Für Ausbilder -

Ausbildungsreport 2018 DGB fordert Mindestvergütung für Auszubildende

Nach einer Gewerkschaftsumfrage sind rund 70 Prozent der Lehrlinge mit ihrer Ausbildung zufrieden. Doch es werden weniger.

Zum Start des Ausbildungsjahres fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Politik und Wirtschaft zu mehr Anstrengungen auf. "Die Bundesregierung muss endlich das Berufsbildungsgesetz reformieren", sagte DGB-Vize Elke Hannak bei der Vorstellung des Ausbildungsreports 2018. So müsse endlich eine Mindestausbildungsvergütung im Gesetz aufgenommen werden. Im ersten Jahr sollte diese mindestens 635 Euro monatlich betragen. Eine höhere Ausbildungsvergütung allein helfe aber nicht, auch die Ausbildungsbedingungen müssten verbessert werden. Dazu gehörten etwa bessere Qualifizierungsmöglichkeiten der Ausbilder in den Betrieben sowie die Finanzierung von Ausbildungsmitteln.

DGB: Viele potenzielle Lehrlinge im Übergangsbereich

Nach Ansicht Hannaks fehlt es auf dem deutschen Ausbildungsmarkt auch nicht an Bewerbern. Noch immer steckten mehr als 290.000 junge Menschen in zahlreichen Maßnahmen im Übergang von Schule in Beruf. "Es gibt viele unversorgte Jugendliche, die eine Ausbildung machen wollen", sagte sie. Die Kammern rief sie auf, Unternehmen noch mehr auf diesen Übergangsbereich aufmerksam zu machen. Mit ausbildungsbegleitenden Hilfen und der so genannten Assistierten Ausbildung stünden genügend Instrumente bereit, um Ausbildungsbetriebe zu unterstützen. Scharf kritisierte sie, dass insgesamt nur rund ein Fünftel aller Betriebe Lehrlinge ausbildeten. Wenn dies so weiter gehe, müsse mittelfristig über eine "Entlastung" der ausbildenden Betriebe nachgedacht werden.

Ausbildungszufriedenheit stark von der Branche abhängig

DGB-Ausbildungsexperte Daniel Gimpfel wies darüber hinaus auf "gravierende Probleme" bei der Ausbildungsqualität hin. Zwar sei mit 70,2 Prozent die Mehrheit der Auszubildenden mit ihrer Lehre zufrieden, dies sei allerdings der niedrigste Wert der seit Beginn der Erhebung vor 13 Jahren erreicht wurde. Auch hänge die Zufriedenheit stark mit der Branche und der Größe des Ausbildungsbetriebes zusammen, wie der Ausbildungsreport deutlich mache.

So hätten Tischler, zahnmedizinische Fachangestellte, Friseure, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk und Hotelfachleute ihre Ausbildung am schlechtesten bewertet. Gute Werte gab es dagegen für Verwaltungsfachangestellte, Mechatroniker oder für Elektroniker für Betriebstechnik. Dabei wurden für den aktuellen Ausbildungsreport knapp 15.000 Lehrlinge aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt.

Ausbildungsplan noch immer keine Selbstverständlichkeit

Mit Blick auf die Arbeitszeit – dem Schwerpunktthema des diesjährigen Ausbildungsreports – verwiesen rund 36 Prozent der Auszubildenden laut DGB-Report auf regelmäßige Überstunden von durchschnittlich 4,1 Stunden pro Woche. Dabei haben 13 Prozent der Auszubildenden anders als gesetzlich vorgeschrieben keinen zeitlichen oder finanziellen Ausgleich bekommen. Auch wurden bei der Hälfte der Auszubildenden in Schichtarbeit die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von elf Stunden nicht eingehalten.

Gimpfel bemängelte außerdem, dass trotz entsprechender Vorschriften noch immer rund ein Drittel der befragten Auszubildenden keinen Ausbildungsplan bekomme. Auszubildende könnten so die betrieblichen Lerninhalte nicht überprüfen. Nach Ansicht der Gewerkschafter sollten Arbeitgeber ihren Auszubildenden auch früher als bisher eine Übernahmeperspektive bieten.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten