Meinung -

Kommentar Deutschlands Hausaufgaben

Trotz den zahlreichen Baustellen, die das politische Weltgeschehen aktuell bietet, geht es der deutschen Wirtschaft gut. Das sollte genutzt werden. Unternehmen müssen an den richtigen Stellen investieren. Der Staat ist mit Reformen gefordert.

Es ist derzeit schon etwas seltsam. Während die politischen Unsicherheiten wachsen, nimmt die wirtschaftliche Zuversicht eher zu. Nordkorea und Syrien heißen die besonderen Spannungsgebiete. Hinzu kommen der Brexit, das Referendum in der Türkei und die Präsidentenwahl in Frankreich. Ferner ist die Finanzkrise in Europa nach wie vor nicht gelöst, genauso wie die Flüchtlingskrise. Deutschland wird aktuell von mehreren Seiten zudem wegen seines hohen Exportüberschusses in die Zange genommen. Der US-Präsident ist nur der prominenteste Verfechter dieser Vorwürfe.

Die deutsche Wirtschaft lässt sich von diesem unfreundlichen Umfeld noch nicht beeindrucken. Auch die Frühjahrsprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute geht von einem weiteren spürbaren Wachstum in Deutschland aus. 2017 soll das Bruttoinlandsprodukt um 1,5 Prozent und 2018 gar um 1,8 Prozent zunehmen. Dieses Wachstum soll zunehmend auch wieder vom Export gespeist werden. Allerdings treiben auch die für das Handwerk wichtigen Bauinvestitionen die Konjunktur weiter mit an. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht es für Deutschland etwas anders: 1,6 Prozent Wachstum in diesem, aber nur noch 1,5 Prozent im nächsten Jahr. Prognosen sind, je weiter sie in die Zukunft reichen, Kaffeesatzleserei. Sollte der Protektionismus um sich greifen, wird Deutschland das massiv zu spüren bekommen.

Beim Treffen der Mitglieder des IWF hatte Bundesfinanzminister Schäuble keinen leichten Stand. Er wird sich damit anfreunden müssen, Signale auszusenden, wie Deutschland seinen Exportüberschuss abbauen könnte. Nun kann man ja damit argumentieren, dass überall deutsche Güter und Dienstleistungen wegen ihrer hohen Qualität gefragt sind. Deutschland kann auch nichts dafür, dass diese wegen der Entwicklung des Euro zudem relativ kostengünstig sind. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass andere Länder, deren Unternehmen in der Wertschöpfungskette beteiligt sind, ebenfalls profitieren.

"In Deutschland könnte mehr für Investitionen ausgegeben werden."

Aber ehe andere Staaten bereit sind, ihre Hausaufgaben zu machen, werden sie immer mit dem Zeigefinger auf Deutschland deuten. Doch auch wir können uns einige Hausaufgaben vornehmen: In Deutschland könnte mehr für Investitionen ausgegeben werden – beim Staat wie bei Unternehmen. Die Mittel dafür könnten unter anderem durch die Senkung der eindeutig zu hohen Steuern und Abgaben bereitgestellt werden. Solche Zeichen sollte unser Land zumindest senden.

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