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Staffelfinale der VOX-Gründershow Die Höhle der Löwen 2018: So ging es für die Handwerker weiter

Die fünfte Staffel von "Die Höhle der Löwen" ist vorbei. Doch nach dem Deal ist vor der Arbeit. Wie es für die vier Handwerker aus der diesjährigen Staffel weiterging und was Investor Ralf Dümmel besonders an seinen Deals fasziniert.

Zahlreiche Erfinder haben sich dieses Jahr wieder in die Vox-Gründershow "Die Höhle der Löwen" gewagt. Vom Kleiderbügel gegen Motten über den Kuchenteig zum Essen bis zum Mini-Inhalator, der gegen Müdigkeit und sogar Erkältungsbeschwerden helfen soll war auch diesmal viel Abwechslung geboten.

Unter den Gründern tummelten sich dieses Jahr auch einige spannende Handwerker. Gleich vier von ihnen erhielten einen Deal: Friseurmeister Frank Brormann, Tischler Rudolph Wild, Malermeister Mario Ballheimer und Fliesenleger Bernd Müller. Die Aufzeichnung der Sendung liegt nun mehrere Monate zurück. Seitdem hat sich einiges für die Erfinder verändert.

Friseurmeister Frank Brormann und sein Calligraphy Cut

Friseurmeister Frank Brormann aus Oelde stellte in der ersten Folge seinen Calligraphy Cut vor, ein Werkzeug zum Haareschneiden, das mehr Volumen und weniger Spliss verspricht. Mit seinem selbstbewussten Auftritt überzeugte er alle fünf Löwen. Einen Deal machte er schließlich mit Judith Williams und Frank Thelen.

Doch bevor der Deal unterschrieben werden konnte, dauerte es einige Monate. Denn die Gründer und die Löwen dürfen sich vor dem Pitch, der Produktvorstellung, nicht sehen. Sie werden sogar am Set vor der Aufzeichnung noch abgeschottet. Daher ist es im Anschluss umso wichtiger, dass sich beide Seiten kennenlernen. Ob der Deal wirklich zustande kommt, ist zunächst ungewiss.

Friseurmeister Frank Brormann bei seinem Pitch, Die Höhle der Löwen

Obwohl Brormann bereits gute Vorarbeit geleistet hatte, ging die Arbeit für ihn nach der Aufzeichnung der Sendung Anfang 2018 erst richtig los. Bis zur TV-Ausstrahlung im September mussten viele Fragen rund um die Verträge und das Marketing geklärt werden. Eine aufregende Zeit, wie der Friseurmeister Anfang September erzählte: "Ich habe Verträge, die ich den Investoren nicht sofort zeigen durfte, sondern erst freigeben lassen musste. Diese Phase ist bis heute noch nicht ganz abgeschlossen." Außerdem forderten Hacker ihn und sein Team wenige Tage vor dem TV-Auftritt heraus. Er musste seine Internetseite komplett neu aufsetzen. Am Tag der Ausstrahlung war dann aber alles perfekt vorbereitet und die Zuschauer konnten Brormann dabei zusehen, wie er einen der höchsten Deals aller bisherigen Staffeln abschloss.

Tischler Rudolph Wild und seine Ruwi Multiharke

Besonders großes Interesse an den Erfindungen der Handwerker aus dieser Staffel zeigte Ralf Dümmel. Der 51-Jährige Unternehmer und Geschäftsführer von DS Produkte ist schon seit drei Jahren dabei. Er investiert am liebsten dann, wenn das "Zwischenmenschliche" stimmt und er sieht, dass die Gründer "für ihr Produkt brennen". Daher sicherte er sich unter anderem eine Kooperation mit dem gelernten Tischler Rudolph Wild. "Sein Auftritt mit dem Strohhut und der grünen Gartenschütze war mir so sympathisch. Den Deal mit dem Handwerker und seiner Ruwi Multiharke musste ich einfach machen", sagt Dümmel.

