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Software unterstützt Friseurbetriebe Die perfekte Frisur auf Knopfdruck

Die Software von Friseurmeister Michael Wittek nutzt mathematische Formeln, um die perfekte Frisur zu finden. Bald könnte sie auch in der Ausbildung des Friseurhandwerks zum Einsatz kommen.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Digitalisierung

Lieber lang oder kurz, mit Pony oder Seitenscheitel und falls ja, links oder rechts? Der Friseurbesuch kann mitunter ganz schön anstrengend sein. Sowohl für Kunden, die nicht wissen, welche Frisur am besten zu ihnen passt, als auch für Friseure, die sich nicht selten für ihren Haarschnitt rechtfertigen müssen.

Geht es nach Michael Wittek, dürften solche Diskussionen bald der Vergangenheit angehören. Der Friseurmeister aus Kaufbeuren ist überzeugt, dass die perfekte Frisur keine Frage des guten Geschmacks ist, sondern sich anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse mit wenigen Klicks am Computer berechnen lässt.

Goldenen Haarschnitt finden

Wittek hat mit dem "Sastre HairstyleFinder" eine Software entwickelt, die die passende Frisur anhand einer linearen Vermessung des Gesichts bestimmt. "Jeder Mensch hat zwei unterschiedliche Körperhälften und somit auch zwei unterschiedliche Gesichtshälften, so dass es nicht die eine Frisur gibt, die zu jedem passt."

Die Aufgabe eines guten Friseurs sei es daher, die Asymmetrien des Gesichts so durch die Frisur auszugleichen, dass sich alles zu einem harmonischen Gesamtbild fügt. "Ein guter Friseur hat sicherlich ein Händchen für passende, modische und kreative Frisuren, aber er kann die Frisurenmerkmale für eine ausgleichende Frisur für vorhandene Asymmetrien nicht bestimmen, weil er es nicht gelernt hat", so Wittek weiter. Der Friseurmeister spricht angelehnt an den bekannten Begriff aus Fotografie und Malerei vom so genannten Goldenen Haarschnitt.

Die Software misst dafür anhand eines möglichst frontal aufgenommenen Fotos die vertikale und horizontale Symmetrie des Gesichts, das Verhältnis von Stirn-, Augen- und Kinnpartie, den vertikalen Augenabstand, die Augenbreite und den Spannungsbogen der Augenbrauen. "Jedes Gesicht hat 14 dominante Punkte, die berücksichtigt werden sollten", sagt Wittek.

Der Friseurmeister vertreibt sein Programm bereits über mehrere Kanäle und hat sich das Gebrauchsmuster und die Marke schützen lassen. Interessenten können sich entweder direkt auf der Webseite seines Betriebs (www.sastre.company) eine wissenschaftliche Auswertung ihres Gesichts mit passenden Frisurenvorschlägen zuschicken lassen oder sie suchen einen der Friseurbetriebe auf, die das Programm bereits via Tablet-PC in der Kundenberatung einsetzen. Bisher zählen dazu Salons in Kaufbeuren-Oberbeuren, in Berlin, Frankfurt am Main und Wien. Weitere sollen bald dazukommen.

Neben der digitalen Gesichtsvermessung können die Friseure über die Anwendung auch auf eine Frisurendatenbank zugreifen und sich ein Archiv mit den Frisuren ihrer Kunden einrichten. "Dem Haarschnitt eine wissenschaftliche Grundlage zu geben, kommt bei den Kunden sehr gut an", sagt Wittek. Die Friseure könnten eine zusätzliche Beratungsleistung anbieten, für ihr Marketing nutzen und sich ein Alleinstellungsmerkmal verschaffen.

Teil der Berufsausbildung

Mittelfristig soll Witteks Programm fester Bestandteil in der Digitalisierung der Berufsausbildung des Friseurhandwerks werden. "Die Branche hat hier großen Nachholbedarf", sagt Wittek. Friseurazubis könnten künftig am Tablet lernen, welche Haarschnitte zu welchen Gesichtern passen, und ihre Erfahrungen für die berufliche Praxis nutzen. Dazu verhandelt der Friseurmeister mit mehreren Handwerkskammern über eine Integration seiner Software in die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung. Mit erstem Erfolg: Eine Handwerkskammer will einsteigen, sobald die Fördergelder genehmigt sind.

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