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Gewinner in der Corona-Pandemie Der Trend geht zur Heimsauna

In Zeiten von geschlossenen Bädern und Thermen erfüllen sich viele Privatpersonen den Wunsch von einer eigenen Sauna. Spezialisierten Handwerksunternehmen eröffnen sich gute Geschäftsmöglichkeiten.

Volle Auftragsbücher, Umsatzsteigerung und positive Prognosen. Die Corona-Pandemie hat der Schreinerwerkstatt Kaufmann & Hofmann aus Bad Windsheim in Mittelfranken bisher wenig anhaben können. Nur in vier bis sechs Wochen während des ersten Lockdowns gingen deutlich weniger Aufträge ein, erklärt Geschäftsführer Bernd Hofmann. Ein Trend setzt sich allerdings bis heute durch: Immer mehr Privatkunden lassen sich im eigenen Zuhause eine Sauna einbauen. Das berichtet nicht nur die Schreinerwerkstatt, sondern zeigen auch aktuelle Branchenkennzahlen.

Schnelle Erholung und Trendwechsel

"Nach ein paar Wochen Lockdown hat sich die Situation normalisiert und ist umgeschlagen in ein sehr großes Anfrageplus, welches bis jetzt anhält", sagt Hofmann. Besonders die Nachfrage nach Heimsaunen sei extrem gestiegen. Er stellt einen direkten Zusammenhang zur Pandemie und den damit zusammenhängenden Schließungen von Thermen, Bädern und öffentlichen Saunen her. Viele Kunden verzichteten einfach nicht gerne auf ihren Saunagang, andere erfüllten sich dadurch einen lang gehegten Traum. Allein im Jahr 2020 hat die Schreinerwerkstatt rund 40 Saunen verbaut – ein Drittel mehr als noch 2019. In diesem Jahr werden voraussichtlich doppelt so viele Heimsaunen verbaut wie vor der Krise üblich waren. "Statt Kurzarbeit stehen deshalb eher Überstunden an", sagt Hofmann, "nur so können alle Aufträge bearbeitet werden."

Sauna-Boom auch für andere Unternehmen ein Umsatzbringer

Das Umsatzplus der deutschen Saunabauer liegt im Jahr 2020 bei etwa zehn Prozent. Das sagte Rolf-Andreas Pieper, Geschäftsführer des Deutschen Sauna-Bundes, im Februar der Deutschen Presse-Agentur. Ein Trend sei deutlich zu erkennen: Im Privatbereich steige die Nachfrage, während sie im gewerblichen Bereich sinke. Verwunderlich ist das nicht, denn laut Sauna-Bund gibt es in Deutschland rund 30 Millionen regelmäßige Saunagänger. Diese Kundenverschiebung bestätigt auch Stefan Schöllhammer, Geschäftsführer von Klafs aus Schwäbisch Hall. Das Unternehmen mit über 730 Mitarbeitern verbucht im vergangenen Jahr einen Auftragszuwachs von mehr als 20 Prozent aus dem Privatbereich. Im Gewerbesektor, zum Beispiel in Fitnessstudios oder Thermen, habe es Einbußen gegeben. Gleiches meldet Ulrich Müther, Chef der Firma Anton Müther. Der Umsatz seines Unternehmens wuchs im vergangenen Jahr um 20 Prozent. Grund dafür seien mehr Aufträge von Privatkunden. Laut Sauna-Bund hat die Pandemie den Trend zum Saunieren verstärkt. Pieper sagt: "Die Menschen denken mehr an ihre Gesundheit, und sie wollen etwas Entspannung und Ablenkung haben in düsteren Zeiten."

