Erfurt -

Handwerk vor Ort Der Scharf-Richter

Ein Foto – auf 86 Quadratmetern Spanndecke in höchster Bildqualität! Das schier Unmögliche machen Daniel Richter und die Ilmenauer Firma Gigapixel Ltd. möglich.

Und dafür fotografiert und bearbeitet er ein Bild nicht Stunden, sondern manchmal auch Tage. Denn sein Anspruch ist hoch: Richtig scharf muss es sein, verpixelte Fotos schmerzen seinen Augen. Mit einer klassischen Spiegelreflexkamera nimmt er schon mal zehntausende Fotos auf und setzt sie mit geballtem technischen Wissen, unendlichem Fleiß und maximaler Rechenleistung zu einem großen Ganzen zusammen.

Davon profitieren dann Kunden wie der Springer Verlag, die DB International GmbH, der ADAC und die Bundeswehr, die Stadt und die Universität Ilmenau. „Ich muss meine Preise dafür nicht rechtfertigen. 30 internationale und sechs nationale Awards sprechen für sich und die Qualität ist offensichtlich“, erzählt Richter und seine Begeisterung ist wahrlich spürbar.

Rekorde, Daten und Rechenleistung

Immerhin hält er sogar einen Weltrekord: Ein 1,5 Terapixel großes Foto einer Lokomotive! Das sind 1,5 Millionen Megapixel, dafür setzte er 36.000 Einzelbilder zusammen, benötigte 192 Gigabyte Arbeitsspeicher und 40 Terabyte Festplattenspeicher. Aber das reicht ihm nicht, zu gerne würde er noch aufrüsten. Die technischen Möglichkeiten weiter ausreizen. Allein eine gute Mittelformatkamera schlägt mit 80.000 Euro zu Buche.

Mit seinen beiden Gesellschaftern Benjamin Händel und Ronny Kister führt er ein weltweit einmalig agierendes Unternehmen in Ilmenau. Ihr eigenes Bildportal „Large Format Stock“ präsentiert Fotos jenseits der 100 Megapixel in Originalgröße. Hier können Kunden ihre Bilder wählen, aber natürlich auch Fotoarbeiten in Auftrag geben. „Von der Kaffeebohne über das Firmengebäude bis zur gewaltigen Küstenlandschaft ist alles drin.

Ich fotografiere unzählige Einzelbilder überlappend in einer Art Raster, setze diese dann in Photoshop zusammen. Mitunter wird auch noch freigestellt und natürlich entzerrt. Und nein – das macht nicht immer Spaß, es ist eine echte Fleißarbeit“, gesteht Richter lachend.

Seine Betriebsgeheimnisse behält er für sich, denn die sind durchaus patentwürdig. Er weiß nämlich, wie man Bewegungen, z.B. von peitschenden Wellen an einer Klippe, in mehreren Bildern so verarbeitet, dass diese eingefroren wirken. Selbst Laien erkennen das Besondere seiner Arbeit und die Fotografenkollegen staunen. Sie lässt Richter gerne über die Schulter schauen, arbeitet mit ihnen zusammen.

Ein Chaot mit besonderem Humor

Grenzen sieht er dort, wo Leid, Elend und Verletzung anfangen: „Ich muss keine Unfälle fotografieren. Dafür reichen Pressefotos und selbst die sind mitunter zu viel!“ Es sind die schönen Bilder, die es ihm angetan haben. Bilder, in denen sich das Auge verliert, immer wieder neue Details finden. So etwas würde er am liebsten auch in jeder Arztpraxis finden: „Die Ein-Strich-kein-Strich-Bilder machen einen doch krank“, meint er lachend. Sein Humor scheint außergewöhnlich.

So empfiehlt er schon mal in einem Fotografenforum, wie man online seine Gigabilder klaut. Nicht ohne Hintergedanken: „Natürlich kann man sich meine Bilder per Screenshot Stück für Stück herunterladen, die dann in tagelanger Rechenarbeit am heimischen PC zusammensetzen und bearbeiten. Aber da ist es wirklich günstiger, sie ab 90 Euro zu kaufen.“ Daniel Richter meistert in seiner Arbeit den Spagat zwischen Technik auf höchstem Niveau und chaotischer Kreativität: Sein Wirtschaftsingenieurstudium an der TU Ilmenau brach er kurz vor dem Abschluss ab, um sich ganz der Firma zu widmen. Hatte sich dafür aber die notwendigen technischen Grundlagen ausreichend erarbeitet. Und seine Kreativität entdeckte er als begeisterter Hobby-Fotograf.

Die Idee zur Gigapixelmanie kam ihm bereits Mitte der 1990er-Jahre. Er stöberte in alten Chroniken seiner Heimat, bereitete die alten Bilder auf. Besserte Brandflecken aus, entfernte Knicke – ohne dadurch die alten Bilder zu verfremden. „Was damals analog nicht möglich war, realisieren wir heute digital. Werbebanner, Planen, Messestände, Spanndecken, ja selbst der gedruckte Wasserfall auf der Duschkabinentür ist möglich. Mit enormem technischem Aufwand fotografieren und verarbeiten wir gewaltige Datenmengen, so dass wir Bilder mit beeindruckender Schärfe und Größe erhalten. Das grenzt uns von Mitbewerbern ab“, erläutert der 35-Jährige.

Mittlerweile finden Kunden ihn. Weltweit. Dafür sorgen auch Benjamin Händel, der Fachmann für Vertrieb und Marketing, und der Spezialist für sDrucken, Ronny Kister, sowie freie Mitarbeiter. So hat Daniel Richter sein Hobby zum Beruf gemacht und schafft dabei etwas Einmaliges. Dafür sucht er übrigens immer Fotografen, die das Portal mit hochauflösenden Bildern bestücken.

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