbar sind.

Nachweise zu Benzinkosten

Das Finanzamt möchte natürlich Nachweise über die angefallenen Benzinkosten für den Dienstwagen vom Arbeitnehmer sehen. Hat er die Tankquittungen nicht aufgehoben, kann er die Höhe der Benzinkosten auch durch seine Kontoauszüge nachweisen. Liegen keine Rechnungen mehr vor und wurde an der Tankstelle in bar bezahlt, sollten Sie die Benzinkosten anhand des durchschnittlichen Benzinverbrauchs des Dienstwagens und der gefahrenen Kilometer schätzen.

Sparmöglichkeiten für Dienstwagen

Nutzt ein Arbeitnehmer einen Dienstwagen und der Arbeitgeber ermittelt den geldwerten Vorteil für die Privatnutzung nach der 1-Prozent-Regelung und den geldwerten Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, gibt es folgende Steuersparmöglichkeiten:

Sonderausstattung: Wenn möglich, sollte die Sonderausstattung erst nach der Erstzulassung in den Dienstwagen eingebaut werden. Denn in diesem Fall zählt der Bruttokaufpreis der Sonderausstattung nicht zum inländischen Bruttolistenpreis des Fahrzeugs und bleibt bei der Ermittlung des geldwerten Vorteils außer Betracht.

Werkstattwagen: Handelt es sich bei dem Dienstwagen um einen Werkstattwagen ohne Hintersitze und ohne Fenster mit Ladefläche oder Werkzeugschränken, kann der geldwerte Vorteil für die Privatnutzung verhindert werden. Der Arbeitnehmer muss nachweisen können, dass er privat auch ein Fahrzeug besitzt, das er für private Fahrten verwendet, und dass er Familie mit Kindern hat und sich der Werkstattwagen deshalb für Privatfahrten nicht eignet.

Fahrtkosten: Beim geldwerten Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb ist die kürzeste Straßenverbindung anzugeben. In der Steuererklärung darf der Arbeitnehmer trotzdem eine längere Strecke beim Werbungskostenabzug für die Entfernungspauschale angeben, wenn diese nachweislich verkehrstechnisch günstiger ist (zehn Prozent Fahrzeitersparnis) und tatsächlich gefahren wird.

Fahrtenbuch: Ermittelt der Arbeitgeber den geldwerten Vorteil nach der 1-Prozent-Regelung, können Sie in der Steuererklärung bei Führung eines Fahrtenbuchs den oftmals geringeren geldwerten Vorteil nach den tatsächlichen Pkw-Kosten geltend machen. Das Finanzamt reduziert dann den Arbeitslohn um den Differenzbetrag zwischen 1-Prozent-Regelung und Fahrtenbuchmethode.

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