Branche -

Fortbildung in Frankfurt/Main Der Internationale Meister als Tor zur Welt

Die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main bietet Handwerkern, die Kurz- oder Langzeitaufenthalte im Ausland planen, die Fortbildung zum Internationalen Meister.

Im August reiste Holger Müller aus dem unterfränkischen Stockstadt zu Kleinunternehmen nach Mosambik. Der gelernte Elektrotechnikermeister hat zwölf Jahre Erfahrung im Bereich Kühltechnik für Lebensmittel. Vor Ort begutachtete er für ein italienisches Entwicklungshilfeprojekt Lagermöglichkeiten für Lebensmittel. Zurück in Deutschland arbeitet er an Verbesserungsvorschlägen, die im kommenden Jahr umgesetzt werden sollen.

Erna Hamzic flog für ihren Trainingseinsatz aus Hessen ins nördlicher gelegene Kenia. Zwei Wochen lang besuchte die Friseurmeisterin in Nairobi, der Hauptstadt des afrikanischen Landes, Universitäten, Berufsbildungseinrichtungen und Unternehmen. Mit lokalen Partnern analysierte sie, wie das aus Deutschland übernommene duale Bildungssystem angenommen wird.

Internationale Meister finden sich in fremden Ländern zurecht

Holger Müller und Erna Hamzic sind zwei von neun Teilnehmern des zweiten Jahrgangs der Fortbildung zum Internationalen Meister/-in (HWK), der seit 2016 von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main angeboten wird. In dem zehnmonatigen Kurs am Rhein Main Campus werden die Teilnehmer in fünf Handlungsfeldern unterrichtet: Interkulturelle Kompetenz, internationales Projektmanagement, internationale Berufsbildungssysteme, Unternehmensgründungswissen sowie das Arbeiten und Leben in Entwicklungs- und Schwellenländern.

"Wichtig war mir, dass ich meinen Beruf ohne große Einschränkungen weiter ausüben kann", sagt Holger Müller, "das ist bei der berufsbegleitenden Fortbildung möglich." An zwei Tagen pro Woche erlernen die Teilnehmer den Umgang mit anderen Kulturen und Lebensgewohnheiten, aber auch das Arbeiten in international gemischten Teams. In den Entwicklungsländern können die Teilnehmer ihr Wissen anwenden, um bei der Gründung kleiner Unternehmen zu helfen.

Elektrotechnikermeister Müller absolviert die Fortbildung

Internationale Meister profitieren

Erna Hamzic begründet ihre Motivation, Internationale Meisterin zu werden: "Es macht mich einfach glücklich, Menschen zu helfen. Mit dem ,Internationalen Meister‘ kann ich dort, wo Hilfe gebraucht wird, etwas zum Besseren verändern." Handwerker können von der Fortbildung aber auch profitieren, wenn sie den Kontakt zu internationalen Geschäftspartnern suchen und wissen wollen, auf welche kulturellen Eigenheiten sie zu achten haben, wenn sie neue Kontakte knüpfen. Die Zahlen zeigen aber, dass die Mehrheit der Teilnehmer Entwicklungshilfe leisten will. Sechs der acht Absolventen des ersten Jahrgangs haben bereits zwei oder mehr Auslandseinsätze hinter sich. Die meisten Fortbildungsteilnehmer absolvieren ihren ein- bis zweiwöchigen Trainingseinsatz in Afrika, so auch der Elektrotechnikermeister Holger Müller und die Friseurmeisterin Erna Hamzic.

Der erste Einsatz der Internationalen Meister

Holger Müller fühlte sich durch den Kurs gut vorbereitet: "Uns wurde beigebracht, wie wir unseren Einsatz richtig planen, dadurch konnte ich mich vor Ort darauf konzentrieren, die Probleme der Unternehmen bei der Lebensmittelkühlung zu ergründen." Im Februar 2018 soll er erneut nach Mosambik reisen, um die Lebensmittellagerung und -kühlung in Geschäften und auf Märkten zu verbessern. Dann möchte er sich auch einige zusätzliche Tage Zeit nehmen, um Land und Leute besser kennenzulernen. "Dazu blieb in der ersten Projektwoche leider wenig Zeit."

Die weltweiten Trainingseinsätze werden von der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, der GIZ, je nach Qualifikation des Teilnehmers umgesetzt. Durch ihre guten Kenntnisse in Businessenglisch konnte die Friseurmeisterin Erna Hamzic den Stand des dualen Bildungssystems in Kenia mit den Partnern vor Ort analysieren. Dazu besuchte sie innerhalb von zwei Wochen Universitäten, Berufsbildungseinrichtungen und Unternehmen, die schon mit dem dualen System arbeiten.

Friseurmeisterin war in beratender Funktion in Nairobi, Kenia.

"Leider denkt man bei Entwicklungshilfe nicht sofort an Friseure, dabei würde ich auch in diesem Bereich mein Wissen gerne weitergeben", sagt Erna Hamzic. Sie sei aber bereit als Beraterin dort zu helfen, wo sie gebraucht wird. Auch Holger Müller möchte seine Erfahrung in zukünftige Entwicklungshilfeprojekte einfließen lassen: "Ich habe mich schon auf mehrere Projekte beworben. Das dauert immer ein bisschen, da muss man sich frühzeitig bewerben."

Ohne den "Internationalen Meister" ins Ausland?

Online-Portale, wie journeyman.io, vermitteln Handwerker in Projekte in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Hilfe gibt es aber auch bei der regionalen Handwerkskammer und den Mobilitätsberatern von "Berufsbildung ohne Grenzen".

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten