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Geldwerten Vorteil kleinrechnen Dienstwagen: So bleiben Privatfahrten günstig

Darf ein Arbeitnehmer seinen Dienstwagen auch für Privatfahrten nutzen, muss er dafür einen geldwerten Vorteil versteuern. Mit ein paar Kniffen, lassen sich hierbei Steuern sparen. Wie Sie den geldwerten Vorteil kleinrechnen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Beruflich unterwegs

Darf ein Arbeitnehmer seinen Dienstwagen auch für Privatfahrten nutzen, muss er nach Ansicht des Bundesfinanzhofs dafür lohnsteuerlich einen geldwerten Vorteil versteuern. Wird kein Fahrtenbuch für die Fahrten mit dem Dienstwagen geführt, hilft es für die Beteuerung des Arbeitnehmers nichts, dass er den betrieblichen Wagen gar nicht zu Privatfahrten genutzt hat. Noch schlimmer trifft es Arbeitnehmer, die zwei Dienstwagen zur Privatnutzung verwenden dürfen. Von ihnen verlangt der Bundesfinanzhof ohne Fahrtenbuch, die Versteuerung eines geldwerten Vorteils für zwei Fahrzeuge. Doch es gibt einige Auswege aus der Privatnutzungsfalle.

Privatnutzung: Ermittlung des geldwerten Vorteils

Stellt der Arbeitgeber einem Mitarbeiter einen Dienstwagen zur Verfügung, unterstellt das Finanzamt automatisch eine private Mitbenutzung. Ohne Fahrtenbuch wird der zu versteuernde Privatanteil nach der 1-Prozent-Regelung ermittelt. Dazu wird der inländische Bruttolistenpreis des Dienstwagens zum Zeitpunkt der Erstzulassung ermittelt. Ein Prozent dieses Bruttolistenpreises muss pro Monat für die Privatnutzung versteuert werden.

Beispiel: Arbeitnehmer Müller darf einen Dienstwagen auch privat nutzen. Der Dienstwagen wurde gebraucht für 15.000 Euro erworben. Zum Zeitpunkt der Erstzulassung hatte dieser Wagen noch einen Listenpreis inklusive Umsatzsteuer von 40.000 Euro.
Folge:
Der zu versteuernde geldwerte Vorteil für die Privatnutzung beträgt 4.800 Euro im Jahr (Bruttolistenpreis 40.000 Euro x 1% x 12 Monate).

Der Bundesfinanzhof hat zur Privatnutzung eines Dienstwagens entschieden, dass die Vermutung der Privatnutzung ohne Fahrtenbuch nicht widerlegt werden kann (BFH, Urteile v. 21.3.2013 und vom 18.4.2013, Az. VI R 46/11; VI R 42/12 und VI R 23/12; veröffentlicht vom BFH am 10.7.2013).

Praxis-Tipp: Darf ein Gesellschafter-Geschäftsführer (= Arbeitnehmer) zwei Dienstwagen nutzen, wird es steuerlich noch härter. Denn der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass in diesem Fall ohne Fahrtenbuch die Privatnutzung für beide Fahrzeuge zu versteuern ist (BFH, Urteil v. 13.6.2013, Az. VI R 17/12; veröffentlicht am 23.10.2013).

