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Transport und Verkehr Tipps für die richtige Ladungssicherung

Wer sich im Straßenverkehr viel Geld und Ärger sparen will, der sollte dem Thema Ladungssicherung besondere Beachtung schenken. Eine entscheidende Rolle spielen hier Haftungsrisiken.

In Deutschland vergeht kaum ein Tag, an dem es wegen mangelnder Landungssicherung nicht zu einem schweren Unfall kommt. In der Pfalz kippte kürzlich aus diesem Grund ein mit sieben Tonnen beladener LKW um und führte zu einer dreistündigen Straßensperrung. In Südniedersachsen stoppte die Polizei wenige Tage später gerade noch rechtzeitig einen Sattelzug, der mit verrutschten und ölverschmierten Teilen beladen war.

Diese Liste an Verkehrsmeldung ließe sich beliebig fortsetzen und zeigt vor allem eines: Mit Ladungssicherung ist nicht zu spaßen. Paragraf 22 Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung, kurz StVO, schreibt vor, dass Ladung selbst bei Vollbremsung oder einer plötzlichen Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- oder her rollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen darf. Gerade Handwerksbetriebe, die täglich unterwegs sind, sollten dem Thema besondere Beachtung schenken. Doch was müssen Halter und Fahrer genau berücksichtigen? Und welche Konsequenzen drohen im Schadenfall? Fakt ist: Wenn eine Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert ist, kann das sowohl straf- und ordnungswidrigkeitenrechtliche als auch zivilrechtliche Haftungsrisiken zur Folge haben.

Neue Fahrt, neue Verpflichtungen für den Halter

Bei vielen Handwerksbetrieben gleicht kaum eine Fahrt zum Kunden einer anderen. Wichtig ist, dass der Halter jedes Mal auf das Neue einen sicheren Transport gewährleistet. Zu allererst muss ein verkehrssicheres Fahrzeug zur Verfügung gestellt werden, das für den konkreten Transport geeignet ist. Das beinhaltet auch das Bereitstellen der Ausrüstung, die für die Ladungssicherung notwendig ist. Wichtig ist, dass der Halter seine Fahrzeuge sowie die Gegenstände zur Ladungssicherung und die Ladungssicherung selbst regelmäßig kontrolliert – zumindest stichprobenartig. Außerdem verlangt der Gesetzgeber, dass der Halter seine Fahrer regelmäßig schult und einweist.

Die wichtigsten Regelungen zur Ladungssicherung

Die deutschen Gesetze beinhalten mit Ausnahme bestimmter gefahrgutrechtlicher Bestimmungen zwar keine konkreten Angaben zur Art der Ladungssicherung. Je nach Fall können aber verschiedene Normen und Gesetze herangezogen werden:

  • Wenn Dritte aufgrund unsachgemäßer Ladungssicherung geschädigt werden, haften Fahrer und Halter für den dadurch entstandenen Schaden aufgrund der Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches und des Straßenverkehrsgesetzes.
  • Wird ein Frachtführer beauftragt, regelt das Handelsgesetzbuch die Haftungsbefreiung des Frachtführers für den Fall, dass Absender oder Empfänger für den Verlust oder die Beschädigung der Ware verantwortlich ist.
  • Die rechtlichen Grundlagen eines grenzüberschreitenden Straßentransports sind in der CMR geregelt – der internationalen Vereinbarung über Beförderungsverträge auf Straßen.
  • In der Bußgeldkatalogverordnung sind die Bußgelder und die Punkte in Flensburg festgelegt, die bei Verstößen gegen die Vorschriften der StVO und der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung zur Ladungssicherung fällig werden. Ein Verstoß gegen die StVO kommt z.B. in Betracht, wenn Ladungsteile aufgrund mangelnder Sicherung – zum Beispiel Sand, der nicht mit einer Plane abgedeckt ist – vom Fahrzeug auf die Straße fallen und den Verkehr gefährden.
  • Daneben sind DIN- und EN-Normen sowie die Richtlinien des VDI – insbesondere die VDI-Richtlinie 2700 - bei der Ladungssicherung entscheidende Vorschriften.

