Panorama -

Kaminkehrermeister mit Herz für behinderte Kinder Der Ruaß von Freilassing

Thaddäus Mußner, alias Ruaß
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Wie er zu seinem Spitznamen gekommen ist, daran kann er sich noch genau erinnern. Sechs Jahre nachdem er in München die Meisterprüfung abgelegt hatte, trat er 1990 den Dienst in seinem neuen Kehrbezirk Freilassing an. Als er am Dreikönigstag zum Frühschoppen der Feuerwehr auftauchte, stellte der Kommandant ihn als den neuen Ruaß von Freilassing vor. „Seither bin ich der Ruaß. Das trifft die Sache ziemlich genau, denn ich bin wirklich stolz auf meinen Beruf.“

Hochzeit bei weltgrößtem Schornsteinfegertreffen

Ehefrau Evelyn kann von der Kaminkehrer-Leidenschaft ihres Mannes ein Lied singen. Zur Hochzeitsfeier musste sie nach Norditalien reisen, um ihrem Zukünftigen während des weltgrößten Schornsteinfegertreffens in der Kirche von Re im Vigezzo-Tal das Ja-Wort zu geben. Für die Hochzeitsfotos ließ sie sich mit ihrem Mann auf Häuser­dächern ablichten. Der Sohn, der ein Dreivierteljahr später geboren wurde, bekam den Namen des Schutzheiligen der Kaminfeger, Florian. „Und wahrscheinlich bin ich die einzige Frau, die keinen richtigen Wohnzimmerschrank hat“, lästert die Gattin. Denn der ist gefüllt mit Kaminkehrerfiguren aller Art, jede für sich ein kleines Glückssymbol.

Der Austausch mit Berufskollegen gehört für Thaddäus Mußner zu seinem Kaminkehrerleben wie sein Spitzname Ruaß und der Ruß an den Händen. Als an Silvester 2000 auf seine Einladung hin ein kleiner Umzug von 30 Glücksfegern durch Freilassing marschierte, war das der Auftakt für seine Spendenaktion. „Damals haben wir 20.000 Mark für vier behinderte Kinder gesammelt“, blickt Mußner zurück. Vier Jahre später, als Freilassing 50 Jahre Stadtrecht feierte, kamen mitten im Sommer 400 Schornsteinfeger aus ganz Deutschland, der Schweiz und aus Österreich und spendeten die Rekordsumme von 135.000 Euro.

Spendenbereitschaft ungebrochen

Doch zwei Jahre später musste Thaddäus Mußner einsehen, dass seiner Kraft Grenzen gesetzt sind. Nach einem Herzinfarkt konnte er die Benefiztreffen nicht mehr organisieren. „Unser Sohn war unterwegs, ich hatte Verantwortung für meine Familie“, sagt er – fast wie zur Entschuldigung. Trotzdem sollte es noch ein letztes großes Kaminkehrertreffen in Freilassing geben. Silvester 2008 spendeten die schwarzen Männer noch einmal 110.000 Euro für behinderte Kinder der Region.

Seine Spendenbereitschaft hat der Kaminkehrermeister aber keineswegs verloren. Als zum Bundesverbandstag der Schornsteinfeger in Würzburg die radfahrenden Kollegen von der Glückstour ankamen, bei der sie 127.500 Euro für krebskranke Kinder gesammelt hatten, rundete der Ruaß großzügig auf: „130.000 Euro klingt doch viel besser.“

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