Mobilität -

Projekt der Handwerkskammer Erfurt Die Elektromobilität steckt in einem Dilemma

Der Elektromobilität fehlt in Deutschland noch der zündende Funke. Das zeigen auch die Ergebnisse eines Projekts der Handwerkskammer Erfurt.

29 Unternehmen aus 14 Gewerken haben in den vergangenen zwei Jahren im Gebiet von fünf Kreishandwerkerschaften einen Renault Kangoo Z.E. im Betriebsalltag getestet. Fazit nach rund 12.000 Kilometern: Unter den aktuellen Rahmenbedingungen würde keiner der beteiligten Betriebe einen Elektrotransporter anschaffen.

Dabei haben die Fahrer im "Modellprojekt zur Ermittlung der Eignung und Wirtschaftlichkeit eines Elektrofahrzeugs im Betriebsfuhrpark von Handwerksbetrieben" durchaus positive Erfahrungen mit dem E-Lieferwagen gemacht. Die kräftige Beschleunigung, das geringe Geräuschniveau und die einfache Bedienung sorgten für viel Fahrspaß.

Gebremstes Kaufinteresse

Selbst die geringe Reichweite von weniger als 200 Kilometern stellte während der Testphase kein Problem dar, da das Fahrzeug selten mehr als 50 Kilometer pro Tag bewegt und meist abends auf dem Betriebsgelände aufgeladen wurde. Trotzdem sehen die Handwerker die begrenzte Reichweite, verbunden mit langen Ladezeiten, als Hemmnis für den Kauf eines Elektroautos.

Die durchschnittliche Reichweite von Elektrofahrzeugen liegt nach Angaben des Stuttgarter Beratungsunternehmens Horváth & Partners aktuell bei knapp 240 Kilometern. Sie sei jedoch innerhalb der vergangenen vier Jahre um 100 Kilometer gestiegen und würde sich bis 2020 auf mehr als 400 Kilometer erhöhen, prognostiziert Horváth & Partners.

Auch der hohe Preis und die geringe Wirtschaftlichkeit bremsen das Kaufinteresse der Handwerker. Thomas Spengler, Vorstandsmitglied des Forschungszentrums Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig, hält allerdings nichts von Kaufprämien für E-Autos. „Unsere Simulationen zeigen, dass selbst bei einer Verdoppelung der Kaufprämie das Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis zum Jahr 2020 nicht erreicht werden wird“, erklärt der Professor.

Kaufprämie von 5.000 Euro vorgeschlagen

Im Moment steht ein Vorschlag im Raum, wonach von Juli an eine Prämie von 5.000 Euro für private und 3.000 Euro für gewerbliche Käufer gezahlt werden könnte, die dann jedes Jahr um 500 Euro gesenkt werden soll. 40 Prozent der Prämie sollen die Hersteller beisteuern, den Rest der Staat. Aber Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sträubt sich noch gegen die Pläne seiner Kabinettskollegen Siegmar Gabriel und Alexander Dobrindt.

In Erfurt ist man zufrieden mit dem Verlauf des Projekts, das von den Handwerkern gut angenommen und von der Fachhochschule wissenschaftlich begleitet wurde. "Bei entsprechenden Rahmenbedingungen würden einige Betriebsinhaber sicher in die Elektromobilität einsteigen", glaubt Sven-Erik Laars, Technologieberater bei der Handwerkskammer Erfurt.

Der Freistaat Thüringen habe bereits die Förderung eines Folgeprojektes in Aussicht gestellt. Dann soll die Lade-Infrastruktur im Mittelpunkt stehen.

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