Bayerischer Handwerkstag -

BHT-Fachtagung Der Verkehr der Zukunft

Die E-Mobilität und der Verbrennungsmotor waren Diskussionsgrundlagen für die BHT-Fachtagung in München.

Bäckermeister Roland Schüren aus Hilden bei Düsseldorf ist inzwischen in ganz Deutschland bekannt. Schüren war zu Gast bei der Fachtagung „Stadtverkehr – Alternativen zum Verbrennungsmotor“, die der Bayerische Handwerkstag (BHT) auf der diesjährigen Internationalen Handwerksmesse (IHM) Anfang März in München veranstaltete.

Im Januar 2017 hatte Schüren zusammen mit mehreren gleichgesinnten Handwerkern eine Elektro-Transporter-Selbsthilfegruppe gegründet. Er wollte es nicht länger hinnehmen, dass es keine strombetriebenen Nutzfahrzeuge der so genannten „Sprinter-Klasse“ gibt. „Wir haben unseren Anforderungskatalog an 51 Hersteller und Umrüstungsbetriebe geschickt. 13 Angebote kamen zurück“, erzählte Schüren.

Das Ergebnis ist der „BV1 Bakery Vehicle One“, Europas 1. Serien-E-3,5-Tonner, der auch auf der IHM zu sehen war und mit dem Bundespreis für hervorragende innovatorische Leistungen für das Handwerk ausgezeichnet wurde. Mit der Auslieferung der ersten Fahrzeuge rechnet Schüren in Kürze. Der Unternehmer fährt voll auf Elektromobilität ab: „Sie ist ein Wirtschaftlichkeits-Booster für Photovoltaik – ganz besonders bei Bäckern.“

Kosten für Umrüstung in Grenzen halten

Doch der Elektroantrieb ist nach Auffassung von BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl nicht die alleinige Lösung des Problems: „Es braucht eine Mischung aus verschiedenen Antriebstechniken, je nach Anforderungen der Gewerke. Bei Bäckern, die leichtere Lasten transportieren und einen geringeren Radius abdecken, können elektrobetriebe Fahrzeuge hilfreich sein. In Schreinereien oder auf dem Bau müssen größere Lasten gefahren werden.

Hier bleibt der Dieselmotor ganz sicher die Antriebstechnik der nächsten Jahre.“ Der BHT-Präsident forderte, dass die Forschung in Gas- oder Elektroantriebe weiter vorangetrieben werden müsse: „Wir stehen vor der großen Herausforderung einerseits, die notwendige Mobilität zu gewährleisten, und andererseits den Anforderungen an eine lebenswerte und für den Menschen nicht gesundheitsgefährdende Umwelt gerecht zu werden.“

Die drohenden Dieselfahrverbote in den bayerischen Innenstädten hängen wie ein Damoklesschwert über vielen Handwerksbetrieben. „Wir lehnen Fahrverbote entschieden ab, denn damit wären schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft in den Ballungsräumen und für die Versorgung der Bevölkerung verbunden“, betonte Peteranderl.

Die Handwerker hätten auf eine normgemäße Zulassung ihrer erworbenen Fahrzeuge vertraut. „Es darf nicht sein, dass sie durch enteignungsgleiche Fahrverbote für die Fehler von Herstellern und Politik haftbar gemacht werden“, kritisierte der BHT-Präsident. Bayerns damaliger Wirtschaftsstaatssekretär und jetziger -minister Franz Josef Pschierer sprach sich klar gegen ein Fahrverbot aus: „Verbote sind keine Lösung.“

Deshalb müsse ein Maßnahmenpaket greifen, vom öffentlichen Nahverkehr bis hin zu schnellen Nachrüstungen der Autoindustrie bei den Abgasnormen Euro 5 und Euro 6. Einen kommunalen Masterplan entwickelt gerade Münchens Gesundheits- und Umweltreferentin Stephanie Jacobs: Dazu zählt zum Beispiel ein umfangreiches Förderprogramm für Elektromobilität, für den Ausbau des ÖPNV, von Radschnellwegen und Park-and-Ride-Plätze. Zudem setzt Jacobs auf die Erweiterung der Umweltzone durch die blaue Plakette: „Damit könnten wir unsere Umweltzone weiterentwickeln.“ Seit 2012 sei es München auf diese Weise gelungen, die Feinstaubgrenzen einzu­halten.

Förderprogramm zur Elektromobilität

Prof. Dr. Markus Lienkamp von der TU München schaut mit dem Blick des Wissenschaftlers auf die Verkehrsproblematik: „Wir kriegen fossile Energieträger nicht emissionsfrei. Das Elektrofahrzeug kann diese Anforderungen am besten lösen – aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Mit etwas mehr Reichweite könnte z.B. die Taxiflotte innerhalb von zwei bis drei Jahren auf E-Fahrzeuge umgestellt werden, sagte Lienkamp, der auch mit sinkenden Kosten rechnet: „Zwischen 2020 und 2025 wird das E-Fahrzeug nach Vollkosten billiger als der Verbrenner.“ Er regt an, eher den Aufbau der Lade­infrastruktur staatlich zu fördern als den Kauf von Elektrofahrzeugen.

Bäckermeister Georg Brücklmaier berichtete von seinen Erfahrungen mit einem Erdgasfahrzeug, das er zuletzt getestet hat: „Es hat wunderbar funktioniert und es gibt keinen Unterschied zu anderen Lieferfahrzeugen. Ich könnte mir vorstellen, es in meinen Fuhrpark zu integrieren.“

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