Tischlermeister Rudolf Wild bei

Der 79-jährige Handwerker kann sich seit der Fernsehausstrahlung am 11. September kaum noch vor Anfragen für seine knie- und rückenschonende Harke retten. Früher hatte er im Jahr etwa 400 Gartenharken in seiner Werkstatt produziert. Nun gibt es einen Auftragsbestand von circa 140.000 Bestellungen bis Frühjahr 2019, so die Angaben von DS Produkte. Wenn die kommende Gartensaison beginnt, wird seine Erfindung also in tausenden Gärten zum Einsatz kommen. Selbst produzieren kann er diese Stückzahl zwar nicht mehr, aber er hat trotzdem genug zu tun. "Wir freuen uns sehr über die positive Resonanz, die Rudolph für seinen Auftritt erhalten hat. In den sozialen Netzwerken hat er sehr viel Zuspruch erhalten", sagt Dümmel. Im Fernsehen wird der Rentner nochmals zu sehen sein, wenn er am 1. Dezember die Multiharke im Teleshopping vorstellt.

Zahlen und Fakten zur fünften Staffel von "Die Höhle der Löwen"

Wie viele Deals wurden in dieser Staffel abgeschlossen?

39

Wie viel Geld wurde investiert?

12.195.000 Euro

Wie viele Deals haben die einzelnen Löwen gemacht?

Frank Thelen: 5
Dagmar Wöhrl: 9
Ralf Dümmel: 19
Carsten Maschmeyer: 11
Georg Kofler: 4
Judith Williams: 2

Welcher Investor hat am meisten investiert?

Carsten Maschmeyer: 4.250.000
Ralf Dümmel: 3.610.000
Dagmar Wöhrl: 1.535.000
Frank Thelen: 1.470.000
Georg Kofler: 800.000
Judith Wiliams: 530.000

In wie vielen Ländern wird die Sendung produziert?

38: Japan, UK, Australia, Ukraine, Russia, Israel, New Zealand, Canada (English speaking), Romania, Holland, Lebanon, Finland, Nigeria, Ireland, Czech Republic, Sweden, USA, Turkey, Saudi Arabia, Poland, Canada (French speaking), Slovenia, Spain, Austria, Germany, South Africa, Portugal, Italy, Denmark, China, Mexico, Kenya, Brazil, Mongolia, Vietnam, Belgium, Colombia, Thailand,

Quelle: RTL-Mediengruppe

Malermeister Mario Ballheimer und sein Abdeckblitz

In Sendung sieben, die am 16. Oktober ausgestrahlt wurde, schlug Ralf Dümmel erneut zu. Malermeister Mario Ballheimer und sein Team stellten den Abdeckblitz vor, eine Abdeckfolie, die reiß-, rutschfest, beständig gegen Lacke und Farben und wasserabweisend ist. Der Investor sah großes Potential und bot dem Team um Ballheimer 100.000 Euro für 35 Prozent.

Für Ballheimer hat sich einiges durch die Sendung verändert: "Ich habe jetzt eine 7-Tage-Woche und arbeite von fünf bis 21 Uhr. Die Zusammenarbeit mit Ralf Dümmel und seinem Team ist sehr intensiv. Meinen Malerbetrieb werde ich aber behalten. Es gibt eh schon zu wenige Handwerksbetriebe. Und meine fünf Mitarbeiter haben genug zu tun." In den vergangenen Monaten nach dem Deal haben sie viel an dem Abdeckblitz getüftelt, an einer neuen Verpackung gefeilt und überlegt, wo das Produkt verkauft werden kann.

Mario Ballheimer und Fedi Choukair in der

Nicht alle Deals bei "Die Höhle der Löwen" sind nach der Sendung erfolgreich. Doch zumindest für den Abdeckblitz gilt dies nicht. Ballheimer ist sehr zufrieden mit der Resonanz. Das Produkt werde jetzt auch an Kindergärten und Schulen, Lackierer und Schreiner verkauft. Im Schiffsbau sei seine Erfindung ebenfalls gefragt. Das hohe Interesse spiegelt sich auch in den Zahlen wider. In den fünf Wochen nach der Ausstrahlung hat der Abdeckblitz nach Angaben von DS Produkte circa 2,5 Millionen Handelsumsatz erwirtschaftet.

Fliesenleger Bernd Müller und sein Fugentorpedo

Den letzten Handwerker-Deal dieser Staffel schlossen Ralf Dümmel und die Erfinder von Fugentorpedo am 30. Oktober ab. Fliesenleger Bernd Müller hatte ein System zum Fugenreinigen entwickelt, das er nicht mehr nur seinen Kunden, sondern Menschen in ganz Deutschland und darüber hinaus anbieten wollte. Müller suchte explizit einen strategischen Investor für die Vermarktung und fand ihn. 100.000 Euro und jede Menge Know-how für 20 Prozent am Unternehmen, lautete der Deal.