Eine Sauna nach Wunsch

Die Schreinerwerkstatt Kaufmann & Hofmann, mit ihren zwei Geschäftsführern und elf Mitarbeiten, bietet unterschiedliche Modellreihen für Heimsaunen an. Neben verschiedenen Element- und Blockbohlensaunen, die auf Vorfertigungen aufbauen, steht die Designsauna zur Auswahl. "Das ist eine völlig individuelle Sauna und unser hochwertigstes Modell, für das wir in den letzten Jahren einen sehr speziellen Aufbau entwickelt haben." Beim Aufbau werden die Vorteile der Elementsaune – wie große Gestaltungsspielräume und Materialvielfalt – mit dem Massivholzaufbau einer Blockbohlensauna kombiniert. Die Wände und Decken der Designsauna bestehen aus einer in sich geschlossenen Ebene aus massiven Dreischichtplatten, die es erlaubt, auf die Aluminiumfolie als Dampfbremse zu verzichten. Um die Beständigkeit der Sauna zu erhöhen, verstärken die Handwerker diese Ebene mit 50mm dicken Massivhölzern. Die Saunainnenseiten werden mit Saunaprofilen oder Saunapaneelen beplankt, die unsichtbar befestigt werden. Wie die Designsauna dann konkret aussehen soll, entscheidet jeder Kunde individuell.

Materialbeschaffung als Problem

Die Saunakabinen bestehen meist aus Fichte oder Weißtanne. Die Hölzer kommen aus deutschen oder europäischen Wäldern. Die Schreinerwerkstatt bestellt über einen Holzgroßhandel – und genau dort kommt es derzeit zu Problemen. Selbst bei Standardhölzern liege die Lieferzeit deutlich höher als üblich. "Der Markt ist im Moment absolut verrückt", sagt Bernd Hofmann, "und bei der Technik, also Steuergeräte oder Saunaöfen, sieht es ähnlich aus." Auf einen Saunaofen, der früher innerhalb weniger Tage verfügbar war, warte das Unternehmen mittlerweile mehrere Wochen. Die coronabedingten Grenzkontrollen würden sich übrigens kaum auf die Verzögerungen auswirken. Selbst wenn ein Lkw ein paar Stunden länger brauche – der hohe Bedarf an Material sei derzeit das Hauptproblem. Aus diesen Lieferengpässen resultieren längere Wartezeiten für die Kunden. Je nach Saunamodell dauert es von Auftragsbestätigung bis Fertigstellung sechs bis acht Monate, wobei das, im Vergleich zu Mitbewerbern, relativ schnell sei, erklärt Hofmann. In einer Sauna steckten immerhin zwischen 80 und 200 Arbeitsstunden. Die Individualität der Saunen mache es schwierig, einen konkreten Preiskatalog aufzustellen. Bernd Hofmann sagt: "Wir fangen im mittleren Preissegment bei circa 6.000 bis 8.000 Euro an, fertigen aber auch Saunen im Highend-Bereich." Der Endpreis hierfür liege dann zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Dazwischen sei aber alles möglich.

Online-Aufritt als Kundenmagnet

Mindestens die Hälfte der Sauna-Kunden wird über Google auf die Schreinerwerkstatt aufmerksam. "Wir können ohne das Web nicht leben und ohne das Web nicht arbeiten", sagt Hofmann. Die Homepage sei zwar in Ordnung, doch in diesen Bereich will Hofmann weiter investieren. Der Plan: Ausstellungs- und Präsentationsräume sollen im Netz gezeigt werden. Kunden bekämen dadurch einen noch besseren Einblick in die verschiedenen Saunamodelle. Diese Maßnahme war für 2021 geplant gewesen, doch alle Kräfte würden sich gerade aufs Tagesgeschäft konzentrieren. Dennoch hat sich die Arbeit für die Geschäftsführer und die Mitarbeiter in der Pandemie zumindest teilweise ins Internet verlagert – wo früher persönliche Besichtigungen nötig waren, laufe jetzt vieles über Onlinemeetings. Hofmann ist sich sicher, dass digitale Kundengespräche auch nach der Pandemie eine große Rolle in der Arbeit der Handwerksbetriebe spielen werden. Gerade in der Beratung und dem Verkauf handle es sich um einen absoluten Zeitgewinn. Dennoch ließen sich persönliche Begegnungen durch die digitalen Möglichkeiten nicht ersetzen.

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