Niederbayern-Oberpfalz -

Der ländliche Raum will Taten sehen

Bezirkskaminkehrermeister Alois Pinzl jun. hat sich in seiner Freizeit gänzlich dem Vereinsleben und der Politik verschrieben. Der Stadtrat aus Viechtach ist Vorsitzender des Handwerkervereins Viechtach e.V., der 1899 gegründet wurde und rund 350 Mitglieder zählt. Seine Gäste lädt der Verein gerne in das Haus des Handwerks am Stadtplatz ein

Der ländliche Raum will Taten sehen

Bezirkskaminkehrermeister Alois Pinzl jun. hat sich in seiner Freizeit gänzlich dem Vereinsleben und der Politik verschrieben. Der Stadtrat aus Viechtach ist Vorsitzender des Handwerkervereins Viechtach e.V., der 1899 gegründet wurde und rund 350 Mitglieder zählt. Seine Gäste lädt der Verein gerne in das Haus des Handwerks am Stadtplatz ein. „In 2.500 ehrenamtlichen Arbeitsstunden haben Vereinsmitglieder und andere Handwerker das Gebäude energetisch saniert, völlig entkernt und neu restauriert“, erklärt Pinzl stolz. Im Erdgeschoss ist eine urige Wirtsstube eingerichtet. Im Obergeschoss ist das Museum mit Werkzeugen und Exponaten aus 16 verschiedenen Handwerksberufen untergebracht. „Wir wollen in den nächsten Jahren das Haus des Handwerks als regionales Museum fest etablieren“, blickt er in die Zukunft.

2010 öffnete das Haus des Handwerks nach siebenjähriger Planungs- und Bauzeit seine Pforten. Politiker sind hier gerne gesehen. Landwirtschaftsminister Helmut Brunner war zur Einweihung gekommen. Auch Finanzminister Kurt Faltlhauser stellte sich hier den Fragen der Handwerker, ebenso Finanzstaatssekretär Franz Pschierer. Weil es nie gelang, Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil als Redner zur traditionellen Handwerkerkundgebung in Viechtach zu verpflichten, lud ihn Pinzl Anfang des Jahres zu einem Gespräch in das Haus des Handwerks ein. Rund fünf Stunden habe sich der Minister Zeit genommen, um gemeinsam mit den Handwerkern wichtige politische Fragen zu erörtern, so der Vorsitzende. Dabei spannten sich die Themen von der Ausbildungsreife der Lehrlinge über das Erneuerbare-Energien-Gesetz bis hin zu Infrastruktur und Verkehr.

„Das herausragende Problem für die Handwerker im Viechtacher Land ist der Nachwuchsmangel“, sagt Pinzl. „Wir haben viel Industrie und der demografische Wandel macht sich auch schon bemerkbar.“ Dem steuert der Handwerkerverein mit einem einmaligen Schulprojekt entgegen. Jeden Dienstagnachmittag betreut der Verein die Ganztagsklassen der Mittelschule Viechtach mit einem eigenen Bildungskonzept. „Der Verein versteht sich als Bindeglied zwischen der Schule und dem Berufsleben“, so der Vorsitzende. Betriebsbesichtigungen gehören zur Betreuungsarbeit. Die mit den Schülern durchgeführten Projekte sind stets Umweltthemen. „In diesem Jahr lautet das Thema Strom - so entstehst Du!“, sagt Pinzl, der auch Umweltbeauftragter der Stadt Viechtach ist. Das Projekt wurde schon mehrfach, unter anderem mit dem Bayerischen Staatspreis, ausgezeichnet. „Wir wollen es jetzt auf andere Schulen ausdehnen.“

Neben dem Nachwuchsmangel ist im Viechtacher Land die Infrastruktur ein zweiter großer Problemkreis. „Wir brauchen dringend den Ausbau der B 85 Richtung Deggendorf, um endlich Anschluss an die Autobahn zu haben.“ Der Straßenbau liegt ihm besonders am Herzen. Für die Ballungszentren sei immer genug Geld da, nur im ländlichen Raum ließen die Versprechen der Politiker keine wirklichen Taten folgen. Aber gerade auf dem Lande sei die Infrastruktur am wichtigsten, bekräftigt er. Er bemängelt, dass die rund 10.000 Bürger Viechtachs keinen Bahnanschluss mehr hätten, und sieht dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich der „ganz schlechten“ DSL-Anbindung. Und wenn er Bundeskanzler wäre, würde er als Erstes die tatsächliche Stärkung des ländlichen Raums angehen und die energetische Sanierung von Gebäuden vorantreiben. Wenn man in Sachen Energiewende mit dem jetzigen Tempo weitermacht, dann werde die Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2021 wohl Illusion bleiben. Denn es gehe vorrangig um das Einsparen von Energie.

Im Handwerkerverein möchte er künftig die Junghandwerker stärker in die gesellschaftlichen Aktivitäten des Vereins einbinden. Auch die Ganztagsbetreuung an den Schulen plant er, noch nachhaltiger zu gestalten. „Nur so können wir langfristig die Nachwuchsprobleme in den Griff bekommen.“

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