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Ausbildungsreport 2019 DGB: Azubis sehen sich unzureichend auf Digitalisierung vorbereitet

Nach einer Gewerkschaftsumfrage sind nur knapp 70 Prozent der Lehrlinge mit ihrer Ausbildung zufrieden. Tendenz fallend. Was sich aus Sicht des DGB bessern muss.

Angesichts wachsender Herausforderungen an die duale Ausbildung fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nicht nur beim Thema Digitalisierung mehr Engagement von Politik und Wirtschaft. "Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden. Die Mittel aus dem Digital-Pakt von Bund und Ländern müssen auch an den beruflichen Schulen ankommen", betonte DGB-Vize Elke Hannack bei der Vorstellung des Ausbildungsreports 2019.

Außerdem gelte es, das betriebliche Ausbildungspersonal besser zu qualifizieren. Knapp 30 Prozent der Lehrlinge sähen sich durch die Ausbildung nicht ausreichend auf die Digitalisierung in der Arbeitswelt vorbereitet, unterstrich DGB-Jugendsekretärin Manuela Conte. Für eine höhere Zufriedenheit unter den Auszubildenden müsse aber nicht nur hier nachgelegt werden. Regelmäßige Überstunden oder ausbildungsfremde Tätigkeiten müssten vermieden werden, forderte sie.

Tischler bewerten ihre Ausbildung wieder besser

Wie die DGB-Umfrage unter rund 16.000 Auszubildenden in den 25 häufigsten Ausbildungsberufen deutlich macht, ist die Zufriedenheit der Auszubildenden weiter leicht auf 69,9 (Vorjahr: 70,2) Prozent gesunken.

Dabei gibt es nach den Worten Contes erhebliche Unterschiede zwischen den Brachen und der Größe der Ausbildungsbetriebe. So zählen zu den Berufen mit den besten Bewertungen Industriemechaniker, Verwaltungsfachangestellte, Industriekaufleute sowie Mechatroniker und Zerspannungsmechaniker. Zu den Berufen mit den schlechtesten Bewertungen solche aus dem Hotel- und Gaststättenwerbe sowie Friseure, Maler- und Lackierer und Fachverkäufer aus dem Lebensmittelhandwerk.

DGB-Vize Hannack verwies aber auch auf Verbesserungen im Handwerk. So hätten etwa Tischler und Tischlerinnen ihre Gesamtbewertung verbessert und im Lebensmittelhandwerk sei die Zahl der Ausbildungsabbrüche zurückgegangen.

Handwerk und DGB fordern bessere Berufsorientierung

Mit Blick auf den Ausbildungsreport unterstrich Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer die anhaltenden Bemühungen des Handwerks, für eine gute Ausbildung zu sorgen. Dies entspreche dem Selbstverständnis des Handwerks.

Dem Verband sei es ein Anliegen, gerade Klein- und Kleinstbetriebe zu unterstützen. Dies gelte umso mehr, da die Herausforderungen für die Ausbildung nicht nur wegen der zunehmenden Digitalisierung zulegten. "Die Voraussetzungen, die die jungen Menschen mitbringen, werden immer heterogener", betonte Wollseifer. Zudem gebe es aus demografischen Gründen immer weniger Schüler, von denen sich immer weniger für eine Ausbildung entschieden.

Eine flächendeckende Berufsorientierung auch an Gymnasien sei deshalb längst überfällig. Auch DGB-Vize Hannack sieht hier angesichts der hohen  Zahl von Studienabbrechern Verbesserungsbedarf.

Viele Auszubildende erfahren erst spät von möglicher Übernahme

Den sieht DGB-Jugendsekretärin Conte auch beim vorgelegten Entwurf des Berufsbildungsgesetzes. So sollte ein Berufsschultag als voller Arbeitstag gezählt werden. Auch sollten Auszubildende drei Monate vor Ausbildungsende über ihre Perspektive im Unternehmen informiert werden. Noch immer wüssten fast 40 Prozent der Lehrlinge kurz vor Ausbildungsende nicht, ob sie übernommen würden. Zudem sollte die Ausbildung kostenfrei sein. Wie der Handwerksverband weiter mitteilte, wollen ZDH und DGB am 16. September eine gemeinsame Bildungskonferenz zur Ausbildungsqualität veranstalten.

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