Möglichkeiten zur Verminderung bzw. Minderung des geldwerten Vorteils

Die Vermutung der Privatnutzung des Dienstwagens kann nur mit den folgenden Gegenmaßnahmen verhindert werden:
  • Fahrtenbuch: Es wird das ganze Jahr über ein Fahrtenbuch für den Dienstwagen geführt. Dadurch wird dann entweder ersichtlich, dass der Arbeitnehmer den Dienstwagen tatsächlich nicht oder zumindest nur in sehr geringem Umfang privat genutzt hat. Der Arbeitnehmer kann sich bei Ermittlung des geldwerten Vorteils für die günstigere Methode entscheiden – entweder für die Fahrtenbuchmethode oder für die 1%-Regelung.
  • Verbot: Eine zweite Möglichkeit, die Besteuerung eines geldwerten Vorteils zu verhindern, ist ein vom Arbeitgeber ausgesprochenes Privatnutzungsverbot. Dieses Verbot ist vom Arbeitgeber nachweislich regelmäßig zu überwachen bzw. mit arbeitsrechtlichen Sanktionen zu ahnden.
Praxis-Tipp: Ein Fahrtenbuch muss immer für die ganze Zeit der Nutzung des Dienstwagens geführt werden. Nutzen Sie bereits einen Dienstwagen, sollten Sie zum nächsten 1. Januar mit den Aufzeichnungen starten und das ganze Jahr bis zum 31. Dezember am Ball bleiben. Denn ein Fahrtenbuch wird vom Finanzamt nur dann als steuerlich wirksam eingestuft, wenn es ganzjährig geführt wird. Eine Ausnahme besteht nur, wenn ein Dienstwagen während des Jahres erworben wurde. Dann genügt es natürlich, ab der erstmaligen Nutzung bis zum Ende des Jahres ein Fahrtenbuch zu führen.

Strenge Dienstwagen-Rechtsprechung gilt nicht für Einzelunternehmer

Nachdem der Bundesfinanzhof entschieden hat, dass Arbeitnehmer einen geldwerten Vorteil versteuern müssen, wenn sie für ihren Dienstwagen kein Fahrtenbuch geführt haben, stellte sich in der Praxis folgende Frage: Sind auch Einzelunternehmer von dieser Änderung der Rechtsprechung betroffen?

Die Antwort gleich vorweg: Nein. Das geht aus einem Antwortschreiben des Bundesfinanzministeriums auf die Anfrage eines Mitglieds des Finanzausschusses des Bundestags hervor (BMF, Schreiben v. 22.8.2013, Az. IV C 6 – S2177/08/10001:017). Einzelunternehmer können dagegen die Vermutung der Privatnutzung weiterhin widerlegen (u.a. durch Hinweis auf vergleichbare Fahrzeuge im Privatvermögen).

Die strengen Vorhaben des Bundesfinanzhofs zur Dienstwagenbesteuerung (BFH, Urteil v. 21.3.2013, Az. VI R 31/10) gelten danach vor allem für Arbeitnehmer und für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH. Bei keiner oder nur geringer Privatnutzung des Dienstwagens empfiehlt es sich, ab dem nächsten 1. Januar ein Fahrtenbuch zu führen.

Geldwerter Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte

Auch für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte muss ein Arbeitnehmer bei Verwendung eines Dienstwagens lohnsteuerlich einen geldwerten Vorteil versteuern. Zur Ermittlung des Nutzungsvorteils stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung:

Alternative 1 Alternative 2 Alternative 3
Einzelnachweis der Kilometer-Kosten durch Führung eines Fahrtenbuchs Pauschaler Zuschlag mit 0,03% des Listenpreises je Entfernungs-Kilometer Pauschale Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten mit 0,002% des Listenpreises je Entfernungs-Kilometer

In der Praxis dürfte die häufigste Ermittlungsmethode für den geldwerten Vorteil für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte die 0,03-Prozent-Regelung (Alternative 2) sein. Dabei ist die Fahrtenbuchmethode oder die 0,002-Prozent-Methode oftmals deutlich günstiger als die 0,03-Prozent-Methode.

Praxis-Tipp: Die 0,002-Prozent-Methode ist immer dann erlaubt, wenn ein Arbeitnehmer an weniger als 15 Tagen im Monat mit seinem Dienstwagen zur Arbeit fährt.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer nutzt einen Dienstwagen mit einem Bruttolistenpreis von 40.000 Euro. Die Entfernung von seiner Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte beträgt 50 Kilometer. Der Arbeitnehmer fährt dreimal in der Woche in die Arbeit. Ein Fahrtenbuch wird nicht geführt.

Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der 0,03-Prozent-Methode

0,03% von 40.000 Euro x 50 km = geldwerter Vorteil 600 Euro mtl.

