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Wirtschaftswachstum "Die Party ist vorbei"

Der weltweite Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre wird sich nach Auffassung des Münchener Ifo-Instituts nicht weiter fortsetzen. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sieht das ähnlich und senkte seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft.

"Die Party ist vorbei. Der Boom der Weltwirtschaft ist zu Ende, nachdem sich die USA immer mehr auf eine Rezession zubewegen", sagte Ifo-Präsidnet Hans-Werner Sinn. Damit sei der kräftigste Aufschwung seit 1970 zu Ende.

China kann nicht an Stelle der USA treten

"Viele meinen, dass eine Rezession in den USA keine Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hat, da China nun an die Stelle der USA getreten sei, aber das ist eine Illusion", warnte Sinn. Obwohl China schnell wachse, sei das ökonomisches Gewicht immer noch klein. "Irgendwann wird es schon so sein, dass die Welt sich keinen Schnupfen mehr holt, wenn die USA niesen, aber so weit ist es noch lange nicht", fügte er hinzu.

Viele Jahre hätten in den USA über ihre Verhältnisse gelebt, mit einer Sparquote der Haushalte nahe bei null und Investitionen, die fast ausschließlich vom Ausland finanziert worden sind. Überall auf der Welt begriffen heute die Banken die schmerzliche Wahrheit, dass die Schulden, mit denen die Amerikaner ihren Konsumboom finanzierten, nicht notwendigerweise zurückgezahlt werden.

Die Bemühungen der US-Notenbank, die Krise mit Zinssenkungen beizukommen, sieht Sinn skeptisch. Die Zentralbank könne die Banken nicht mit neuem Eigenkapital ausstatten, um damit der Kreditverknappung entgegen zu treten. Mehr sei hingegen von der Steuersenkung in Höhe von 150 Milliarden Dollar zu erwarten, die der US-Kongress jüngst beschlossen hat. Ob dies allerdings ausreiche, die drohende Rezession zu verhindern, bleibe abzuwarten.

Wirtschaftsministerium: Konjunkturrisiken sind größer geworden

Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministerium haben sich die Risiken für die deutsche Konjunktur vergrößert. Die Turbulenzen an den amerikanischen und internationalen Finanzmärkten, die Wechselkursentwicklungen und steigende Rohstoffpreise hätten die Risiken "spürbar erhöht", erklärte das Ministerium am Dienstag. "Diese dürften die konjunkturelle Dynamik in Deutschland dämpfen." Insgesamt sei die Entwicklung der heimischen Wirtschaft aber nach wie vor aufwärts gerichtet.

Beim Preisauftrieb erwartet das Ministerium zum Jahresende eine Abschwächung, sofern es keine weiteren Schübe bei den Energiepreisen gebe und es nicht zu Zweitrundeneffekten komme.

IMK reduziert Wachstumsprognose

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hat seine Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft reduziert. Statt bislang 1,5 Prozent werde 2008 lediglich noch mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent gerechnet, wie das der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung angehörende Institut mitteilte. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, 2006 um 2,9 Prozent.

Als Gründe nannten die Forscher die internationale Finanzkrise, eine zu erwartende leichte Rezession in den USA, den starken Euro und steigende Rohstoffpreise. "Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die starke Aufwertung des Euro fordern allmählich ihren Tribut", sagte IMK-Direktor Gustav Horn. Der Konsum werde nach Ansicht des IMK die Konjunktur nur wenig stützen können. Zwar entwickelten sich die Reallöhne etwas stärker als in den Vorjahren, die Tendenz sei aber weiter zu schwach für signifikante Impulse.

Zudem werde hierzulande für 2008 mit 2,3 Prozent mit einer hohen Inflationsrate gerechnet. Die Arbeitslosenquote gehe im Jahresdurchschnitt 2008 gegenüber 2007 zwar weiter um etwa einen Prozentpunkt auf rund 7,5 Prozent zurück, werde 2009 nach Ansicht der IMK-Experten allerdings stagnieren. Der Beschäftigungszuwachs werde 2008 deutlich an Kraft verlieren und im kommenden Jahr sogar in einen geringen Rückgang verzeichnen.

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat seine Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr erneut zurückgenommen. Nachdem die Forscher ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erst im Dezember von 2,5 auf 1,7 Prozent gesenkt hatten, wird nun für 2008 nur noch mit einem Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet, erklärte das IWH. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, 2006 um 2,9 Prozent. Für 2009 erwartet das IWH ein BIP-Plus von 1,8 Prozent.

Verantwortlich dafür sei das weltwirtschaftliche Umfeld, dass sich in den ersten Monaten dieses Jahres deutlicher als erwartet eingetrübt habe, teilten die Forscher weiter mit. Im einzelnen verwies das IWH auf immer neue Kapitalverluste von Banken und Versicherungen infolge der Immobilienkrise in den USA, die sich mehrenden Anzeichen einer Rezession in den USA, die Dollarschwäche sowie den weltweit anhaltenden Preisanstieg für Rohstoffe, Energieträger und Nahrungsmittel.

Verbraucherpreise werden deutlich zulegen

Die Verbraucherpreise in Deutschland werden nach IWH-Schätzung 2008 um 2,4 Prozent und damit deutlich zulegen. Am Arbeitsmarkt sei allerdings mit einer weiteren Erholung zu rechnen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote werde in diesem Jahr auf 8,1 Prozent nach 8,7 Prozent im vergangenen Jahr sinken und 2009 nur noch bei 7,9 Prozent liegen.

RWI bekräftigt Wachstumsprognose

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat dagegen trotz der anhaltenden Finanzmarktkrise seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr bekräftigt. Die Forscher erwarten weiter einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gegenüber dem Vorjahr von 1,7 Prozent, wie das RWI mitteilte. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um 2,5 Prozent gewachsen, 2006 um 2,9 Prozent. Für 2009 erwartet das RWI ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent.

Zwar rechnen die Experten damit, dass die kräftige Aufwertung des Euro, steigende Rohstoffpreise und ungünstigere Finanzierungsbedingungen für Unternehmen dafür sorgen, dass das Tempo der Expansion nachlässt. Jedoch scheine die deutsche Wirtschaft mit mehr Schwung ins neue Jahr gestartet zu sein als bisher angenommen. Belastet werde die Expansion aber durch die hohe Teuerung. So werde 2008 mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent ausgegangen.

pc/ddp

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