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Ergebnisse des OECD-Berichts Deutschland: Gute Noten bei beruflicher Bildung

Die Corona-Krise lässt die Bedeutung der beruflichen Bildung in den Vordergrund rücken. Deutschland kann dabei im Vergleich zu anderen Ländern punkten, wie der jährliche OECD-Bericht zeigt.

Die duale Ausbildung bleibe Deutschlands "große Stärke", sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher bei der Vorstellung des jährlichen OECD-Berichts "Bildung auf einen Blick". "Insgesamt funktioniert die Abstimmung zwischen Bildung und Arbeitsmarkt gut", fügte er hinzu. Jetzt gehe es darum, die Ausbildungswege fit für die Zukunft zu machen und die Chancen der Digitalisierung besser zu nutzen.

Wollseifer: Höhere Berufsausbildung darf nicht unter den Tisch fallen

ZDH-Präsident Peter Wollseifer begrüßte die Betonung der dualen Ausbildung als Stärke des deutschen Bildungssystems. Auch erwarteten die Experten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zurecht, dass das Berufsbildungssystem auch in der wirtschaftlichen Erholungsphase nach der Corona-Pandemie eine Schlüsselrolle spielen werde. Allerdings hätte er sich eine Beachtung der höheren Berufsbildung in der Studie gewünscht. Auch Meister, Fach- und Betriebswirte und andere sollten sich künftig in der Statistik wiederfinden, forderte er mit Blick auf den Bericht, der dieses Jahr die berufliche Bildung als Schwerpunkt hatte.

Karliczek betont Aufstiegsmöglichkeiten

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sprach von einem "guten Zeugnis", dass die OECD in ihrem Bericht Deutschland ausgestellt habe. Sie betonte, dass hierzulande 92 Prozent der jungen Leute eine Ausbildung in einem Bereich machten, der den beruflichen Aufstieg ermögliche. Im OECD-Durchschnitt seien es dagegen nur 70 Prozent. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Stefanie Hubig versprach, die Qualität der beruflichen Schulen weiterzuentwickeln und die Digitalisierung weiter voranzutreiben sowie in die Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte zu investieren.

Gute Beschäftigungschancen für junge Absolventen einer dualen Ausbildung

Wie aus dem Bericht hervorgeht, haben sich zuletzt 46 Prozent aller Schüler der oberen Klassenstufen für einen berufsbildenden Weg entschieden. Dies seien vier Prozent mehr gewesen als im Durchschnitt der OECD-Länder. Bei knapp 90 Prozent von ihnen sei die Wahl auf einen dualen Ausbildungsgang gefallen. Dies sei fast dreimal so viel wie im OECD-Mittel. Dabei hätten die jungen Leute gute Berufsaussichten. Insgesamt seien 2019 rund 88 Prozent der 25- bis 34 Jährigen mit einem mittleren Berufsabschluss beschäftigt gewesen. Ihr Beschäftigungsniveau sei damit so hoch wie bei Absolventen von Hochschulen. Nach Ansicht Wollseifers zeigt sich die Stärke des Systems außerdem darin, dass nur acht Prozent der 18- bis 24-Jährigen weder in Ausbildung noch in Beschäftigung seien. Im OECD-Durchschnitt liege dieser Wert dagegen bei 14 Prozent.

Wollseifer: Digitalisierung an Schulen schneller angehen

Die Corona-Krise hat nach den Worten Wollseifers aber auch die Defizite im System der Allgemeinbildung deutlich gemacht: So hätte nur ein Drittel der deutschen Schüler in der Krise eine schulische Einrichtung besucht, die über "effektive Onlineplattformen zur Lernunterstützung" verfügt. Der OECD-Durchschnitt liege dagegen bei 54 Prozent. Was an Unterricht und an Berufsorientierung ausgefallen sei, müsse deshalb nachgeholt werden. Auch müsse die Digitalisierung in den Schulen entschiedener als bisher angegangen und der Digitalpakt der Bundesregierung rasch und vorangetrieben werden, forderte er.

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