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Immaterielles Kulturerbe: Orgelbauer-Handwerk Deutscher Orgelbau ist Unesco-Kulturerbe

Die Unesco hat die deutschen Orgelbauer in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Zahlreiche weitere Traditionen wurden jetzt im südkoreanischen Jeju zum Kulturerbe erklärt.

Die Tradition von Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland ist in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Diese Entscheidung wurde am 7. Dezember bei der Tagung des Unesco-Komitees auf der südkoreanischen Insel Jeju bekanntgegeben. "Deutschland kann auf eine große Kultur des Orgelbaus und der Orgelmusik zurückblicken, die weltweit ihresgleichen sucht", äußerte sich Staatsministerin Monika Grütters erfreut über die Entscheidung.

Durch die Aufnahme in die Unesco-Liste werde die Bedeutung dieses jahrhundertealten kulturellen Erbes gebührend gewürdigt, so Grütters weiter. Derzeit gibt es laut der deutschen Unesco-Kommission 400 handwerkilche Orgelbaubetriebe mit etwa 2.800 Mitarbeitern und 180 Auszubildenden in Deutschland. In der Orgelmusik seien 3.500 hauptamtliche und zehntausende ehrenamtliche Organisten engagiert. Mehr als 50.000 Orgeln seien hierzulande im Einsatz.

Deutsche Orgeln im Ausland begehrt

Maria Böhmer, Staatsministerin für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, erinnerte daran, dass deutsche Orgeln auch ein Exportschlager sind. "In Deutschland produzierte Orgeln erklingen heute weltweit, sei es in Japan, auf den Philippinen, in Brasilien oder in den USA", so Böhmer. Auch an deutsche Hochschulen ausgebildete Organisten seien auf der ganzen Welt geschätzt.

Die Orgel, der Orgelbau und die Orgelmusik wurden vor mehr als 2.000 Jahren im hellenistischen Ägypten erfunden und gelangten über Byzanz nach Europa, wo sie seit der Karolingischen Renaissance als Kulturgut bis in die Gegenwart weiterentwickelt wurden. Seit dem Mittelalter werden Orgeln aus Europa, wo die meisten Orgeln gebaut werden, in viele Länder weltweit exportiert. Nach Auskunft der deutschen Unesco-Kommission zählt Deutschland weltweit zu den wichtigsten Ländern für die Weiterentwicklung des Orgelbaus und der Orgelmusik. Im Orgelbau verbänden sich Wissen im Umgang mit der Natur und traditionelles Handwerk mit innovativer Technik der jeweiligen Epoche. Seit dem Mittelalter sei Orgelmusik auch Teil der kirchlichen Liturgie. Sie habe viele Komponisten, wie Bach, Liszt oder Mendelssohn-Bartholdy in Deutschland und darüber hinaus inspiriert.

In Jeju wurden jetzt zahlreiche weitere Traditionen ins Welt-Kulturerbe aufgenommen, darunter das Tonfiguren-Handwerk in Estremoz (Portugal), das Handwerk des Müllers für Wind- und Wassermühlen in den Niederlanden und die Kunst des neapolitanischen Pizzabäckers "Pizzaiuolo" (Italien). fm

Hintergrund

Der Zwischenstaatliche Ausschuss setzt sich aus 24 gewählten Vertragsstaaten der Konvention zum Immateriellen Kulturerbe zusammen. Er entscheidet jährlich über die Aufnahme neuer Kulturformen in die Unesco-Listen des Immateriellen Kulturerbes. Bisher sind 377 Formen des Immateriellen Kulturerbes auf der internationalen Repräsentativen Liste eingetragen, 53 Elemente auf der Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Immateriellen Kulturerbes und 17 gute Praxisbeispiele zur Erhaltung Immateriellen Kulturerbes. Kriterien für die Anerkennung sind unter anderem eine nachweisbare Lebendigkeit und eine identitätsstiftende Komponente für die Trägergemeinschaft der Kulturform, die Entwicklung von Erhaltungsmaßnahmen, eine weitreichende Beteiligung der Trägergemeinschaft und die Eintragung in ein nationales Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Mit der Einschreibung verpflichten sich die Vertragsstaaten, das Immaterielle Kulturerbe auf ihrem jeweiligen Staatsgebiet zu fördern.

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