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IT-Messe in Hannover Trends der CeBIT: Von Windows 95 bis 3D-Druck

Die Computermesse CeBIT steht vor ihrer 30. Auflage. Ein Blick zurück auf ihre wechselvolle Geschichte und voraus in die Zukunft der Drohnen und 3D-Drucker.

Die CeBIT in Hannover (14.-18. März 2016 ) blickt in diesem Jahr auf eine 30-jährige, bewegte Geschichte zurück. Ein tragischer Todesfall während eines rauschenden Festes überschattete damals die Premiere 1986. In diesem Jahr will sich die Computermesse noch einmal neu erfinden. In Sachen Neuerfindung kann die CeBIT mit ihrer wechselvollen Geschichte auf reiche Erfahrung zurückblicken.

Todesfall überschattet Premiere

Vor 30 Jahren begann der lange als unaufhaltbar erscheinende Aufstieg der CeBIT in Hannover zur weltweit größten Leitmesse für Computertechnik. Die CeBIT wurde 1986 erstmals als eigenständige Veranstaltung für Büro- und Informationstechnik von der Hannover Messe ausgegliedert. Ihre Premiere wurde jedoch gleich von einem Todesfall überschattet: Computer-Unternehmer Heinz Nixdorf brach auf einer rauschenden Messe-Party am 17. März auf der Tanzfläche mit einem Herzinfarkt zusammen und starb.

Dem 60-Jährigen war eine große Karriere gelungen. Mitte der 80er Jahre galt die Nixdorf Computer AG als viertgrößter Computerhersteller Europas. An den Personal Computer glaubte Nixdorf indes bis zuletzt nicht – was sich als eklatante Fehleinschätzung erwies. So soll er sogar eine Zusammenarbeit mit einer kleinen Firma aus dem Silicon Valley für die Lizenz-Produktion von Computern ausgeschlagen haben: Von der Erfindung des Pioniers Apple hielt er nichts.

Bill Gates und Windows 95

Zehn Jahre nach Nixdorfs Tod, 1996, war bereits Microsofts Windows 95 etabliert. Ein Jahr zuvor stimmte Firmengründer Bill Gates in Hannover auf der CeBIT auf das neue Zeitalter des Betriebssystems ein. Das Internet befand sich allerdings noch in den Kinderschuhen. Auf der CeBIT 1996 senkte T-Online den Preis für den Netzzugang erheblich – nur noch 5 Pfennig sollte die Minute kosten. Als Zugangsanbieter standen noch Unternehmen wie AOL Bertelsmann Online, CompuServe und Germany.net bereit.

Zu den Highlights der CeBIT gehörten vor 20 Jahren auch die Netz-Computer von Oracle und Sun Microsystems. Sie sollten als schlanke Terminals innerhalb eines leistungsfähigen Netzwerks eine neue Ära des Personal Computers einläuten. Was sich heute als smarte Lösung anhört, entwickelte sich damals jedoch zum totalen Flop – vermutlich, weil das Konzept seiner Zeit weit voraus war und die nötigen Netzkapazitäten noch längst nicht verfügbar waren.

Mit dem Siegeszug der Personal Computer schwoll auch der Besucherstrom der privaten Messebesucher nach Hannover kontinuierlich an. Schon 1996 versuchte die CeBIT, den großen Ansturm zu stoppen und stattdessen die Profis und Fachbesucher ins Visier zu nehmen. Die Eintrittspreise wurden von 32 auf 50 DM erhöht. Nach etwa 750.000 CeBIT-Besuchern im Boomjahr 1995 kamen ein Jahr später noch rund 600.000 Menschen nach Hannover.

Konkurrenz aus Barcelona und Berlin

2006 zog es noch 450.000 Menschen auf die Messe, immerhin 85 Prozent von ihnen Fachbesucher. Spätestens nach dem Umzug der Mobilfunkmesse Mobile World Congress von Cannes nach Barcelona im selben Jahr wuchs jedoch auch die Konkurrenz unaufhörlich an. Heute nehmen auch PC-Hersteller neben ihren Tablets und Smartphone ihre neuesten Notebooks wenige Wochen vor der CeBIT mit nach Barcelona. Auch die IFA in Berlin geriet immer deutlicher in Konkurrenz mit der CeBIT, insbesondere nachdem sie den Zwei-Jahres-Rhythmus aufgab und zur jährlichen Messe Anfang September wurde.

In den Jahren zuvor zeigte die CeBIT immer wieder ein sehr gespaltenes Verhältnis zur Unterhaltungselektronik, die immer mehr Aussteller nach Hannover mitbrachten. Das beschwor einen Konflikt unter den Ausstellern herauf.

Business statt Playstation

Microsoft und Sony nutzten die Messe in Hannover zum Beispiel, um ihre Spielekonsolen Xbox und Playstation zu zeigen. Der schrille Rummel um die Daddelkisten war traditionellen Ausstellern ein Dorn im Auge. Die Idee, der Unterhaltung mit der CeBIT Home oder der Sonderschau "digital living" eigene Flächen zu bieten, erwies sich nicht als erfolgreich. Seither ist die Messe um ihr Profil bemüht. Geschäftsanwendungen sollen wieder in den Mittelpunkt rücken.

