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klang² Die Höhle der Löwen: Wie ein Geigenbauer einen Deal abschloss

Treffen sich ein Geigenbauer und ein Programmierer. Was dabei herauskommt ist "klang²": Ein Spiel aus Musik, Holz und einer App. Wie es dazu kam, dass die beiden ihr Produkt bei "Die Höhle der Löwen" vorstellten und was danach noch passierte.

Sie haben geschafft, wovon viele Gründer träumen. Sebastian Oberlin und Adrian Rennertz haben einen Deal bei "Die Höhle der Löwen" abgeschlossen. Die Idee der beiden Männer ist ein Memory für die Ohren: Bei "klang² (gesprochen: Klangquadrat) spielen kleine Holzplättchen mit integriertem Chip Musikstücke ab, die ihr jeweiliges Pendant suchen. In der vergangenen Staffel der Gründershow machte ihnen Nils Glagau ein Angebot. Seitdem haben sich viele neue Möglichkeiten für die beiden Freunde eröffnet.

Die Verbindung von Musik und Holz kennt Oberlin bereits aus seinem Beruf als Geigenbauer. Gelernt hat er sein Handwerk in Mailand, wo auch die Idee für Klang Quadrat entstanden ist. Bei einer Fahrt in der Mailänder Straßenbahn hörte er ein Handy klingeln. "Damals gab es noch die alten Nokia-Handys. Ich hörte Mozarts Symphonie Nr. 40 in g-Moll", erinnert sich der Handwerker, "Ich dachte schade, dass die Leute das hören und möglicherweise gar nicht genau wissen, was es ist." Danach ging ihm die Idee – spielerisch den Menschen klassische Musik näher zu bringen – eine ganze Weile nicht mehr aus dem Kopf.

Aus einer zufälligen Bekanntschaft wird ein Gründerteam

Seinen passenden Geschäftspartner fand er per Zufall bei einem Spaziergang im Wald knappe 20 Jahre später. Programmierer und Medienkünstler Adrian Rennertz war sofort begeistert und tüftelte mit Holz und Tags, um das Klangmemory umzusetzen. Das war 2018. Ein Jahr später starteten die beiden eine Kickstarter-Kampagne. Sie erhofften sich 10.000 Euro für die Vermarktung und Weiterentwicklung ihres Memorys. Das Spiel kam sehr gut an. Nach drei Wochen hatten die beiden mehr als 20.000 Euro erreicht.

Die Resonanz auf die Crowdfunkding-Kampagne war sehr groß und die beiden erhielten einige Anfragen, unter anderem von Sony-Pictures, die die VOX Gründershow "Die Höhle der Löwen" produzieren. In der TV-Sendung stellen Erfinder neue Produkte vor, eine Jury aus Investoren bewertet diese und entscheidet, ob sie Firmenanteile erwerben wollen. Mehrere Millionen Zuschauer sehen die Pitches der Erfinder und manch einer kauft anschließend auch eines der Produkte.

Sony-Pictures lädt die beiden ein

"Das bringt viel Sichtbarkeit für unsere Idee, dachten wir." Oberlin und Rennertz nahmen das Angebot gerne an und fuhren im März 2020 nach Köln, um klang² den Investoren vorzustellen. Nach dem Pitch erhielten die Gründer viel Lob für das Klangmemory, aber investieren wollte zunächst keiner der Löwen. Erst ganz am Ende unterbreitete Nils Glagau ein Angebot von 150.000 Euro für 33 Prozent Firmenanteile.

Obwohl sie ursprünglich mit zehn Prozent in den Pitch gegangen waren und Glagau nicht näher kannten, willigten die beiden Gründer ein. Wie sich herausstellte, ein guter Deal. Nach der Aufzeichnung im Studio folgten ein intensiver Background-Check und mehrere Wochen harte Verhandlungen, berichtet Oberlin. Schließlich unterzeichneten beide Parteien den offiziellen Vertrag. "Es war die richtige Entscheidung. Das Team rund um Niels Glagau ist echt cool und hat uns schon sehr viel geholfen", sagt Oberlin.

Vor allem das Vertriebsnetz sei sehr wertvoll. "Wenn das Team von Nils Glagau bei größeren Geschäftspartnern anruft ist das einfach was anderes, als wenn wir das machen", erklärt der Geigenbauer. Mittlerweile kann man das Produkt der Freiburger nicht nur über die eigene Website, sondern auch bei Manufaktum, Weltbild oder Hugendubel kaufen.

Holzspielzeug "made in Germany"

Oberlin ist bei dem ganzen Prozess wichtig, dass die Wertigkeit des Produktes nicht verloren geht. Manch andere Erfindungen aus der TV-Sendung erfahren einen starken Hype, der aber schnell wieder nachlasse. Eine langfristige Strategie sei ihnen wichtiger. "Es passiert schnell sehr viel, aber wir nehmen nicht jedes Angebot an." Insbesondere nach der TV-Ausstrahlung diesen Herbst erhielten die beiden viel Feedback und auch zahlreiche Komplimente von zufriedenen Kunden. "Das ist die beste Bezahlung für uns," freut sich der Handwerker.

Produziert wird das Spiel von drei Firmen in Deutschland. "Wir wollten kein Plastik aus China verwenden, sondern schönes Holz. Denn wir zeigen unsere Werte in dem Produkt", so Oberlin. Als Geigenbauer hat er den Vorteil, dass er sich gut mit Holz auskennt. Das habe anfangs auch bei der Serienproduktion geholfen. Aber er merkt auch an, dass das handwerkliche Geschick alleine nicht reicht, Kreativität sei auch gefragt. Und auf der anderen Seite auch das technische Know-how seines Freundes und Geschäftspartners Rennertz. "Mit unserem Produkt verbinden wir zwei Welten – Schongeistigkeit und digitale Moderne"

Neben dem handwerklichen Wissen fließt nun vor allem die Kreativität in sein neues Produkt, weshalb er auch seit einigen Monaten keine neue Geige mehr gebaut habe. Seine Werkstatt ist nach wie vor geöffnet, aber Oberlin arbeitet momentan vor allem an Reparaturen und konzentriert sich mehr auf die Vermietung von seinen Streichinstrumenten. Die restliche Kraft stecke er in seine Firma und die Weiterentwicklung. Zum Beispiel soll es in Zukunft auch orientalische Tonleitern, Oldtimer-Motoren oder Vogelklänge über die zugehörige App geben. "Wir wollen Menschen mit unserem Spiel zusammenbringen und haben dafür noch jede Menge Ideen. Wir können gar nicht anders als weitermachen", sagt Oberlin.

So funktioniert Klang Quadrat

20 Klangquadrate, aus Tonholz gefertigte Holzplättchen, sind mit einem NFC-Chip versehen. Per App können sie als interaktives Memory genutzt werden. Hält man das Klangquadrat an sein Smartphone, dann ertönt ein Musikstück, ein Geräusch oder eine Tierstimme. Das passende Gegenstück gilt es auf gleichem Weg zu finden. Ist das richtige Pärchen identifiziert, erklingt "zur Belohnung" z.B. das gesuchte Musikstück in Orchester-Form.

klang² - Portrait für die Rockstarter-Kampagne im Dezember 2019

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