Nach der Aufzeichnung sei der Adrenalinpegel steil nach oben geschossen, so Müller. "Wir sind seitdem unter 'Dauerbeschuss'. Es müssen so viele Dinge geklärt werden: die Unternehmensgründung, rechtliche Aspekte, das Verpackungsdesign, die Produktion. Wir haben zum Beispiel unseren Produzenten gewechselt. Und nebenbei haben wir ja einen Full-time-Job als Handwerker." Auch Müller ist es sehr wichtig, seinen Handwerksberuf weiter auszuführen. "Die Arbeit in unserem Betrieb für Natursteinsanierung wollen wir nicht aufgeben – egal, wie erfolgreich wir werden."

Die Investoren von DHDL begutachten den Fugentorpedo

Nicht immer laufen die Deals so reibungslos ab wie hier, und bis die Erfindungen an eine breite Masse verkauft werden können, dauert es. "Es gibt Produkte, da wird es sehr eng, dass die rechtzeitig zur TV-Ausstrahlung in den Regalen stehen. Da müssen wir manchmal sogar teure Flugkosten in Kauf nehmen", sagt Dümmel. Bei Fugentorpedo hat aber alles funktioniert. Das Produkt ist ab 9,99 Euro (UVP) im Handel erhältlich und hat, nach Angaben von DS Produkte, bereits einen Handelsumsatz von circa vier Millionen erwirtschaftet.

Drei Fragen an Ralf Dümmel

  • 1. Sie sind zum dritten Mal dabei. Was fasziniert Sie an der Sendung?

Dümmel: Zum einen bin ich unglaublich stolz auf das Format, weil etwa drei Millionen Menschen die Sendung jede Woche anschauen. Das alleine zeigt schon, dass die Sendung funktioniert. Wenn man eine Sendung machen würde, die nur Menschen anspricht, die gründen wollen, wäre die Einschaltquote vermutlich nicht so hoch. Die Sendung ist auch geeignet für viele alltägliche Situation, z.B. für Menschen, die Gehaltsverhandlungen oder Bewerbungsgespräche führen müssen. Außerdem fasziniert mich auch der Mut der Gründer, denn es ist es ja auch riskant in die Sendung zu gehen. Die Löwen und Zuschauer können das Produkt oder die Gründer natürlich auch sehr kritisch beurteilen und die Gründer müssen trotzdem am nächsten Tag zum Bäcker gehen und Brötchen kaufen. Den Schritt in "Die Höhle der Löwen" zu machen ist ein gewaltig großer Schritt, der viel Mut, Respekt, Leidenschaft, Know-how und Disziplin erfordert.

Ralf Dümmel
  • 2. Welchem Deal aus dieser Staffel trauern Sie nach?

Dümmel: Wenn mir ein Produkt und die Gründer dazu gefallen, will ich den Deal auf jeden Fall haben. Das sieht man mir dann auch an, wenn ich von etwas begeistert bin. Da möchte ich die Gründer dann auch von mir überzeugen. Dementsprechend bin ich auch totunglücklich, wenn ich einen Deal nicht bekomme. Traurig bin ich natürlich über verlorene Deals, schließlich habe ich ein Angebot gemacht, weil ich den Deal wollte.

  • 3. Was haben Sie selbst von den Gründern gelernt?

Dümmel: Ich habe sehr viel von den Gründern gelernt und bin auch sehr froh darüber. Die Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Neue Informationen können manchmal Herausforderungen sein, aber man muss manchmal sogar neue Wege einschlagen. Ich habe eine Firma mit 400 Mitarbeitern und einigen Strukturen. Die Gründer sind viel hemdsärmeliger und oft gar nicht so kompliziert wie größere Firmen. Da schaue ich mir gerne mal was ab und lerne daraus, dass die kurzen Wege oft viel schneller und besser sind, als um acht Kurven zu laufen. Von den Gründern haben wir als Firma beispielsweise gemerkt, wie einfach der Umgang ist, wenn man sich duzt. Das haben wir dann bei DS Produkte umgesetzt und ich muss sagen, dass das eine der besten Ideen überhaupt war.

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