Halle (Saale) -

Gert Sandow spricht über Digitalisierung "Die Kunden wollen elektronische Rechnungen"

Diplomingenieur Gert Sandow ist Geschäftsführer der EAB – G. Sandow GmbH. Als Gast beim Konjunkturgespräch der Handwerkskammer Halle (Saale) sprach er zum Thema Digitalisierung.

Gert Sandow: „Die Digitalisierung ist da. Wir müssen uns einfach diesem Thema stellen.“ Ein großes Problem sieht der Diplomingenieur darin, dass alle Telefonnetze per Gesetz bis 2019 auf IP-Telefonie umgestellt werden sollen. Das heißt: Alles – auch das Telefonieren – geht ab da nur noch übers Internet. Gibt es Stromschwankungen oder einen Blackout, wird auch ein Notruf nicht mehr so einfach wie bisher möglich sein. Für Notrufe gab es früher ein extra gepuffertes Telefonnetz. Das gibt es dann nicht mehr.

Seit drei Jahren gibt die Firma deshalb Schulungen für Feuerwehr, Rettungsstellen, Stadtwerke, Polizei, Kommunen und eigene Kunden und bietet individuelle Lösungen an. „Und wir haben in Deutschland auch nur ein paar Telefonnetzanbieter und wenige Stromanbieter“, verweist Sandow auf die Abhängigkeit von Großkonzernen.

Seit vier Jahren übernimmt seine Firma IP-Umstellungen auch bei Privatkunden. „Mir fehlt in der ganzen Diskussion um die Digitalisierung, dass analog und digital ausgewogen und zusammen, also parallel betrachtet werden muss.“ Analoge Technik werde es auch weiterhin geben. In der derzeitigen Digitalisierungsdiskussion aber würden vor allem Ängste geschürt. Die Menschen auch psychologisch mitzunehmen, das fehle ihm. Gert Sandow ist der Überzeugung: „Das Analoge wird das neue Bio‘.“ Tendenzen dafür seien bei Unternehmen in Silicon Valley in Kalifornien schon sichtbar.

Und dass es in Deutschland immer noch kein „Smart Meter“ gibt, ein Strommessgerät, das digital erfasst, wann und wo wie viel Strom verbraucht wird, sieht er kritisch und ist enttäuscht: „Die Mündigkeit des Verbrauchers kommt erst mit dem ‚Smart Meter‘.“ Der ehemalige langjährige Innungsobermeister kritisiert die überfordernde Bürokratie.

Gert Sandow

Gerade für kleine Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern seien die Normen, Gesetze und Regelwerke kaum noch handhabbar. Das sehe man auch an den Ängsten und dem Respekt, den viele Handwerker der neuen ab 25. Mai 2018 gültigen EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) gegenüber hätten. Hier hätte sich der Diplomingenieur mehr Unterstützung fürs Handwerk gewünscht. „Die DS-GVO ist nicht kompliziert. Mit einer Checkliste kann ein Unternehmen sehen, was es machen muss.“

Sein Tipp: die Checkliste auf der Seite des Landesamtes für Datenschutzaufsicht in Bayern. Eine weitere Herausforderung sieht er in der zukünftigen Rechnungslegung: „In den nächsten drei, vier Jahren wird es zur vollständigen elektronischen Rechnungslegung kommen. Denn der Kunde will elektronische Rechnungen.“ Auch hier sind die kleinen Unternehmen gefordert, sich darauf ein- und umzustellen. Sandow sieht die Gefahr, „dass unterqualifizierte Berufsgruppen dann komplett verschwinden“.

Letztendlich plädiert der Geschäftsführer dafür, sich im Handwerk schneller auf neue Gesetze wie IP-Umstellung, DS-GVO und auch GoBD („Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“) einzulassen. Die Vorlaufzeiten seien lang genug. Er fordert gleichzeitig, dass die Unternehmen mehr Unterstützung durch das Land und die Kammern erfahren sollten. „Das bundesweite ‚Kompetenznetzwerk für Digitalisierung‘ der Kammern, das Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen soll, müsste enger gestrickt sein. Gerade in der Region Ost gibt es da zu wenig Angebote und Anlaufstellen.“

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