Handwerk im Kino - "Alles in bester Ordnung" Die Handwerkerin, die Angst vor Handwerkern hat

Am 26. Mai startet die charmante Feel-Good-Komödie "Alles in bester Ordnung" im Kino. Darin fürchtet sich eine Zahntechnikerin vor dem Besuch der Heizungsfirma – und das aus einem sehr guten Grund. In unserer Filmkritik erfahren Sie, was es mit der Angst auf sich hat und ob sich der Kinobesuch lohnt.

Fürchtet sich vor dem Besuch der SHK-Firma: Zahntechnikerin Marlen (Corinna Harfouch) in ihrer Wohnung voller nostalgischem Plunder. - © Filmwelt/Lichtblick/Niklas Lindschau

Handwerker, die regelmäßig Hausbesuche machen, kennen das Dilemma: Rückt die Heizungsfirma zum Ablesen der Zählerstände, der Schornsteinfeger zur Wartung der Therme oder der Elektroniker für Reparaturen am Stromnetz an, ist bei weitem nicht jeder Kunde darauf vorbereitet. Terminhinweise im Hausflur wurden übersehen, das Freiräumen der Heizkörper wurde vergessen oder Abwesenheiten wurden nicht an den Handwerksbetrieb kommuniziert. Was aber tun, wenn eine Kundin zu Hause ist und den Zutritt zu ihrer Wohnung hartnäckig verweigert?

Genau diese Geschichte erzählt Filmemacherin Natja Brunckhorst in ihrer warmherzigen Feel-Good-Komödie "Alles in bester Ordnung", die ihre Weltpremiere auf dem Filmfest Hamburg 2021 feierte und am 26. Mai 2022 in den deutschen Kinos startet: In ihrem feinsinnig erzählten und prachtvoll ausgestatteten Film ist es ausgerechnet eine Handwerkerin, die selbst große Angst vor dem Besuch der Handwerker hat. Der Grund dafür: Sie ist zwar kein "Messi", hat ihre Wohnung aber vom Boden bis zur Decke mit altem Plunder vollgestellt – und sie hat große Angst davor, aufgrund ihres eigenwilligen Lebensstils von der Hausverwaltung die Kündigung zu erhalten.

Wohnst du schon oder sammelst du noch?

Marlen (Corinna Harfouch) arbeitet in einem Dentallabor, im kleinen Team von Betriebsinhaber Magnus (Joachim Król) gilt sie aber als kontaktscheue Außenseiterin. Die gelernte Zahntechnikerin ist vor und nach Feierabend lieber für sich und geht einer ausufernden Sammelleidenschaft nach: An Sperrmüll kann sie nie vorbeigehen, ohne etwas einzustecken, von alten Büchern und Erinnerungsstücken kann sie sich einfach nicht trennen – und so hortet sie Unmengen an wertlosem Nippes und Memorabilien in ihrer Mietwohnung, in der dadurch kaum Platz zum Leben oder gar für eine zweite Person neben ihr bleibt.

Bestreitet sein Leben mit nur 100 Dingen: IT-Techniker Fynn (Daniel Sträßer) zieht vorübergehend bei Marlen ein und gibt ihr reichlich Tipps. - © Filmwelt/Lichtblick/Niklas Lindschau

Für den Zuschauer ist dieser Blick in die Wohnung zweifellos faszinierend: Es ist fast ein kleines Museum, das sich die Handwerkerin da eingerichtet hat. Weil es in ihren vier Wänden so viel zu entdecken gibt, würde man am liebsten einmal ungestört ein paar Stunden darin verbringen. Marlen lebt einem bunten Potpourri aus nostalgischem Krimskrams, antiquierten Büchern und wertlosen Utensilien, die zwar niemand braucht, aber die auch zu schade zum Wegwerfen sind. Keine Frage: Neben der renommierten, mit zahlreichen Filmpreisen ausgezeichneten Hauptdarstellerin Corinna Harfouch sind die Requisite und das Szenenbild die heimlichen Stars dieses Films.

Ein Wasserrohrbruch mit Folgen

Und Marlens Leben in diesem Museum auf engstem Raum wäre wohl ewig so weitergegangen, wenn nicht unverhofft Besuch vor der Tür der Handwerkerin gestanden hätte: Der IT-Techniker Fynn (Daniel Sträßer) hat in der Wohnung im Stockwerk darüber einen Wasserrohrbruch fabriziert, weil er eine tropfende Heizung kurzerhand selbst reparieren wollte, statt einen SHK-Fachmann ranzulassen – nun steht in seiner Bude das Wasser und er muss für die Reparaturarbeiten vorübergehend ausziehen, während es in Marlens Wohnung von der Decke tropft.

Dass der junge Mann, der aus Prinzip mit maximal 100 Dingen seinen Lebensunterhalt bestreitet, vorübergehend bei ihr einziehen will, passt Marlen gar nicht – doch ihr neuer Untermieter, dem sie zähneknirschend Einlass gewährt, ist schon bald ihr geringstes Problem. Die Hausverwaltung hat eine Handwerksfirma mit dem Austauschen der gesamten Heizungsanlage beauftragt – und während in Fynns Wohnung neue Heizkörper eingebaut werden, tickt auch für Marlene, die aus Angst vor der Kündigung partout niemanden in ihre vollgestellte Wohnung lässt, die Uhr. Der pragmatisch lebende IT-Techniker hilft der kratzbürstigen Zahntechnikerin dabei, neue Ordnung in ihr Heim zu bringen – dass das nicht von heute auf morgen gelingt, versteht sich von selbst.

Leitet ein kleines Dentallabor: Der gutmütige Betriebsinhaber Magnus (Joachim Król) hat die kratzbürstige Marlen in sein Herz geschlossen. - © Filmwelt/Lichtblick/Niklas Lindschau

Kurzweilige Unterhaltung und ein fast magisches Finale

So treffen zwei gänzlich verschiedene Charaktere in einer Art Kammerspiel aufeinander – er braucht sie für einen Schlafplatz, sie braucht ihn, um Ordnung in ihre Unordnung zu bringen. Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich eine Dramaturgie, die wir aus vielen romantischen Komödien kennen: Aus anfänglicher Ablehnung, einem handfesten Streit und humorvollen Reibungen entwickelt sich im emotionalen Chaos Interesse am anfangs so ungeliebten Gegenüber, das irgendwann in Versöhnung mündet. Die Geschichte driftet aber nie in den Kitsch ab, sondern arbeitet Marlens Konflikt zwischen Loslassen-Können und Festhalten-Wollen feinsinnig auf – und weil durch den "drohenden" Besuch der Handwerksfirma in Marlens Wohnung die Uhr tickt, schleicht sich auch selten Leerlauf ein.

So gipfelt "Alles in bester Ordnung" nach reichlich Turbulenzen und vielen scharfzüngigen Dialogen in einem fast magischen, unheimlich nostalgisch angehauchten Finale – und wird bei weitem nicht so simpel aufgelöst, wie man es zu Beginn des Films noch für wahrscheinlich halten würde. Der Kinobesuch lohnt für die charmant arrangierte, detailverliebt ausgestattete und stark besetzte Tragikomödie daher allemal, wenngleich der Film dramaturgisch über weite Strecken auf ausgetretenen Pfaden wandelt.

>>> Weitere Informationen zum Film