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Kommentar zur EU-Jugendarbeitslosigkeit Der Jugend eine Chance geben

Die Jugendlichen in den südlichen EU-Ländern leiden unter der Krise. Um Arbeit zu finden, müssen bessere Strukturen in diesen Staaten geschaffen werden. Immer nur mehr Geld ist keine Lösung.

Das, was ein junger Mensch braucht, ist eine Perspektive, eine Zukunft, etwas, wofür es sich zu lernen und zu kämpfen lohnt. Resigniert die Jugend, dann resigniert das ganze Land.

Deswegen haben sich die Staaten der EU abermals zum Beschäftigungsgipfel getroffen. Sie wollen das Leben all der vielen arbeitslosen Jugendlichen in Spanien, Italien oder Griechenland verbessern.

Der bloße Ruf nach mehr Geld ist da allerdings die schlichteste Variante. Einige Länder fordern, den Fonds für arbeitslose Jugendliche drastisch zu erhöhen. Dabei sind selbst die bereits bewilligten Mittel bislang nur zu einem Bruchteil wirklich abgerufen worden.

Gute Strategien gefragt

Es braucht nicht mehr Geld, es braucht mehr Grips. Mit einem guten Konzept, mit der richtigen Strategie, kann Jugendarbeitslosigkeit zumindest in Teilen bekämpft werden.

Die beste Entwicklung wäre natürlich die, dass die Krisenstaaten ihren Dauerstatus „Krisenstaat“ beenden würden und wieder Wirtschaftswachstum schafften. Dann hätten sich die Probleme auf dem Arbeitsmarkt von allein gelöst. Doch scheint die EU-Schulden- und -Finanzkrise gar kein Ende nehmen zu wollen, auch wenn die Politik das Thema am liebsten kleinredet. Es brodelt in Europas Untergrund weiter. Das Bruttoinlandsprodukt der meisten europäischen Staaten liegt immer noch unter dem Niveau von 2008.

Es müssen jetzt in den Staaten funktionierende Ausbildungsstrukturen geschaffen werden. Denn die sind in einigen Südländern oft schlicht mangelhaft oder erst gar nicht vorhanden. Sollte das deutsche System der dualen Ausbildung als Vorbild gelten und in diese Länder exportiert werden, ist das sicher einen Versuch wert. Aber eine Garantie ist das auch nicht.

Arbeitnehmerfreizügigkeit kann helfen

Auch die grenzenlose Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb Europas ist eine Möglichkeit. Wenn Jugendliche auf Sardinien oder Kreta nach der Schule als Erstes die Arbeitslosigkeit kennenlernen und auch im Umfeld niemand arbeitet, wird ihnen die Arbeitswelt ihr ganzes Leben lang fremd bleiben. Dann können sie es besser dort versuchen, wo es Arbeit gibt. Im Ausland. Aber der Jugendliche muss auch informiert sein. Wenn ihm keiner hilft, wie sollte er dann erfahren, wo es noch Chancen gibt? Er braucht Hilfe, von Ämtern, Lehrern, Eltern.

Langer, schwieriger Weg

Bei allen hoffnungsfrohen Ratschlägen: Wenn man sich die Zahlen in den Krisenländern anschaut, muss man schlucken. Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit in der EU wird langwierig sein. Aber er ist wichtig. Denn nur wenn es Europa gut geht, geht es uns allen gut.

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