2014 läuteten die Macher schließlich eine fundamentale Neuausrichtung als reine Geschäftsmesse ein. Vergangenes Jahr zog die CeBIT noch 201.000 Besucher an. Die Neuausrichtung wurde als gelungen gelobt. In diesem Jahr wollen die Veranstalter auch das Konzept als Computermesse auf den Prüfstand stellen. Die CeBIT solle mehr ein Stelldichein der Branche sein - mit wachsender politischer Komponente, erklärte Messe-Chef Oliver Frese.

Digitalisierung verändert Geschäftsmodelle

Die Digitalisierung durchdringt heute alle Bereiche des Lebens und Arbeitens. Kein Industriezweig und kein Unternehmen bleiben von dem Umbruch unberührt. Unter dem Messe-Motto "d!Conomy" will die CeBIT die großen Trends und drängendsten Fragen in diesem Jahr zum Thema machen.

"Der Mensch als Entscheider muss die Chancen ergreifen, die sich durch die Digitalisierung bieten, um sein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. In den Unternehmen müssen genau jetzt die Weichen auf eine zukunftsgerichtete Digitalisierung der eigenen Wertschöpfungskette gestellt werden – und das in jedem Wirtschaftszweig", sagt Frese. Denn die Digitalisierung ändert Branchen, Wertschöpfsketten, Geschäftsmodelle, Prozesse, Produkte und Kommunikation. Sie ist das Megathema unserer Zeit.

Selbstfahrende Autos, Drohnen und 3D-Drucker sind drei der großen Trends der Digitalisierung. Die CeBIT will aber nicht nur Ausschnitte aus dem sich rasant entwickelnden neuen Mekka der Möglichkeiten vorstellen, sondern versteht sich auch als eine Art Seismograph für die damit verbundene gesellschaftliche Debatte. "Alles wird digital, keine Dienstleistung und kein Prozess bleibt analog", sagt Reinhard Clemens, Vorstand Deutsche Telekom und CEO von T-Systems. Die Vernetzung von Mensch und Maschine wird nach allen bisherigen Studien zu einem massiven Umbruch in der Industrie wie auch der Gesellschaft führen, alte Geschäftsmodelle wegbrechen und neue entstehen lassen.

Der Trend erfasst alle Lebensbereiche - auch im Partnerland Schweiz, wo die Uhrenindustrie angesichts sogenannter Smartwatches gerade vor einem Umbruch steht. Das für einen Schweizer Luxusuhrenhersteller auftretende britische Model Kate Moss wird daher ebenfalls nach Hannover kommen. Auf dem Messegelände reicht die Spanne vom Digitalen Krankenwagen über den größten seriellen 3D-Drucker - der während der Messe live eine Rakete entstehen lässt - bis hin zum neuen Messe-Trend, den Drohnen. Ihnen widmet die CeBIT diesmal eine ganze Halle, in der sie auch in Aktion gezeigt werden.

Flüchtlinge mit Drohnen retten

Eine der Drohnen wurde konzipiert, um im Mittelmeer Flüchtlinge zu orten und sie notfalls mit Rettungsinsel und Medikamenten zu versorgen. Doch seit immer mehr Zwischenfälle mit zivil betriebenen Drohnen bekanntwerden und auch die Zahl der Beinahe-Kollisionen mit Flugzeugen steigt, ist der Gesprächsbedarf gewachsen. Die Bandbreite der Diskussionen dazu ist enorm und reicht von der Sicherheitsthematik über Fragen der Lizenzierung bis hin zur enormen Spanne der Einsatzgebiete bei der Wartung von Offshore-Windanlagen, der Logistik oder der Lagerhaltung.

Bei den Diskussionsforen steht erneut die IT-Sicherheit im Fokus. Sie gewinnt auch vor dem Hintergrund einer neuen Gefahr an Bedeutung: Der Erpressung aus dem Internet. Krankenhäuser wurden bereits gezwungen, eine Art Lösegeld zu zahlen, um wieder Zugriff auf ihre Software-Daten zu bekommen. Sogenannte Cyber-Angriffe auf Unternehmen, aber auch öffentliche Verwaltungen werden gerade vor dem Hintergrund immer größer werdender Datenströme zum massiven Problem. Für die Hersteller entsprechender Abwehr-Systeme ist das ein großes Feld der Möglichkeiten. Auf der Messe stellt etwa der Flugzeughersteller Airbus sein digitales Defence Center vor, das Cyber-Attacken schon im Ansatz entdecken und verhindern soll.

Zahntechniker vom Aussterben bedroht?

Die Einführung des 3D-Drucks in der industriellen Produktion dürfte ebenfalls in wenigen Jahren enorm zunehmen. Durch die Digitalisierung sieht der Chef des Branchenverbands Bitkom, Bernhard Rohleder, schon bald ganze Branchen verschwinden, andere neu entstehen. "Wird es in zehn Jahren noch Zahntechniker geben?", fragte er bei einer CeBIT-Auftaktveranstaltung - und antwortete mit Hinweis auf die Möglichkeiten moderner Produktionsverfahren: "Ich sage: ,Nein'". Die Veränderungen in der Arbeitswelt wird daher konsequenterweise ein weiteres Thema der Messe sein.

Wie im Vorjahr sollen in den verschiedenen Themenbereichen und Formaten rund 3.300 Unternehmen aus 70 Nationen ihre Innovationen in Technologie und Geschäftsmodellen vorstellen. sg/dpa

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