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Gerüstdiebstahl verursacht Schäden Tatort Baustelle – Diebstahl nimmt zu

Baustellen sind oft nicht ausreichend gegen Einbruch abgesichert. Immer häufiger werden dabei Baugerüste gestohlen. Auf den nicht unerheblichen Schäden bleiben die betroffenen Betriebe meist sitzen.

Baugerüst
Schlecht gesicherte Baustellen sind für Diebe mühelos zugänglich. -

Ob direkt von der Baustelle oder aus dem Firmenlanger – immer mehr Kriminelle wittern im Diebstahl von Gerüsten und dem Weiterverkauf ins Ausland ein lukratives Geschäft. Betroffen sind oftmals Handwerksbetriebe, denen schnell ein Schaden im fünfstelligen Bereich entstehen kann.

So erging es auch der Firma Rolle Gerüstvertrieb, der im Oktober 2013 insgesamt 14 Tonnen Gerüstmaterial im Wert von 45.000 Euro gestohlen wurden. Mitten in der Nacht wurden die Gerüste in einem schlecht einsehbaren Gelände im Gewerbegebiet von Jettingen-Scheppach, westlich von Augsburg, entwendet. Die Täter brachen den Bauzaun auf und transportierten die mehreren Quadratmeter großen Gerüste mit einem Lastwagen und mehreren Kastenwagen binnen weniger Stunden ab.

Das Unternehmen hat Konsequenzen aus dem entstandenen Schaden gezogen. Ein Wachdienst und Nachtsichtkameras zur Überwachung sollen Kriminelle künftig abschrecken.

Vorfälle mehren sich

Die Problematik des Gerüstdiebstahls ist zwar nicht neu, aber gerade in letzter Zeit häuft sich die Zahl der bekannten Delikte. Allein in der Region Schwaben Süd-West, in der auch die Firma Rolle Gerüstvertrieb sitzt, kam es 2013 schon zu mehreren ähnlichen Diebstählen. 2011 gab es in der gleichen Region nur einen bekannten Fall, in den zwei Jahren zuvor gar keinen.

Die einfache Zugänglichkeit vieler Baustellen machen die hochpreisigen Gerüste zu einem attraktiven Diebesgut. Wer seine Baustelle nur mit einem einfachen Zaun absichert, riskiert einen Einbruch, bei dem oft nicht nur Gerüste, sondern auch Baumaschinen und Werkzeuge entwendet werden.

Für potenzielle Zeugen eines Diebstahls ist es schwer, die Tat als solches überhaupt zu erkennen, selbst wenn diese am hellen Tag stattfindet. Da es nicht ungewöhnlich ist, dass Gerüste in regelmäßigen Abständen von Baufirmen auf- und abgebaut sowie transportiert werden, ist für einen Beobachter kaum festzustellen, wann es sich um einen unerlaubten Abbau handelt.

Diebstahl am hellen Tag

Das haben sich auch Kriminelle zunutze gemacht, die im Zeitraum Oktober/November 2013 ein 250 Quadratmeter großes Baugerüst im Wert von 12.000 Euro von einer Baustelle mitten in der Innenstadt von Halle an der Saale entwendet haben, auf der nach dem Juni-Hochwasser seit einigen Monaten die Baumaßnahmen ruhten. Den Zeugen war der Abtransport nicht als Straftat aufgefallen.

Gerüste sind auch deshalb ein beliebtes Diebesgut, weil diese selten als solches identifiziert werden. Zwar können Gerüste mit farblichen Markierungen einem Eigentümer eindeutig zugeordnet werden, aber wenn diese Markierungen fehlen oder überstrichen werden, können Kriminelle die gestohlenen Gerüste unauffällig an andere Baufirmen weiterverkaufen.

In der Regel sind die Gerüste nicht versichert, obwohl grundsätzlich die Möglichkeit einer Versicherung besteht, wie Frank Börger von der Signal Iduna Gruppe erklärt. Die Signal Iduna bietet keine derartige Versicherung für Gerüste im Baubereich an, weil die Risikobewertung für das Produkt sehr hoch ist. Entsprechend hoch fallen die Versicherungsprämien und der Selbstbehalt aus, wenn ein Kunde bei einer anderen Versicherung einen solchen Schutz erwirbt. Viele Bauhandwerker nehmen das Risiko eines Diebstahls deshalb wohl in Kauf.

Haftungsfrage zu klären

Tritt der Diebstahl wirklich ein, stellt sich für betroffene Firmen die Frage der Haftung. "Rechtlich gesehen wäre der erste Haftungsadressat der Entwender selbst. Doch in 99 von 100 Fällen wird dessen Inanspruchnahme scheitern", weiß Ralph Krieg, Fachanwalt für Baurecht. Aus Sicht des Gerüstbauers ist es am erfolgversprechend­sten, sich für die Schadensregulierung an den Auftraggeber zu halten.

Während sich das Gerüst auf der Baustelle in Nutzung befindet, liegt in der Regel eine mietvertragliche Regelung zwischen den Parteien vor. Der Gerüstbauer tritt in dem Fall als Vermieter und der Auftraggeber als Mieter des Gerüsts auf. "Als Mieter treffen den Auftraggeber vertragliche Obhuts- und Sorgfaltspflichten", erklärt Krieg.

Werden diese Pflichten schuldhaft verletzt und infolge dessen der Diebstahl des Gerüsts erst ermöglicht oder zumindest wesentlich erleichtert, kann ein Haftungsanspruch gegen den Auftraggeber begründet sein.

Entscheidend ist also, welche Maßnahmen der Auftraggeber zur Absicherung der Baustelle getroffen hat. Ein einfacher Bauzaun wurde in mehreren Urteilen als unzureichend bewertet. Je nach Einzelfall ist es dem Auftraggeber zuzumuten, dass er die Baustelle mit einer Videoüberwachung und einem Nachtdienst absichert, um seine Obhuts- und Sorgfaltspflicht zu erfüllen.

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