Wiesbaden -

EU-Förderprogramm Die Mühe zahlt sich aus

Der Steinmetzmeister Martin Röhling aus Nidda profitiert vom EU-Förderprogramm für den ländlichen Raum.

Stolz führt Steinmetzmeister Martin Röhling aus Nidda seine neueste und bisher mit Abstand größte Anschaffung vor: Die vollautomatische CNC-Brückensäge im Wert von 135.000 Euro schneidet in nur wenigen Minuten eine Tischplatte aus einem Steinblock. Das fertige Produkt ist derart präzise, dass hinterher lediglich noch dessen Kanten von Hand nachbearbeitet werden müssen.

Betriebe mit bis zu zehn ­Mitarbeitern werden gefördert

Doch so schnell die Maschine auch arbeitet und den betrieblichen Alltag erleichtert, so aufwendig und langwierig gestaltete sich die Anschaffung dieses Hightechwerkzeugs, das zu einem Drittel über das EU-Förderprogramm für den ländlichen Raum nach dem sogenannten „Leader“-Ansatz finanziert wurde.

Damit können Kleinunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern sowohl bei der Anschaffung von Maschinen als auch der Schaffung oder Einrichtung neuer Räumlichkeiten gefördert werden. Diese müssen nach der Prüfung ihrer Förderwürdigkeit durch den „Leader“-Beirat auch noch ihre Förderfähigkeit unter Beweis stellen. Beides sind mehrstufige Prozesse, die Röhling zufolge manchen Betrieb möglicherweise überforderten und deshalb davor zurückschrecken ließen.

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau, Bernd-Uwe Domes, betont, dass die bereitgestellten Mittel in Höhe von insgesamt 2,1 Millionen Euro des in der „Leader“-Region Wetterau/Oberhessen bis 2020 laufenden Förderprogramms bis jetzt nicht im ausreichenden Maß ausgeschöpft worden seien. „In der Tat weist das Programm einen hohen Grad an Reglementierung und Bürokratie auf, den es zu verringern gilt. Wir bemühen uns, diesen Prozess zu optimieren“, stellt er fest.

Zudem würden viele Betriebe gar nicht wissen, welche vielfältigen Möglichkeiten der Förderung es gebe. Martin Röhling sei hingegen in der Region gut vernetzt und auf das Förderprogramm über das Wirtschaftsforum Wetterau aufmerksam geworden. Als weiteres Beispiel nennt Domes das Programm Förderung von Kleinunternehmen der Grundversorgung, das insgesamt eine Million Euro an Fördervolumen bereithält. Hier ist eine Antragstellung wieder zum 15. August 2019 möglich.

Wirtschaftsförderung ­unterstützt Antragsteller

Die Wirtschaftsförderung unterstützt die Antragsteller über die gesamte Antragsphase hinweg und prüft vorab, ob ein Betrieb hierfür infrage kommt. Im Fall von Martin Röhling dauerte dies ein halbes Jahr. „Für einen Handwerker ist das viel, da ich die Maschine in dieser Zeit noch nicht anschaffen konnte“, sagt Röhling. Dazu musste er zunächst ein Entwicklungskonzept erstellen, das den Innovationscharakter seines Vorhabens herausstellt, und die Steinmetzinnung bestätigen, dass dadurch keine Wettbewerbsverzerrung entsteht.

Als dann noch ein Geschäftsplan stand, der die Finanzierung des Projekts sicherte, und eine neue Ausbildungsstelle zum Naturwerksteinmechaniker geschaffen worden war, hatte der Betrieb die notwendigen Voraussetzungen erfüllt. „Wir haben das gemeinsam im Dialogverfahren entwickelt und der Betrieb hat sich darin aktiv eingebracht“, meint Domes.

Zukunftsfähigkeit der Betriebe sicherstellen

Das EU-Förderprogramm für den ländlichen Raum unterstützt landesweit Unternehmer mit einer Anteil­finanzierung von 35 Prozent und maximal 45.000 Euro Fördergeld. Voraussetzung ist, dass andere Betriebe aus der Region das geförderte Objekt mitbenutzen dürfen. „Da dazu Praxisschulungen notwendig sind, übernehme ich die entsprechenden Aufträge bis jetzt einfach selbst“, so Röhling.

Zudem muss die Maschine fünf Jahre im Gebrauch des Antragstellers bleiben. Da die Fertigung damit aber wesentlich schneller geht als zuvor, möchte der Steinmetzmeister gar nicht mehr auf diese verzichten. „Jetzt kann ich es auch mit größeren Betrieben aufnehmen“, betont er.

„Der Fall von Herrn Röhling zeigt, wie ein Betrieb in erheblichem Maß von diesem Förderprogramm profitiert und damit Arbeitsplätze sichert. Wenn er eine klare Vorstellung hat und sich darauf einlässt, zahlt sich die Mühe am Ende aus“, unterstreicht Domes. „Das Förderprogramm ist somit wichtig und notwendig, um die Zukunftsfähigkeit von Handwerksbetrieben im ländlichen Raum sicherzustellen.“

Weitere Informationen zur Antragstellung unter wfg-wetterau.de/Regionalentwicklung

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