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Ausbildungsbilanz 2018 Die Top 10 der unbesetzten Ausbildungsplätze 2018

Noch nie gab es so viele Ausbildungsplätze, aber auch noch nie gab es so viele Angebote, die unbesetzt blieben. In welchen Gewerken die Lücke besonders groß ist, zeigen die neuen Ausbildungszahlen.

Die Bilanz der Ausbildungsmarktentwicklung 2018 hat – gemessen am Zeitraum der letzten zehn Jahre – viele Spitzenwerte hervorgebracht. So stieg das betriebliche Ausbildungsplatzangebot gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent an und war mit 574.200 so hoch wie noch nie seit 2009. Zudem wurden 2018 1,6 Prozent mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen als 2017.

Auf eine neue Höchstmarke stieg jedoch auch die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze. Mit 57.700 fiel diese mehr als dreimal so hoch aus wie 2009 und lag um 17,7 Prozent höher als 2017. Insgesamt kamen auf 100 Ausbildungsplatznachfragende rund 97 Angebote.

Im Handwerk ist diese Lücke zwischen Angebot und Nachfrage besonders hoch. Handwerksbetriebe meldeten 2018 3,4 Prozent mehr freie Ausbildungsplätze als im Vorjahr. Jedoch blieben rund 33.600 dieser Ausbildungsplätze unbesetzt. Negativer Spitzenreiter in diesem Ranking ist das Lebensmittelhandwerk. Rund 41 Prozent der Plätze zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk blieben offen. Knapp dahinter liegen die Fleischer mit 39 Prozent und die Klempner mit 37 Prozent unbesetzten Ausbildungsplätzen.

Top 10 der unbesetzten Ausbildungsplätze 2018

Branche Unbesetzte Ausbildungsplätze Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze am betrieblichen Angebot (in Prozent)
Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk 3.847 40,6
Fleischer 894 39,1
Klempner 230 36,9
Restaurantfachmann 1.537 36,5
Gerüstbauer 161 31,9
Fachmann für Systemgastronomie 709 31,6
Gebäudereiniger 341 28,2
Beton- und Stahlbetonbauer 246 28,1
Bäcker 906 26,7
Tierwirt 117 25,1

Quelle: BIBB

Zwischen Männern und Frauen zeigen sich deutliche Unterscheide beim Interesse an einer beruflichen Ausbildung: 384.900 Männer fragten einen Ausbildungsplatz nach – ebenfalls ein neuer Spitzenwert seit 2009. Völlig gegensätzlich verlief allerdings die Entwicklung bei den Frauen: Lediglich 225.100 wurden gezählt, die eine duale Berufsausbildung nachfragten – ein historischer Tiefstand.

Dies sind zentrale Ergebnisse der Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2018. Sie basieren auf der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum 30. September sowie auf der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit.

Neue Interessentengruppen 

Laut BIBB-Analysen kommt der Rückgang der Nachfrage bei den jungen Frauen weniger überraschend als die stark gestiegene Nachfrage auf Seiten der jungen Männer. Denn in den letzten Jahren sanken bei beiden Geschlechtern die Schulabgängerzahlen, und bei beiden Geschlechtern setzte sich der Trend zu höheren Schulabschlüssen sowie zum Studium weiter fort. Infolgedessen brach vor allem in den primären Dienstleistungsberufen mit bislang hohen Hauptschülerinnenanteilen die Zahl der Ausbildungsanfängerinnen stark ein. Hierzu zählen zum Beispiel Berufe wie Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk oder Restaurantfachfrau.

Auch im Friseurhandwerk, eine der ausbildungsstärksten Branchen in Deutschland, ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vorjahresvergleich um 4,3 Prozent gesunken – und das, obwohl der Anteil der männlichen Auszubildenden um 10,8 Prozent gestiegen ist. Das liegt unter anderem daran, dass es bei den Männern deutlich stärker als bei den Frauen gelungen ist, neue Interessentengruppen außerhalb der aktuellen Schulabgängerjahrgänge für die Berufsausbildung zu gewinnen. Hierzu zählen:

  • männliche Abiturienten, die im Schnitt nicht so gute Abiturnoten erzielen wie junge Frauen und deshalb verstärkt eine Berufsausbildung in Betracht ziehen,
  • männliche Studierende, die im Schnitt häufiger als Frauen ihr Studium abbrechen und anschließend eine duale Berufsausbildung aufnehmen möchten, sowie
  • männliche Migranten, die weitaus häufiger unter den jungen Geflüchteten zu finden sind als Migrantinnen und in den letzten drei Jahren zunehmend für eine Berufsausbildung gewonnen werden konnten.
jb
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