Ermittlung des geldwerten Vorteils nach der 0,002-Prozent-Methode

0.002% von 40.000 Euro x 50 km x 12 Fahrten = geldwerter Vorteil 480 Euro mtl.

Fazit: Da der Arbeitnehmer an weniger als 15 Tagen im Monat mit seinem Firmenwagen von zu Hause zur Arbeit gefahren ist, muss er mit der 0,002-Prozent-Methode monatlich 120 Euro weniger geldwerten Vorteil versteuern.

Verhaltensknigge zum geldwerten Vorteil für Dienstwagen

Um den geldwerten Vorteil für die Privatnutzung eines Dienstwagens durch einen Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Fahren Sie immer zweigleisig. Das soll bedeuten: Der Arbeitnehmer sollte stets dazu angehalten werden, ein Fahrtenbuch zu führen. Am Ende des Jahres vergleichen Sie die verschiedenen Methoden zur Ermittlung des geldwerten Vorteils und entscheiden Sie sich für die günstigste.
  • Klären Sie mit Ihrem Mitarbeiter ab, ob es Sinn macht ein Privatnutzungsverbot auszusprechen und wie dieses Verbot am plausibelsten überwacht werden kann (z.B. Schlüsselabgabe vor Feierabend, Fahrtenbuch)

"Werkstattwagen" nicht zur Privatnutzung geeignet

Bekommt ein Außendienstmitarbeiter einen Dienstwagen zur Verfügung gestellt, der sich nicht zur Privatnutzung eignet, scheidet die Besteuerung eines geldwerten Vorteils für die Privatnutzung dieses Dienstwagens aus.

Nach Ansicht des Niedersächsischen Finanzgerichts ist ein Werkstattwagen nicht zur Privatnutzung geeignet. Unter Werkstattwagen versteht man ein Fahrzeug, aus dem die Hintersitze ausgebaut und durch Regale für den Transport von Werkzeugen oder Waren ersetzt wurden (FG Niedersachsen, Urteil v. 13.3.2013, Az. 4 K 302/11).

Praxis-Tipp: Damit das Finanzamt auch noch bei einer Jahre stattfindenden Prüfung des Finanzamts nachweisen kann, dass ein betriebliches Fahrzeug sich nicht zur Privatnutzung eignete, sollten Fotos von den fehlenden Rücksitzen und den eingebauten Regalen gemacht und bei den Buchführungsunterlagen aufbewahrt werden.  

Selbst getragene Aufwendungen mindern geldwerten Vorteil

Haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart, dass der Arbeitnehmer einen Teil oder die kompletten Benzinkosten für die Dienstwagennutzung übernehmen muss, mindern die übernommenen Benzinkosten den geldwerten Vorteil nach der 1%-Regelung (BMF, Schreiben v. 21.9.2017, Az. IV C 5 - S 2334/11/10004-02).

Beispiel: Der geldwerte Vorteil für einen Dienstwagen beträgt jährlich 3.800 Euro. Sie haben in einem Kalenderjahr nachweislich 2.200 Euro Benzinkosten für diesen Dienstwagen aus eigener Tasche bezahlt.
Folge: Sie müssen in diesem Jahr nur noch einen geldwerten Vorteil in Höhe von 1.600 Euro versteuern.

Praxis-Tipp: Sitzen Sie an einer Steuererklärung und stellen fest, dass Ihr Arbeitgeber den geldwerten Vorteil nicht um diese Zuzahlungen von Ihnen gemindert hat, können Sie die Reduzierung des geldwerten Vorteils und somit die Reduzierung Ihrer Steuerbelastung im Rahmen der Steuererklärung beantragen. Lassen Sie sich von Ihrem Arbeitgeber die Ermittlung des geldwerten Vorteils bescheinigen, weisen Sie dem Finanzamt Ihre Zuzahlungen nach und beantragen Sie in der Steuererklärung in Höhe des zu hoch angesetzten geldwerten Vorteils die Reduzierung des zu versteuernden Arbeitslohns.

Dieser Beitrag wurde am 21. November 2017 aktualisiert.

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