Politik + Wirtschaft -

Wohnungspolitik Der Ruf nach Baukindergeld wird lauter

Union und SPD wollen jungen Familien den Erwerb von Wohneigentum erleichtern. Im Gespräch ist das sogenannte Baukindergeld. Was es damit auf sich hat und wie die Pläne der Bundesregierung aussehen.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) will junge Familien beim Erwerb von Wohneigentum finanziell unterstützen. So sollen Familien mit einem Zuschuss von maximal 20.000 Euro im Jahr gefördert werden, heißt es im Bundesbauministerium. Geplant ist dabei ein Zuschuss von 8.000 Euro für das erste und jeweils 6.000 Euro für das zweite und dritte Kind, wie Hendricks sagte. Vorgesehen sei die Förderung für Familien mit einem jährlichen Haushaltseinkommen von bis zu 70.000 Euro und für Regionen mit angespannten Wohnungsmärkten. Die Eckpunkte würden jetzt mit dem Bundesfinanzminister abgestimmt.

Söder für flächendeckende Förderung

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) hält von den Plänen der Bundesumweltministerin wenig: "Wir brauchen eine breite staatliche Förderung für bezahlbares Wohnen, und zwar mit einem Baukindergeld für alle und steuerlichen Anreizen für Investitionen in den Wohnungsbau", forderte er. Deutschland brauche eine "flächendeckende Förderung und nicht nur in Ballungsräumen mit hohen Immobilienpreisen", sagt er mit Blick auf Hendricks Pläne.

Union will Baukindergeld auf Parteitag beschließen

Die Union will das so genannte Baukindergeld auf ihrem nächsten Parteitag beschließen. Unionsfraktionsvize Ralph Brinkhaus sieht es als eine von verschiedenen wichtigen wohnungspolitischen Maßnahmen: "Das Baukindergeld ist ein wichtiger Baustein in einem Gesamtkonzept", sagte er. Man brauche aber auch einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer. Außerdem dürften die Baukosten etwa durch strenge klimapolitische Maßnahmen nicht weiter in die Höhe getrieben werden.

Hintergrund der Debatte ist der knappe und teure Wohnraum in vielen Städten. Gerade nach der Finanzkrise 2008 haben die Preise massiv angezogen. Auch die Mieten haben zugelegt. Angesichts hoher Mieten und niedriger Zinsen überlegen immer mehr Familien, wie sie in die eigenen vier Wände investieren können. Oft fehlt allerdings das nötige Eigenkapital. Hier will die Politik jetzt eingreifen.

Ökonomen: Angebotsseite muss verbessert werden

Auch nach Ansicht von Immobilienökonomen sollten junge Familien beim Erwerb von Wohnungseigentum unterstützt werden. Das Baukindergeld sehen sie dagegen eher kritisch. "Ein Baukindergeld wird nur verpuffen“, sagt Michael Voigtländer vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. Entscheidend sei vielmehr, jungen Familien wieder den Zugang zu Immobilienkrediten zu erleichtern und die Nebenkosten zu senken.

Sein Kollege Tobias Just von der Universität Regensburg sieht es nicht anders: "Das Ausweisen von Bauland ist sinnvoll, Nachverdichtung ist sinnvoll, auch die Senkung der Grunderwerbssteuer ist sinnvoll. Baukindergeld ist es nicht", sagte er mit Blick auf die aktuelle Zuschussdebatte. Nur Maßnahmen, die auf der Angebotsseite ansetzten, wirkten preissenkend.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten