Kassel -

Die Suche nach Fachkräften wird zur Chefsache

Immer mehr Betriebe können ihren Bedarf an Auszubildenden nicht decken. Kammern helfen bei beruflicher Bildung

Vieles könnte aktuell besser laufen in der Handwerkswirtschaft. Und doch hat die konjunkturelle Belebung, die seit Anfang 2006 auch im Handwerk zu spüren ist, auf dem Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. Immer mehr Betriebe im nord-, ost- und mittelhessischen Handwerk sind auf der Suche nach Fachkräften, können diesen Bedarf aber immer seltener decken. Diese persönliche Erfahrung vieler Betriebsinhaber belegt auch eine Umfrage, die die Handwerkskammer Kassel im vergangenen Jahr unter rund 700 Mitgliedsbetrieben durchgeführt hat.

Umsätze und Wachstum leiden

Bereits im Frühjahr 2007 gaben zwölf Prozent der Befragten an, dass sie freie Arbeitsstellen für Fachkräfte haben. Die Besetzung dieser Stellen ist für die Betriebsinhaber aber immer schwieriger, weil sie trotz relativ hoher Arbeitslosigkeit keine geeigneten Fachkräfte finden können. Mehr als jeder dritte Betrieb, gut 34 Prozent, gab an, Probleme zu haben, für die unbesetzten Arbeitsplätze geeignete Fachkräfte zu finden. Mit fatalen Folgen, denn dadurch werden Umsatz- und Beschäftigtenwachstum im Handwerk behindert. So ergab sich für viele der Befragten aus dieser Tatsache die Konsequenz, in Zukunft die eigenen Ausbildungsanstrengungen noch zu verstärken. Bildung im Handwerk ist Chefsache, denn ohne qualifizierte Mitarbeiter ist kein Handwerksbetrieb zukunftsfähig.

Die Untersuchung macht deutlich, dass es dem Handwerk gelingen muss, wieder mehr gut qualifizierte junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen und auf die guten Perspektiven hinzuweisen. Die demografische Entwicklung und die Tatsache, dass viele Betriebsinhaber in den kommenden Jahren einen Nachfolger suchen, unterstreichen diesen positiven Trend.

Aufgabe der Selbstverwaltung

Und an dieser Stelle kommen auch die Handwerkskammern ins Spiel, denn die Selbstverwaltung des Handwerks ist auch für Fragen der Berufsbildung zuständig. So gehört zu den hoheitlichen Aufgaben, die die Kammern vom Staat übertragen bekommen haben, unter anderem die Regelung der beruflichen Bildung. Das heißt, Betriebsinhaber und Arbeitnehmer aus dem Handwerk beschäftigen sich sowohl im Berufsbildungsausschuss der Kammer als auch in der Vollversammlung mit den Belangen der Berufsbildung und treffen alle notwenigen Entscheidungen.

So nah wie möglich an der Praxis

So erlässt der Berufsbildungsausschuss unter anderem Vorschriften für die Ausbildung im Handwerk, die beispielsweise die überbetriebliche Unterweisung betreffen, Rechtsvorschriften für Fortbildungsprüfungen sowie Verfahrensordnungen für die Durchführung von Gesellenprüfungen. Diese Beschlüsse des Berufsbildungsausschusses müssen dann jeweils von der Vollversammlung bestätigt werden. Auf diesem Weg ist gewährleistet, dass sich die Bildung im Handwerk so nah wie möglich an der Praxis orientiert, an den Anforderungen des betrieblichen Alltags.

Ihre endgültige Rechtskraft erhalten diese Beschlüsse zum einen durch die Genehmigung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie durch die darauf folgende Veröffentlichung in der Deutschen Handwerks Zeitung .

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