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Fachkräfte aus dem Ausland Die Sprache ist die größte Hürde

Aus Bewerbermangel suchen viele Unternehmer Personal im Ausland. Es kommen motivierte und kompetente Menschen – aber auch mit Heimweh im Gepäck. Zwei Beispiele.

Die Sprache ist die größte Hürde
Die Sprache ist eine große Hürde. Trotzdem ist Elektromeister Jörg Noack (rechts) froh, mit Nicolas Lazaro Roldan einen ­guten Mitarbeiter gefunden zu ­haben. -

Jörg Noack, Elektromeister aus Gingen an der Fils

Als Jörg Noack in seinem Postfach die Werbung eines privaten Personaldienstleisters fand, reagierte er spontan: "Ich füllte einen Kontaktbogen aus, auf dem ich notierte, welche Ausbildung und Berufserfahrung meine Leute brauchen und welche Sprachkenntnisse ich erwarte", erzählt Noack. "Die Personalberatung stellte mir sofort erste Bewerber vor."

Zwar suchte Elektromeister Noack dringend Fachkräfte und machte gleich drei Kandidaten aus, die gut zu seinem Unternehmen passen würden. Trotzdem zögerte er. "Wir haben schon Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und sie haben alle mindestens ein Vierteljahr gebraucht, um sprachlich klarzukommen. Ich habe mich gescheut, diesen Weg noch einmal zu gehen." Jetzt, wo Nicolas Lazaro Roldan in dem 30-Mann-Betrieb angekommen ist, zweifelt der Chef nicht mehr.

"Das ist eine Riesenleistung, die er da vollbringt."

Die sprachliche Hürde sei zwar trotz guter Vorbereitung hoch, doch das Engagement des spanischen Elektroinstallateurs dafür enorm: "Er hat sich in kürzester Zeit schon die Hälfte des notwendigen Arbeitsspektrums angeeignet", begeistert sich sein Chef. "Das ist eine Riesenleistung, die er da vollbringt." Obwohl ein zweiter Spanier noch in der Probezeit Noacks Unternehmen wieder in Richtung Heimat verlassen hat, setzt der Elektromeister auf die spanische Karte: "Wir warten jetzt auf einen weiteren Mann."

Knapp 25 Prozent der Spanier sind ohne Arbeit. Nicolas Lazaro Roldan aus Valencia war einer von ihnen. Trotz guter Ausbildung fand der Elektroinstallateur in seiner Heimat keine Anstellung. "Meine Mutter ist gebürtige Deutsche und so kam ich auf die Idee, hier zu suchen", erklärt der 28-Jährige. Eine private Arbeitsvermittlung, die er im Netz fand, half ihm bei der Auswanderung.

Trotz kühlem Wetter, Heimweh und Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache sieht Lazaro Roldan seine Zukunft in Deutschland: "Für mich ist am wichtigsten, dass ich jetzt Arbeit habe. Ich möchte nicht mehr so schnell zurück nach Spanien. Mein Leben ist jetzt hier."

Seite 2: Warum sich Fleischermeister Edgar Linhose zuerst wie auf einem Sklavenmarkt fühlte

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