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Analyse der Bezahlgewohnheiten Die Deutschen sind bargeldverliebt: Doch die Liebe bröckelt

Karte, nein danke! Die Deutschen bezahlen noch immer am liebsten bar – und stechen damit deutlich heraus im europäischen Vergleich. Doch die Liebe zu Münzen und Scheinen scheint allmählich zu schwinden.

Wer für den Schwedenurlaub Bargeld abhebt, wird am letzten Urlaubstag unter Umständen feststellen müssen, dass er kaum etwas davon losgeworden ist. Viele Geschäfte und Restaurants akzeptieren nur noch Kartenzahlungen. Bargeld? Vom Aussterben bedroht. Ganz anders in Deutschland. Dort werden von den jährlich insgesamt 50 Milliarden Transaktionen privater Kunden noch immer 67 Prozent bar bezahlt, so das Ergebnis einer Analyse des deutschen Bezahlverhaltens durch die Unternehmensberatung McKinsey & Company.

Aus Sicht der Banken ist Bargeld jedoch ein spürbarer Kostenpunkt: Zwei Milliarden Euro geben deutsche Banken jährlich für das System aus, beispielsweise für die bundesweit rund 50.000 Geldautomaten. Banken prüfen daher, wie sie ihre Kosten für Scheine und Münzen senken können. Denn die Umsätze der Branche im Zahlungsmarkt sind seit 2012 um zwei Milliarden auf nun 22 Milliarden Euro gesunken.

Online-Einkauf: Rechnung und Lastschrift dominieren

Auch beim Kauf im Internet sind die Deutschen eher konservativ. Sie zahlen am liebsten mit Lastschrift oder auf Rechnung: 63 Prozent aller Onlinezahlungen werden so abgewickelt. Auf mobile Zahlungsmöglichkeiten entfallen weniger als ein Prozent aller Transaktionen. Sie bleiben damit noch ein Nischenprodukt.

Online- und Mobile Shopping werden künftig jedoch um zehn bis 15 Prozent pro Jahr weiter wachsen und so den Trend zu digitalen Zahlungsmöglichkeiten bestärken, sagt Reinhard Höll, Associate Partner bei McKinsey: "Kunden, nicht Technologien, werden treibende Kraft für Innovation seien. Der Wunsch von Händlern und Konsumenten nach mehr Komfort und weniger Komplexität macht das derzeitige Wachstum bei Zahlungsmethoden zu einer vorübergehenden Erscheinung."

Trend geht hin zu weniger Bargeldtransaktionen

Insgesamt nimmt die deutsche Bargeldnutzung schon jetzt ab – wenn auch langsam. Der Anteil von Barzahlungen sank in den letzten Jahren über alle Altersgruppen hinweg um ein bis zwei Prozent jährlich. In Europa liegt der Bargeldanteil der Bundesrepublik aber dennoch noch weit über dem Durchschnitt. Während in Deutschland immer noch zwei Drittel der Transaktionen bar getätigt werden, sind es im Europschnitt nur noch 30 Prozent. dhz

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