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Freie Lehrstellen besetzen Mit der Einstiegsqualifizierung zur Ausbildung

Die Lehrlinge von morgen: Die Einstiegsqualifizierung bietet schlecht qualifizierten Jugendlichen eine Chance auf eine Ausbildung. Auch die Betriebe profitieren von dem staatlich geförderten Praktikum.

Einstiegsqualifizierung Ausbildung
Hat sich die Ausbildungsstelle erarbeitet: Niklas Schneider (re.) überzeugte Werkstattleiter Klaus Waßmundt. -

Jeden Tag streift sich Niklas Schneider seinen Blaumann über und legt los. Zurzeit baut der Auszubildende zum Kfz-Mechatroniker fast täglich Kabelbäume aus Autos aus und repariert Einbruchschäden. "Es macht Spaß. Es ist immer etwas los, genauso wie ich mir das vorgestellt habe", sagt Schneider. Der 19-Jährige ist glücklich, dass er doch noch einen Ausbildungsplatz in seinem Wunschberuf gefunden hat.


Denn Schneider ist einer der 6.552 Jugendlichen im Handwerk, die ab Herbst 2012 die Einstiegsqualifizierung (EQ) absolviert haben. Jugendliche, die auf dem normalen Weg keinen Ausbildungsplatz finden, können durch das staatlich geförderte Praktikum auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen.

Die Einstiegsqualifizierung gibt es in der jetzigen Form seit 2004. Die Betriebe stellen die Jugendlichen im Rahmen eines EQ-Vertrages an und zahlen damit lediglich die Sozialversicherungsbeiträge. Das Arbeitsamt übernimmt den Lohn für die potenziellen Lehrlinge – derzeit 216 Euro im Monat. Firmen, die bis zum Beginn des Ausbildungsjahres keine Azubis gefunden haben, bekommen durch die EQ die Möglichkeit, schlechter qualifizierte Jugendliche ohne Risiko auszutesten.

Chance, freie Lehrstellen zu besetzen

Während des Praktikums, das maximal zwölf Monate dauert, gehen die Jugendlichen neben der Arbeit im Betrieb in die Berufsschule. Im Anschluss an das Jahr können sie daher meist direkt ins zweite Lehrjahr einsteigen. Die Jugendlichen verlieren durch die EQ also keine Zeit. Betriebe verhindern, dass Lehrstellen unbesetzt bleiben.

Die Einstiegsqualifizierung ist damit eine Chance, die Diskrepanz zwischen offenen Lehrstellen und Jugendlichen ohne Ausbildung zu verringern. Denn auch in diesem Jahr blieben wieder 15.000 Ausbildungsplätze im Handwerk frei, obwohl 21.000 Bewerber bei der Lehrstellensuche erfolglos waren.

"EQ-ler sind motivierter"

Schneider ist einer von denen, die jedes Jahr trotz vieler freier Lehrstellen übrigbleiben. Mit seinem Hauptschulabschluss fand er in seinem Wunschberuf keinen Ausbildungsplatz. Im Oktober 2012 begann er schließlich das Einstiegsqualifizierungsjahr beim Autohaus Euler in Hofheim. Dort hat er überzeugt und sich seine jetzige Lehrstelle im Laufe des Jahres erarbeitet.

Normalerweise stellt sein Werkstattleiter Klaus Waßmundt nur Bewerber mit Realschulabschluss an. "Hauptschüler haben in der Berufsschule oft Probleme", erläutert der Kfz-Meister. Seit vor einigen Jahren die Bewerberzahlen extrem gesunken sind, nutzt Waßmundt jedoch die Möglichkeit, durch die EQ Lehrlinge zu finden.

"Die Jugendlichen sind motivierter. Sie wissen, dass es eine sehr gute Chance für sie ist, eine Ausbildungsstelle zu bekommen", sagt Waßmundt. Und die "EQ-ler" seien einsetzbar wie alle andern Azubis. Alle bekamen bisher bei ihm im Betrieb nach dem Praktikumsjahr auch einen Ausbildungsvertrag.

Mehr als die Hälfte bekommt anschließend Ausbildungsvertrag

Rund 60 Prozent der Jugendlichen werden im Anschluss an die Einstiegsqualifizierung in einen Ausbildungsvertrag übernommen. 69 Prozent finden im Laufe des nächsten halben Jahres eine Lehrstelle. Doch die Zahl der EQ-Verträge ist im Handwerk in den vergangenen fünf Jahren um 31 Prozent gesunken – laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) eine Folge des demographischen Wandels. Dennoch sei es wichtig, "dieses erfolgreiche Instrument für die Integration Jugendlicher ins Berufsleben weiter attraktiv zu gestalten", betont der ZDH. "Die hohen Übergangsquoten in die Ausbildung sprechen für sich."


Das Modell der Einstiesgqualifizierung sei vielen Betrieben aber nicht bekannt, meint Waßmundt. Die Arbeitsagenturen sollten deshalb häufiger auf diese Möglichkeit hinweisen. "Das Einstiegsqualifizierungsjahr ist Weltklasse."

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