Wochenrückblick -

Die Woche mit der DHZ Der Hipster-Test

Wer heutzutage cool sein will, versucht ein Hipster zu sein. Cooler Beruf, möglichst kreativ und bodenständig zugleich. Schaut man genau hin, entpuppt sich der Handwerker als Hipster schlechthin. Eine Woche mit Coolnessfaktor.

Jana Tashina Wörrle
© Kasia Sander

Wenn individuell sein zum Mainstream wird und keiner sich mehr dagegen wehrt, in einer Welt zu leben, in der alles schon einmal da war, sind wir angekommen im Jetzt und Heute. Willkommen im Zeitalter der Hipster. Kaum ein anderer Begriff war in den vergangenen Monaten mehr dazu geeignet Trends und Neuigkeiten zu beschreiben.

Wer cool sein will, will ein Hipster sein – im Zeitalter, wo unser Leben mehr und mehr ins Internet wandert, umso mehr. Das zeigte sich auch in dieser Woche voller Hipster-Themen im vermeintlichen Sommerloch.

Moderne Klamotten und neueste Technik

Was ein Hipster ist und wie man es wird, ist dabei kaum festgelegt. Meist wird der Begriff sogar negativ oder ironisch verwendet und trotzdem machen die meisten jungen Leute mit. Gerade jetzt im Sommer, wenn man viel draußen ist, sich zeigt und ständig neue Leute kennenlernt, will jeder vor dem anderen glänzen. Ob mit einen coolen Beruf, mit modernen Klamotten oder neuester Technik – Hipster ist, wer vermeintlich eigene Trends setzt und dabei lässig mit seinen allgegenwärtigen Konkurrenten umgeht.

Grundsätzlich ist der Hipster meistens zwischen 20 und 40 Jahren alt, trägt gerne Kleidung aus dem Secondhand-Landen, eine große Brille mit dicker, schwarzer Umrandung und er arbeitet im kreativen Bereich – ob Kunst, Handwerk oder Medien.

Schaut man allerdings genauer hin, dann ist ein Hipster aber eigentlich nichts Neues. Das Hipstertum ist eigentlich Recycling pur, aber entspricht damit wiederum einem Trend des 21. Jahrhunderts – erinnert sei nur an Energiewende, Klimawandel und ökologische Trendwende.

Der Hipster trägt oft gebrauchte Klamotten aus den 70ern, 80ern oder noch viel älter. Er isst gern vegan, kauft regional – Ausnahmen gibt es nur bei Grillpartys oder mal zwischendurch am Imbisstand, wenn es eben gerade nichts anderes gibt – trinkt Latte Macchiato oder gerne auch mal ein ordentliches bayerischen Bier (wieder bei den vermeintlichen Grillpartys), sammelt aber auch gerne Flugmeilen und versucht wenn möglich ein Auto zu fahren, dass gut aussieht und gleichzeitig eine gute Klimabilanz hat.

Ideenrecycling quasi

Schaut man nochmals genauer hin, sieht man aber auch, dass der Hipster gar nicht grundsätzlich festlegbar ist. Denn sein Lebensmotto scheint auch zu sein: immer auf der Suche nach dem  Alleinstellungsmerkmal. Also zählt doch das Individuelle und so bringt der manchmal belächelte Hipster auch immer wieder Neues aus dem schon einmal Dagewesenen hervor: Ideenrecycling quasi.

Auf die Kombination von Neuem und Altem kommt es also an. Und damit kommen wir auch immer näher ans Handwerk ran. Vielleicht ist der Handwerker sogar der Hipster schlechthin? Er arbeitet kreativ ist immer gezwungen sich an Kundenbedürfnisse anzupassen und muss sich gleichzeitig von der Konkurrenz unterscheiden. Er legt Wert auf neue und energiesparende Techniken und bodenständige Eigenschaften wie gutes Essen und ordentliches, bayerisches Bier sind vielen auch nicht fremd. Ideenrecycling quasi. Hipster-Test bestanden.

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