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Coronavirus Die Schutzausrüstung für Bestatter wird knapp

Die Bestatter sind in Sorge, dass ihnen die Kittel und Mundschutze ausgehen könnten. Weil die Beerdigungsinstitute in den meisten Bundesländern nicht als "systemkritisch" eingestuft werden, können sie derzeit keine Schutzausrüstung oder Desinfektionsmittel kaufen. Die Vorräte in den Betrieben gehen langsam zur Neige.

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Das Bestatterhandwerk in Nordrrein-Westfalen hat sich nun mit einem Hilferuf an das Gesundheitsministerium in Düsseldorf gewandt, um als "systemkritische Infrastruktur" anerkannt zu werden. Einen ähnlichen Appell haben die hessischen Bestatter an ihre Landesregierung gerichtet. Als "systemrelevant" gelten die Bestatter bisher nur in Bayern, Baden-Württemberg, Bremen und Berlin.

Das hat Folgen. Die Bestatter können derzeit in vielen Bundesländern keine Desinfektionsmittel, Mund-Nasen Schutz, Schutzbrillen und Einweg-Infektionshandschuhe mehr käuflich erwerben. Das Material ist in Nordrhein-Westfalen für etwa 210.000 Sterbefälle pro Jahr ausgelegt, in Deutschland sterben pro Jahr etwa 900.000 Menschen. Falls sich die Corona-Krise ähnlich wie in Italien oder Spanien zuspitzen sollte, dürfte den Bestattern rasch das Material ausgehen.

Die Politik steckt in einem Dilemma. Schutzausrüstung ist knapp, das Gesundheitsministerium lässt bevorzugt Krankenhäuser und medizinisches Personal versorgen. Die Kliniken haben allerdings Labore, sie können also testen, ob ein Patient mit dem Coronavirus infiziert ist. Das können die Bestatter nicht; sie müssen jeden Sterbefall so behandeln, als wäre er infektiös – vor allem weil über das Coronavirus und seine Ansteckungsgefahren bislang so wenig bekannt ist. Zudem verfügen die Beerdigungsinstitute auch nicht über große Vorräte an Schutzausrüstung. Denn in der Vergangenheit war es stets möglich, entsprechende Güter am freien Markt zu beschaffen. Daher verzichteten viele Beerdingungsinstitute auf eine weit ausgreifende Lagerhaltung.

Der Bundesverband Deutscher Bestatter hat sich des Problems angenommen. "Wir haben durchgesetzt, dass Bestatter auf die Prioritätenliste für den Bezug von Schutzausrüstung gesetzt wurden", teilt Geschäftsführer Stephan Neuser mit. Derzeit bemüht sich der Bundesverband darum, mit dem Gesundheitsministerium zu klären, welche Schutzausrüstung überhaupt zur Verfügung steht, wie Bestellung und Versand ablaufen sollen und welche Höchstbestellmengen es gibt.

Fehlende Kinderbetreuung

Das ist nicht das einzige Problem, das die nordrhein-westfälischen Bestatter in der Corona-Krise plagt. Zwar hat das nordrhein-westfälische Familienministerium die Mitarbeiter des Bestatterhandwerks mit vorschulpflichtigen Kindern zunächst vorläufig als so genannte "Schlüsselpersonen" definiert, so dass sie die Notbetreuung in Kitas bis auf weiteres in Anspruch nehmen können. Aber die schulische Notbetreuung von Kindern ist nicht möglich, da sich das zuständige Schulministerium nach der Liste des Gesundheitsministeriums richtet. "Auch unser Handwerk vom täglichen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abhängig, ohne die das Bestattungswesen nicht gewährleistet werden kann“, sagt Christian Jäger, Geschäftsführer des Bestatterverbands NRW. "Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Mütter und Väter, die von den Schul- und Kita-Schließungen unmittelbar betroffen sind."

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium teilte inzwischen auf Anfrage der DHZ mit, dass die Leitlinie zur Bestimmung des Personals kritischer Infrastrukturen ausschließlich den Zugang zur Notbetreuung in Schulen und Kindertageseinrichtungen regle. Als kritische Infrastrukturen werden Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen eingestuft, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere ernsthafte Folgen eintreten würden. Eine Listung unter den kritischen Infrastrukturen ermögliche allerdings keinen bevorzugten Zugang zu Schutzausrüstung.

Beschränkung für Trauerfeiern

Das Coronavirus hat auch Auswirkungen auf die Trauerkultur. Da die Bevölkerung angehalten wird, Menschenmengen zu meiden und soziale Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren, sind davon ebenfalls Bestattungen und Trauerfeiern betroffen. Das Thema wird zwar kommunal unterschiedlich gehandhabt – manche Kommunen haben die Abhaltung von Trauerfeiern bereits verboten, andere haben die Teilnehmerzahl stark eingeschränkt. So oder so ist eine Beisetzung in einem würdevollen Rahmen und unter Mitwirkung von Familienangehörigen und Freunden derzeit nicht möglich. Verwandte können sich nicht am offenen Sarg verabschieden, oft dürfen nur engste Angehörige dabei sein.

Aus diesem Grund fordert etwa der Landesinnungsverband für das hessische Bestattungsgewerbe (hessenBestatter), die Bestattungsfrist für Urnen auf unbestimmte Zeit auszusetzen. In §15 Abs. 1 des Hessischen Friedhofs- und Bestattungsgesetzes ist geregelt, dass Urnen innerhalb von neun Wochen nach der Einäscherung beigesetzt werden müssen. Hermann Hubing, Geschäftsführer von hessenBestatter, sagt: "Natürlich sind die derzeit aufgrund der Verbreitung des Coronavirus getroffenen Maßnahmen notwendig und richtig.“ Allerdings dürfe man die Bedürfnisse der Angehörigen nach einer angemessenen Trauerfeier nicht aus dem Blick verlieren. "Eine Aussetzung der Bestattungsfrist für Urnen ist ohne weiteres möglich und würde eine würdevolle Beisetzung im Beisein von Verwandten und Freunden zu einem späteren Zeitpunkt ermöglichen."

Schützenhilfe der Politik

Inzwischen haben sich auch Politiker in die Diskussion eingeschaltet. Der Berichterstatter der FDP-Bundestagsfraktion für das Handwerk, Manfred Todtenhausen (MdB), bescheinigte den Bestattern eine besondere Verantwortung. "Sie müssen in diesen Zeiten nicht nur Menschen trösten und neue Regeln zum Schutz gegen Corona-Viren einhalten, sondern es bestehen für sie selbst und Ihre Mitarbeiter und natürlich die mit Ihnen in Kontakt stehenden Angehörenden erhöhte Risiken."

Umso wichtiger sei es, dass Bestatter genauso wie andere Berufszweige mit ausreichenden Schutzmaterialien und -mitteln wie Atemmasken und Desinfektionsmitteln ausgestattet würden. Bundes- wie Landesregierungen seien aufgefordert, alle relevanten Gruppen, die nahen Patienten- oder Kundenkontakt haben, bei der Verteilung zu bedenken und ggf. auch Aufrufe für Alternativen zu starten.

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