Mindestlohn -

Lohnuntergrenzen nach Branchen Mindestlohn: Was in den einzelnen Handwerksbranchen gilt

Den flächendeckenden Mindestlohn haben andere: In einigen Handwerksbranchen gelten teilweise schon seit vielen Jahren spezifische Lohnuntergrenzen. Welche Erfahrungen damit gemacht wurden und wie der gesetzliche Mindestlohn bewertet wird.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Mindestlohn

Es war eine historische Wende: Seit der Einführung des Mindestlohngesetzes existiert in Deutschland erstmals eine allgemeinverbindliche Lohnuntergrenze, die vom Staat vorgegeben ist. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in einer aktuellen Studie die Auswirkungen ausgewertet, die die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns hatte. So sind die Löhne von an- und ungelernten Arbeitnehmern deutlich angestiegen. Zugleich haben sich vor allem in Ostdeutschland einige Dienstleistungen verteuert. Dank der guten Wirtschaftslage hat das jedoch bislang kaum Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Der Mindestlohn liegt noch bis Ende des Jahres 2016 bei 8,50 Euro. Dann steigt er auf 8,84 Euro an. Das legte die Mindestlohnkommission von Arbeitgebern und Arbeitnehmern fest. Ab 2017 sind Tarifverträge mit einem niedrigeren Mindestlohn nicht mehr gültig bzw. müssen bis dahin neue Branchenmindestlöhne ausgehandelt werden.

In neun Handwerksbranchen gibt es - teilweise bereits seit Jahren - einen Mindestlohn, der über den 8,50 Euro liegt: Friseure, Dachdecker, das Elektrohandwerk oder das Bauhauptgewerbe haben bereits Erfahrungen mit einer Lohnuntergrenze gesammelt. Zwei Beispiele:

Die Friseure

Die Friseurin im Osten Deutschlands, die für einige Euro arbeitet, ist immer gern als Synonym herangezogen worden, um die Forderung nach einem Mindestlohn zu untermauern. Auch um diesem Image ein Ende zu setzen, hat die Branche im Jahr 2013 einen Mindestlohn eingeführt. Er liegt seit August 2015 bundesweit bei 8,50 Euro.

Die Branche hat angesichts der Erhöhung des Mindestlohns zum Jahr 2017 erst kürzlich auf negative Folgen hingewiesen. So habe der Mindestlohn insbesondere in den neuen Bundesländern zu Lohnsteigerungen und besonderem Anpassungsdruck sowie einer weiteren Zunahme der Schwarzarbeit geführt . Das hat der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks auch der Mindestlohnkommission mitgeteilt.

Kritisch sieht der Verband, dass der gesetzliche Mindestlohn pauschal anhand von allgemeinen Tarifentwicklungen berechnet wird und dann auch in einer preissensiblen und durch Wettbewerbsverzerrungen gepägten Branche wie dem Friseurhandwerk gelte.

Das hat kurz nach der Einführung des Branchenmindeslohns noch ganz anders geklungen. Damals hatte das Friseurhandwerk kaum negative Folgen erwartet, da die Kunden Preiserhöhungen verständnisvoll gegenüberstehen würden.

Das Baugewerbe

Der Bau ist Pionier beim Mindestlohn. Seit 1997 gibt es für Bauarbeiter Lohnuntergrenzen. Bis Ende 2016 sind für einfache Bauarbeiter in den neuen Ländern mindestens 11,05 Euro und in den alten Ländern 11,25 Euro zu zahlen. Für anspruchsvollere Arbeiten wie Fachwerker oder Maschinisten gibt es in Westdeutschland bislang 14,45 Euro. Diese Untergrenzen steigen 2017, dann zahlen Baufirmen 11,30 Euro in Ostdeutschland und 11,30 Euro bzw. 14,70 Euro im Westen.

Der Mindestlohn trägt dazu bei, gleiche Voraussetzungen bei der Auftragsvergabe zu schaffen, sowie halbwegs "faire" Wettbewerbsbedingungen zu gestalten, so die Bewertung des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). Er soll heimische Arbeitnehmer vor ausländischer Billiglohn-Konkurrenz schützen. "Allerdings stellen wir bei der Kontrolle des Mindestlohns erhebliche Defizite und Umgehungstatbestände fest", teilt der Verband mit.

Angst vor Jobabbau

Wirtschaftsexperten waren lange kritisch. Vor allem im Dienstleistungssektor in strukturschwachen Gebieten drohten "massive Arbeitsplatzverluste und ein Anstieg der Schwarzarbeit", wurde gewarnt. Doch diese Entwicklungen sind bisher ausgeblieben. Arbeitgeber einiger Branchen hatten zudem eine Unmenge an Bürokratie gefürchtet, weil zur Ermittlung des Mindestlohns pro Stunde auch die Arbeitszeit genau dokumentiert werden muss.

Eine Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergab unlängst erst, dass es durch den Mindestlohn nur in seltenen Fällen zu Entlassungen kam. Dagegen reagierten Betriebe teilweise mit Preiserhöhungen auf den Mindestlohn für ihre Mitarbeiter: Rund 18 Prozent gaben laut IAB an, dass sie ihre Waren oder Dienstleistungen teurer gemacht hätten.

Nun mit der Erhöhung des Mindestlohns zum Jahr 2017 wird wieder Kritik laut: Ifo-Präsident Clemens Fuest hatte dazu geraten, den Mindestlohn angesichts der Flüchtlingszuwanderung nicht zu erhöhen. Sozialverbände sehen den kommenden Anstieg dagegen als zu gering an.

Diese tariflichen Branchen-Mindestlöhne gelten im Handwerk:

Branchen   Geltung Ost West Erhöhung geplant Ost West
Bauhauptgewerbe Seit 01.01.2016 11,05 Euro 11,25 bis 14,45 Euro ab 01.01.2017 11,30 Euro 11,30 bis 14,70 Euro
Dachdecker bis 31.12.2016 12,05 Euro 12,05 Euro ab 01.01.2017 12,25 Euro 12,25 Euro
Elektrohandwerk bis 31.12.2016 9,85 Euro 10,35 Euro ab 01.01.2017 10,40 Euro 10,65 Euro
Friseure seit 01.08.2015 8,50 Euro 8,50 Euro


Gebäudereiniger seit 01.03.2016 8,70 bis 11,10 Euro 9,80 bis 12,98 Euro ab 01.01.2017 9,05 bis 11,53 Euro 10,00 bis 13,25 Euro
Gerüstbauer bis 30.4.2017 10,70 Euro 10,70 Euro ab 1.5.2017 11,00 Euro 11,00 Euro
Maler- und Lackierer seit 01.05.2016 10,10 (ungelernt) bis 11,30 Euro (Gesellen) 10,10 (ungelernt) bis 13,10 Euro (Gesellen)


Schornsteinfeger seit 01.01.2016 12,95 Euro 12,95 Euro      
Steinmetze und Steinbildhauer seit 01.05.2016 11,00 Euro 11,35 Euro ab 01.05.2017 11,20 Euro
11,40 Euro

Alle Informationen zum Mindestlohn unter dhz.net/mindestlohn.>>>

Dieser Beitrag wurde am 16. August 2016 aktualisiert.

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kollmann

Mindestlohn Schreiner / Bürokaufmann

Hallo,
zu welcher Branche gehört ein Schreinerbetrieb?
Welche tariflichen Regelungen zum Mindestlohn gelten?