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Basel II und Risikomanagement Der Preis von Risiken

Zum 1. Januar 2007 haben die Banken Basel II umgesetzt. Wer dafür sorgt, dass Risiken in seinem Betrieb beherrschbarer werden, hat künftig bessere Karten bei der Kreditvergabe. Beim Risikomanagement lohnt es sich, auch die Arbeitsschutzorganisation unter die Lupe zu nehmen. Von Nina Sawodny, VDSI

"Wenn Basel II in Kraft tritt, dann werden Kredite teurer." Diese Aussage ist häufig zu hören, wenn von Basel II die Rede ist. Vor allem Klein- und Mittelständler wissen oft nicht, was auf sie zukommt — und was sie tun können, um ihre Chancen auf gute Kreditkonditionen optimieren zu können. Dass auch die Organisation des Arbeits-, Gesundheits-, Umwelt- und Brandschutzes Einflussfaktoren sein können, darauf weist der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI) hin.

Hintergrund: Das Drei-Säulen-Konzept

Basel II basiert auf einem Beschluss des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht, dessen Richtlinien als Grundlage für die EU-Gesetzgebung dienen. Zu Basel II gehören drei Säulen: Erstens eine intensivere Risikoüberwachung der Banken durch die Bankenaufsicht, zweitens eine erhöhte Transparenz durch verstärkte Veröffentlichungspflichten der Kreditinstitute sowie drittens die neuen Eigenkapitalvorschriften für Banken zur Unterlegung ihrer Kreditrisiken, der Marktpreis- und operationellen Risiken. Dieser Aspekt steht im Fokus der Diskussion, denn damit ist auch das so genannte Rating von Unternehmen verbunden.

Rating ist ein Bonitätsurteil

Ein Rating kann sowohl vom Kreditinstitut selbst durchgeführt werden als auch von so genannten Rating-Agenturen. Letzteres ist vor allem bei großen Unternehmen der Fall. Auch wenn diese Institutionen verschiedene Ratingverfahren anwenden, lässt sich doch eine übergeordnete Zielsetzung formulieren: Das Rating dient dazu, die Bonität des Kreditnehmers zu beurteilen.

Je nach Einstufung des Kreditnehmers muss eine Bank zwischen 1,6 und zwölf Prozent Bankeigenkapital für Kredite unterlegen. Die Ratingnote gibt die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Unternehmen seinen Zahlungsverpflichtungen bezogen auf den Zeitraum eines Jahres nachkommt. Anders ausgedrückt: Die Ratingnote gibt die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Kredites an, zum Beispiel durch Insolvenz. Genau hier besteht ein Anknüpfungspunkt zum Thema Risikomanagement.

Basel II und Risikomanagement

Beim Rating bewertet die Bank verschiedene Aspekte. Neben einer quantitativen Finanzanalyse von Jahresabschlüssen werden auch Softfacts — zum Beispiel die Managementkompetenz — abgefragt. Zur Managementkompetenz gehört, wie der Unternehmer seine internen Kontollsysteme und Arbeitssicherheit, Gesundheits-, Umwelt- und Brandschutz organisiert. Betriebe, die hier Stärken haben, können ihre Ratingnote durchaus positiv beeinflussen.

Dies gilt vor allem für Betriebe, die in Risikobranchen (zum Beispiel Gefahrguttransporte, Produktion oder Weiterverarbeitung chemischer Stoffe) tätig sind. Aber auch andere Unternehmen wie ein Holz verarbeitender Betrieb, der brennbare Materialien sowie chemische Substanzen auf Lager halten muss, kann zum Beispiel durch innovative Brandschutzkonzepte einen Teil seines Kreditausfallrisikos optimieren.

Risikomanagement im Arbeitsschutz bedeutet aber auch, das Haftungsrisiko des Unternehmers zu minimieren, zum Beispiel durch eine rechtssichere Organisation des Arbeitsschutzes. In diesem Zusammenhang ist unter anderem an die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen oder an regelmäßige Unterweisungen der Mitarbeiter zu denken. Auch Versicherungen können sich übrigens auf einen Zahlungsausschluss berufen, wenn zum Bespiel Prüffristen von Maschinen nicht eingehalten werden.

Vorbereitung mit Expertenhilfe

Grund genug, die eigene Arbeitsschutzorganisation einmal genau unter die Lupe zu nehmen und die richtigen Fachleute in die Vorbereitung auf ein Bankgespräch einzubinden. Dass gut ausgebildete Fachkräfte für Arbeitssicherheit solche Ansprechpartner sein können, darauf weist der Verband Deutscher Sicherheitsingenieure (VDSI) hin. Sie können den Unternehmer bei der Zusammenstellung entsprechender Unterlagen beraten und unterstützen.

Wichtig ist im Bankgespräch von sich aus aufzuzeigen, was im Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz gesetzlich vorgeschrieben ist und welche Konzepte zusätzlich umgesetzt werden. Grundsätzlich ist es ratsam, sich direkt bei der jeweiligen Bank zu erkundigen, ob es bestimmte Formvorgaben gibt, die bei der Zusammenstellung von Unterlagen eingehalten werden sollten. Dies vereinfacht die Kommunikation im Bankgespräch.

Trend hin zu Softfacts

Bei den Banken ist es nach wie vor üblich, quantitativen Faktoren einen sehr hohen Stellenwert beizumessen. Die Gewichtung bei der Ermittlung einer Ratingnote beträgt zwischen 60 und 80 Prozent. Hierbei darf nicht vergessen werden, dass eine Finanzanalyse immer ein Blick in den Rückspiegel ist, der in der Vergangenheit liegende Risiken widerspiegelt. Es lässt sich jedoch ein Trend erkennen, der die qualitativen Faktoren hervorhebt, um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen besser beurteilen zu können.

Checkliste zur Vorbereitung

  • Machen Sie eine Bestandsaufnahme mit Ihrer Fachkraft für Arbeitssicherheit. Wo bestehen Risiken im Betrieb, welche Maßnahmen wurden ergriffen? Aktuelle Gefährdungsbeurteilungen sind ein guter Anhaltspunkt!
  • Können Sie Ihre hohen Standards im Arbeits-, Gesundheits-, Umwelt- und Brandschutz nachweisen (zum Beispiel Zertifikate, Statistiken mit rückläufigen Unfallzahlen)?
  • Sprechen Sie Ihre Aktivitäten im Arbeits-, Gesundheits-, Umwelt- und Brandschutz von sich aus beim Bankgespräch an. Zeigen Sie, dass Sie mehr tun, als "Vorschriften abhaken", sondern dass Risikomanagement Teil Ihrer Unternehmensstrategie ist.
  • Zeigen Sie auf, dass Ihr Unternehmen für unerwartete Situationen gewappnet ist (zum Beispiel Notfallplan, Brandkatastrophe).
  • Sprechen Sie Ihre Pläne mit mehreren Banken durch, nicht nur mit Ihrer "Hausbank".
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