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Trendmap Die Zukunft des Handwerks

Roboter, Künstliche Intelligenz und Co-Working-Spaces sind nur ein paar der Trends, die das Handwerk prägen und verändern könnten. Die so genannte Trendmap Handwerk zeigt die wichtigsten Entwicklungen bis 2025.

Während sich der Schreinermeister noch um den letzten Feinschliff am handgefertigten Wohnzimmerschrank des Kunden kümmert, stapelt sein kollaborierender Roboter in der Werkstatt schon mal die Holzplatten für den nächsten Auftrag. Der Handwerker spart sich Zeit und Aufwand, indem er monotone, sich immer wiederholende Aufgaben der Maschine überlässt. Der Fachmann kann sich mehr als bisher auf die Details konzentrieren, die sein besonderes handwerkliches Geschick erfordern, das er sich in seiner Meisterausbildung angeeignet hat.

Das Beispiel zeigt, wie der Einsatz von kollaborierenden Robotern, sogenannten Cobots, ­Arbeitsprozesse im Handwerk in Zukunft verändern und neu strukturieren könnte. Ein entsprechendes Forschungsprojekt wird von der Handwerkskammer für Unterfranken gemeinsam mit dem Fraunhofer IGCV durchgeführt.

Cobots helfen Handwerkern

Schon 2022 könnten Cobots in einigen Betrieben das Handwerk unterstützen. Das sagt der Trendforscher Peter Wippermann voraus, der die wichtigsten Zukunftsentwicklungen im Handwerk von 2022 bis 2025 untersucht hat. Im Auftrag der Gesellschaft für Handwerksmessen hat Wippermann eine "Trendmap Handwerk" erstellt, in der die maßgeblichen Entwicklungen nach Themenfeldern strukturiert worden sind.

Ziel der Karte sei es, Handwerkern Orientierung zu geben, welche Trends für ihren Betrieb in Zukunft besonders wichtig werden, damit sie ihre Unternehmensstrukturen rechtzeitig danach ausrichten. "Ich wollte keinen U-Bahn-Fahrplan erstellen, in dem der Handwerker von einem auf den anderen Trend aufspringen kann. Die Trendmap Handwerk zeigt keine Modeerscheinungen, sondern langfristige und nachhaltige Entwicklungen", sagt Wippermann.

Zu beachten sei dabei, dass nicht jeder der genannten Trends für jeden Betrieb genauso interessant und wichtig ist. Die Relevanz mancher Entwicklungen sei in hohem Maß branchenabhängig.

Wippermann hat seine Trendmap Handwerk in die vier Hauptthemen Automation, Networking, Marketing und Engagement unterteilt. Jedem Themenfeld sind bis zu neun Trends zugeordnet.

Im Bereich Automation unterscheidet Wippermann z. B. zwischen Software und Hardware und weist die Trends Blockchain, Mixed Reality, Künstliche Intelligenz, Zero User Interface, Cobots, Internet der Dinge, Smart Speaker, Roboter und 3-D-Druck zu.

Während sich Handwerker unter Künstlicher Intelligenz oder 3-D-Druck vielleicht noch etwas vorstellen können, sind andere Fachausdrücke durchaus erklärungsbedürftig.

Sprachsteuerung baut Barrieren ab

Zero User Interface bezeichnet zum Beispiel einen nahtlosen Zugriff des Anwenders auf eine Information. Während beim klassischen Desktop-PC mit Eingabegeräten wie Maus und Tastatur noch eine Barriere zwischen Nutzer und Inhalt besteht, wird diese durch neue Technik kleiner. Ein Schritt in diese Richtung ist intelligente Sprachsteuerung, die Geräte wie Amazons Alexa bieten. Der Anwender kann hier über Spracheingabe direkt mit der Künstlichen Intelligenz kommunizieren und Informationen abrufen. Davon betroffen sind SHK-Handwerker, die die Technik in Wohn- und Geschäftshäusern integrieren. Sie benötigen das Know-how, wie Sprachsteuerung installiert und gewartet wird. Dabei kommen sie mit Smart Speakern in Berührung, einem anderen Trend, den Wippermann dem Cluster-Automation zuweist. Damit gemeint sind Ausgabegeräte wie etwa Amazon Echo, ein internetbasierter Lautsprecher mit eingebautem Mikrofon, über den die Sprachsteuerung Alexa genutzt werden kann.

Viele der von Wipperman genannten Trends stehen in direkter Verbindung zueinander und bedingen sich gegenseitig. Ein weiteres Beispiel sind die im Bereich Marketing zusammengefassten Begriffe Brand Experience, Employer Branding und Mobile Marketing.

Die Brand Experience nimmt die Kundensicht ein und beschreibt die Wahrnehmung eines Handwerksbetriebs als Marke. Markenbildung kann der Handwerker zum Beispiel durch eine ansprechende Gestaltung seines Internetauftritts mit einem wiedererkennbaren Logo betreiben. Sie ist die digitale Visitenkarte der Firma. Der Aufbau der eigenen Marke findet unter anderem über soziale Netzwerke und Dienste für Smartphone und Tablet-PCs statt, womit der Begriff Mobile Marketing ins Spiel kommt. Xing, Facebook und andere digitale Kanäle können von den Betrieben aber auch dazu genutzt werden, potenziellen Mitarbeitern zu erklären, für was die Firma steht und welche Werte sie vertritt. Das beschreibt wiederum die Bildung einer Arbeitgebermarke, das Employer Branding.

Weitere Trends hat Wippermann in die Bereiche Engagement und Networking gegliedert. Einer der genannten Trends, die aus der Technologie- und Kreativwirtschaft immer mehr ins Handwerk überschwappen, sind die Co-Working-Spaces. Damit sind nicht mehr nur Büroräume gemeint, sondern auch Hightech-Werkstätten mit besonderen Maschinen. So kann im Co-Working-Space ein 3-D-Drucker von mehreren Handwerkern gemeinsam genutzt werden, dessen Anschaffungskosten für den einzelnen Betrieb zu hoch wären.

Personal und Plattformen

Auch Handwerkern, die derzeit keinen Bedarf sehen, ihre Prozesse zu hinterfragen, rät Wippermann, sich mit den Trends zu beschäftigen.

Besonders zwei Entwicklungen sollten die Betriebe im Auge behalten. Das ist zum einen der Bereich Mitarbeiter. "Lehrlinge, Gesellen und Meister werden heute von vielen Seiten umworben, nicht nur vom Handwerk", sagt Wippermann mit Blick auf den Fachkräftemangel. Und die Mitarbeiter hätten heute genaue Vorstellungen davon, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Die Balance zwischen Arbeit und Freizeit werde wichtiger. Dazu müssten die Betriebe passende Angebote machen und um jeden Mitarbeiter werben.

Zum anderen sei in manchen Branchen die Position des Handwerkers als Bindeglied zwischen Hersteller und Endkunde gefährdet. "Über Hausmessen oder digitale Plattformen bietet die Industrie ihre Produkte dem Kunden zunehmend direkt an", sagt Wippermann.

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