Meisterstücke -

Chocolaterie Kugel & Noller Architekten des Geschmacks

Kevin Kugel und Felix Noller verführen in ihrer Chocolaterie in Nufringen die Kunden mit süßen Kreationen. Wer will, kann bei einem Seminar seine eigene Schokolade herstellen – angeleitet vom amtierenden Deutschen Meister der Schokoladenmacher.

Chocolaterie Kugel & Noller
Kevin Kugel (li.) und Felix Noller in ihrer Chocolaterie in Nufringen. -

Die Fahrt von Paris nach Stuttgart dauert lang. Fünf Stunden Zeit, die Erlebnisse der letzten Tage Revue passieren zu lassen. Kevin Kugel und Felix Noller blicken aber lieber in die Zukunft. Irgendwann fällt die Entscheidung: Wir machen uns selbstständig.

Das war im vergangenen Oktober, die beiden 28-jährigen Konditormeister auf der Heimfahrt von der Weltmeisterschaft der Schokoladenmacher. Als deutscher Meister der Chocolatiers hatte sich Kevin Kugel für die WM in Frankreich qualifiziert, die er auf Platz sieben abschloss, unterstützt von seinem Freund Felix Noller. Die Erfolge sollen das Aushängeschild ihrer Chocolaterie werden, die an Ostern eröffnet hat. Aber nicht die Schwabenmetropole Stuttgart haben sich die Gründer für ihr Geschäft ausgesucht, sondern das beschauliche Nufringen, ihren Heimatort.

Qualität und Transparenz als Unternehmensphilosophie

Wer den Laden im Ortszentrum betritt, riskiert eine Verführung. Berge von Trüffel türmen sich hinter der Verkaufstheke, deren dunkles Holz an Zartbitter-Schokolade erinnert. In den Regalen finden sich kugelförmige Pralinen, die wie Schellack glänzen. Aus Gläsern leuchten von Schokolade ummantelter Crêpes, daneben Schachteln voll dünner Schokolade-Plättchen, die laut ihrer Schöpfer ideal zu einer guten Flasche Wein passen. Es duftet nach Trinkschokolade und Cappuccino, die in einer italienischen Maschine in Retro-Design zubereitet werden.

Chocolaterie Kugel & Noller
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Und doch steht der Kunde nicht nur in einem Verkaufsraum oder einem Café – er steht mitten in der Produktionsstätte der Chocolaterie Kugel & Noller. Ein paar Stufen führen hinauf auf ein Podest, das den beiden Geschäftsinhabern als Arbeitsraum dient. Keine Wand, nicht einmal eine Glasscheibe trennt die Kundschaft vom Schaffen der Chocolatiers. So können sie fast immer einem der beiden bei der Arbeit zusehen, während sie vom anderen bedient oder beraten werden.

"Unsere Familien unterstützen uns, Freunde helfen. Aber im Prinzip machen wir alles selbst – von Einkauf und Kalkulation über Herstellung und Verkauf bis hin zur Büroarbeit", schildert Kevin Kugel den Alltag als Existenzgründer. Dennoch ist für ihn mit dem eigenen Geschäft ein Traum in Erfüllung gegangen, auch wenn er schon als Pâtissier in der Sterne-Gastronomie gearbeitet hat. "So etwas macht man, um zu lernen. Auf Dauer möchte ich dort nicht arbeiten", sagt Kugel, der seinen Kompagnon Felix Noller schon aus der ersten Klasse in der Grundschule kennt.

Zwei Freunde wissen früh, was sie einmal werden wollen

Beide haben gemeinsam die Hauptschule besucht, später die Hauswirtschaftsschule in Herrenberg. "Ich wollte schon immer Koch werden", sagt Kevin Kugel, obwohl seine Eltern im Ort einen Fliesenlegerbetrieb führen. Für Felix Noller war hingegen klar, dass er einmal in die elterliche Bäckerei einsteigen wird. "Ich habe zunächst in einem fremden Betrieb eine Konditorlehre gemacht, dann bei meinen Eltern Bäcker gelernt, um gleich im Anschluss Meister und Betriebswirt dranzuhängen", erklärt Felix Noller seine Blitz­karriere im Handwerk.

Chocolaterie Kugel & Noller
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Nicht weniger furios gestaltete sich die Berufslaufbahn von Kevin Kugel. Nach Koch- und Konditorlehre führte ihn eine Art Wanderschaft ins Freiburger Hotel Colombi, wo mit Küchenchef Alfred Klink ein Sterne-Koch am Herd steht, sowie nach Mühlheim an der Ruhr zu Lothar Buss, einem seiner Vorgänger als deutscher Meister der Chocolatiers. Es folgte die Meisterschule für Konditoren in Köln, deren Leiter Ewald Knauf zu Kevin Kugels Förderer wurde. "An der Meisterschule durfte ich mich auf die Meisterschaft vorbereiten", sagt Kevin Kugel. Denn ohne intensives Training geht es nicht.

Die zehn schönsten Schokoladetürme

Vier Monate lang hat Kevin Kugel täglich nach der Arbeit an der Meisterschule geübt, ehe er sich für die kniffligen Aufgaben gerüstet sah. Denn die hatten es in sich: Innerhalb von zwei Tagen musste ein Schaustück zum Thema "Die Architektur des Geschmacks" von bis zu zwei Metern Höhe gestaltet werden, dazu 48 Formpralinen, zwei identische Schokoladenkuchen für acht Personen und sechs Portionen eines Schokoladendesserts. Außerdem sollte ein traditionelles deutsches Rezept neu interpretiert werden.

Überrascht vom Interesse der Laufkundschaft

Die Erfahrungen eines solchen Wettbewerbs, zumal wenn er gewonnen wird, sind das beste Startkapital für das eigene Geschäft. Jetzt müssen sich Kevin Kugel und Felix Noller nicht gegenüber Juroren von ihrer Schokoladenseite präsentieren, sondern vor ihren Kunden. Deren Urteil überrascht die beiden Existenzgründer: "Wir hatten nicht mit einem derart anhaltenden Ansturm der Laufkundschaft gerechnet."

Chocolaterie Kugel & Noller
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Außerdem bieten sie Seminare zur Schokoladenherstellung an. Für besondere Anlässe wird schon mal das Modell eines Mercedes als "Heckflosse" in Schokolade gegossen oder ein filigraner Indianerkopf verziert. In der VIP-Lounge des 1. FC Köln können sich die Fußballfans ab der neuen Saison die Halbzeitpause mit dem Genuss edler Pralinen aus Nufringen versüßen.

Nur der Online-Shop ist zurzeit geschlossen. "Im Sommer ist es einfach zu heiß, um hochwertige Schokolade zu verschicken", sagt Kevin Kugel. Dafür verwandelt sich die Chocolaterie Kugel & Noller in ein Eis-Café. "Aber Kugeleis in der Waffel zum Mitnehmen wird es bei uns nicht geben. Wir servieren Fruchtsorbets, kombiniert mit Schokolade, Gewürzen und Crunch."

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