Das gilt besonders, wenn ein Transport Gefahrenpotenziale birgt. Werden etwa brennbare Flüssigkeiten transportiert, muss der Halter dem Fahrer die notwendigen Anweisungen für die Ladungssicherung überreichen. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten die erteilten Ein- und Anweisungen vom Halter dokumentiert werden. Handwerksbetriebe sollten zum Beispiel Betriebsanweisungen anfertigen, in denen dargestellt wird, wie Werkzeuge und Arbeitsutensilien sicher zu verladen sind.

Auch für den Fahrer gilt: besser Vorsicht als Nachsicht

Bevor man in die Fahrerkabine steigt, sollte man immer die Ladungssicherung und Lastverteilung kontrollieren. Dies gilt auch dann, wenn ein Kollege oder Kunde die Ladung vorgenommen hat. Stellt der Fahrer bei der Ladungssicherung Mängel fest, ist es seine Pflicht, die Durchführung des Transportes zu verweigern – andernfalls geht er ein großes Haftungsrisiko ein.

Die Pflichten des Fahrers enden aber nicht mit Fahrtantritt: Während des Transports muss er nämlich regelmäßig kontrollieren, ob die Ladung noch gesichert ist und falls notwendig zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ergreifen. Das gilt besonders dann, wenn unvorhergesehen Umstände eintreten – etwa wenn wegen einer Sperrung der Umweg über eine holprige Straße genommen werden muss. Außerdem sollte der Fahrer sein Fahrverhalten der Ladung anpassen.

Punkte, Bußgelder, Schadenersatz: damit muss bei Verstößen gerechnet werden

Eine nicht ordnungsgemäß gesicherte Ladung verstößt gegen das Straßenverkehrsrecht und wird mit Bußgeldern und Punkten im Flensburger Verkehrszentralregister geahndet. Wer mehrmals gegen das Recht verstößt, muss damit rechnen, seinen Führerschein zu verlieren. Mangelnde Ladungssicherung kann aber schnell noch viel kostspieliger werden. Denn wird durch nicht ausreichend gesicherte Ladung ein Gegenstand beschädigt oder gar jemand verletzt, kann der Geschädigte für den entstandenen Schaden Ersatz verlangen. Dieser kann je nach Wert des Gegenstands oder abhängig von der Art der Verletzung schnell im mehrstelligen Bereich liegen. Zusätzlich ist eine Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung möglich, wenn jemand in einem solchen Fall verletzt wird.

Wird ein Fahrer mit nicht ordnungsgemäßer Ladung gestoppt, sind Verzögerungen bei der Lieferung unvermeidbar. Denn in der Regel untersagt die Polizei in solchen Fällen die Weiterfahrt. Der Versender kann dann für die Verspätung und die daraus resultierende Vertragsverletzung in Haftung genommen werden. Kommt der Versender seiner Verpflichtung zur beförderungssicheren Verladung nicht nach und die Ware geht während der Fahrt verloren oder wird beschädigt, kann dies außerdem den Haftungsausschluss des Frachtführers zur Folge haben. In diesem Fall würde der Versender auf seinem Schaden sitzen bleiben.

Diese möglichen Konsequenzen zeigen: Handwerksbetriebe tun sich und anderen Verkehrsteilnehmern einen Gefallen, wenn sie ihre Ladung ordnungsgemäß sichern und die Sicherungsmaßnahmen regelmäßig überprüfen. Alle profitieren, wenn auch die Liste der Verkehrsmeldungen deshalb in Zukunft kürzer ausfällt.

Judy-Anne Krug

Judy-Anne Krug (LL.M.) ist Salaried Partnerin bei der Sozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek.

Einer ihrer Tätigkeitsschwerpunkte ist das Transportrecht.

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