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Bildungsbericht Deutschland bietet jungen Erwachsenen gute Berufsperspektiven

Die beruflichen Aussichten sind für junge Menschen in Deutschland deutlich besser als in vielen anderen Industriestaaten. Als Grund dafür nennt die OECD die gute Konjunktur und die leistungsfähige berufliche Bildung. Probleme gibt es trotzdem.

Nur in wenigen Ländern Europas sind die Perspektiven für junge Erwachsene besser als in Deutschland. Nur etwa jeder Zehnte der 20 bis 24-Jährigen ist hierzulande weder in Beschäftigung noch in Aus- oder Weiterbildung. "Deutschland bietet jungen Menschen vielfältige Bildungschancen und derzeit sehr gute Übergänge ins Berufsleben", sagte Stefan Kapferer, stellvertretender Generalsekretär Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bei der Vorstellung des Berichtes "Bildung auf einen Blick 2015".

Der Durchschnitt der 33 OECD-Länder liegt bei 17,9 Prozent. Besser ist es nur in Luxemburg, Island und Norwegen. Als Grund für das gute Abschneiden nannte Kapferer auch das duale Ausbildungssystem. Es biete "hervorragende Möglichkeiten, ins Berufsleben einzusteigen".

Trend zu höherer Bildung hält an

Nicht immer hat es so lobende Worte der OECD für die duale Ausbildung in Deutschland gegeben. Vielmehr kritisierte die Organisation die relativ wenigen Studierenden in Deutschland. Man könne sich freuen, dass "die OECD jetzt die duale Ausbildung auch schätze", sagte denn auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Auch sie hob den relativ unkomplizierten Übergang ins Berufsleben in Deutschland hervor. Erfreulich ist für sie angesichts des schnellen Wandels der Berufswelt aber auch der anhaltende Trend zu höherer Bildung.  So haben laut OECD-Bericht 2013 in Deutschland 53 Prozent eines Jahrganges ein Studium oder einen anderen tertiären Bildungsgang wie die Ausbildung zum Techniker oder Meister angefangen. 2004 hatte die Quote noch bei 44 Prozent gelegen.

Problematisch ist nach Ansicht Wankas allerdings die hohe Studien-Abbrecherquote. Laut Bericht schließen hierzulande gerade mal 36 Prozent – und damit weniger als im OECD-Durschnitt – ein Studium ab. Gegensteuern wollen Bund und Länder mit besserer Studien- und Berufsberatung in weiterführenden Schulen, wie auch die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und sächsische Staatsministerin Brunhild Kurth sagte. Außerdem soll die Lehre an den Hochschulen weiter verbessert werden.

Mehr Interesse an Mint-Fächern als anderswo

Wie die Bildungspolitikerinnen hervorhoben, wählen in Deutschland (40 Prozent) im Vergleich zu anderen OECD-Staaten (29 Prozent) relativ viel junge Erwachsene einen Studiengang oder eine entsprechende berufliche Qualifizierung im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich. "Jeder Dritte im tertiären Bereich hat einen Mint-Abschluss", zeigte sich Wanka zufrieden. Entscheidend ist nach Ansicht Kurths, noch mehr junge Frauen für die sogenannten Mint-Fächer zu begeistern. Außerdem käme es darauf an, die berufliche Bildung noch besser mit der Hochschulausbildung zu verzahnen.

Wanka will Flüchtlinge in Handwerksberufen fördern

Mit Blick auf die Ausbildung von Flüchtlingen sagte Kurth, dass Deutschland hier ein "ganz dickes Brett zu bohren" habe. Die Länder hätten allesamt weitreichende Programme aufgelegt, um mehr Lehrer auszubilden und einzustellen. Insgesamt dürfe die Qualität der schulischen Bildung unter dem Flüchtlingszustrom nicht leiden. Wanka versprach, parallel zu Maßnahmen im Bundesarbeitsministerium ein "großes Programm" für handwerkliche Berufe auflegen zu wollen. Noch sei es allerdings nicht ganz spruchreif.

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