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Bundesinstitut für Berufsbildung Der Handwerksmeister ist gefragt

Nach Jahren des Rückgangs gibt es wieder ein Plus bei den Meistern. Die Aufstiegsfortbildung ist für viele Arbeitnehmer die Basis der eigenen Karriere, Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) wertet die Entwicklung als gesellschaftlichen Trend.

Es gibt wieder mehr Meister in Deutschland. Der Anteil der Erwerbstätigen mit Meister-Abschluss ist nach einem starken Rückgang im vergangenen Jahrzehnt zuletzt wieder angestiegen. 8,4 Prozent der westdeutschen erwerbstätigen Männer haben 2012 – das sind die letzten verfügbaren Zahlen – einen Meister- oder Techniker-Abschluss besessen. Das hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) jetzt ermittelt. Im Jahr 2006 waren es nur sieben Prozent, im Jahr 1992 aber noch zwölf Prozent. Von den ermittelten 8,4 Prozent sind sechs Prozent Meister und 2,4 Prozent Techniker.

"Aufstiegsfortbildungen wie die zum Meister sind ein gesellschaftlicher Trend. Die Menschen nehmen sich der Herausforderung einer beschleunigten Wirtschaftswelt an, kümmern sich um ihre Karriere und übernehmen Verantwortung", sagt BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser im Gespräch mit der Deutschen Handwerks Zeitung. Zudem habe sich der Weiterbildungsmarkt professionalisiert, die Angebote seien besser geworden. Auch das trage zum Plus bei.

Aufstiegsfortbildungen eröffnen Perspektiven

Die Zahlen des BIBB werden durch eine aktuelle Haushaltsbefragung des Statistischen Bundesamts bestätigt: Hier steigt der Anteil erwerbstätiger Männer mit einem Fortbildungsabschluss ebenfalls wieder langsam, aber stetig an. Der Tiefpunkt war im Jahr 2007.

Im vergangenen Jahrzehnt war die Zahl der Erwerbstätigen mit Aufstiegsfortbildung deutlich geschrumpft. "Die Rückgänge beim Meister sind gravierend gewesen, was vor allem eine Reaktion auf politische Entscheidungen war", so BIBB-Präsident Esser. 2004 hatte die rot-grüne Bundesregierung die Meistervoraussetzung zu 53 Gewerken abgeschafft, wonach sich jeder auch ohne Meisterqualifikation selbstständig machen konnte. Das Resultat: zwar zunächst mehr Betriebsgründungen, aber weniger Meisterbetriebe und weniger Ausbildung.

Der jüngste Zuwachs an Meistern ist ein starkes Signal für das Qualitätshandwerk. Die Handwerksorganisationen appellieren daher an die Politik, den Erfolg nicht wieder kaputtzumachen. Der Meistervorbehalt in 41 Meistergewerken dürfe nicht infrage gestellt werden. Indes überprüft die EU-Kommission derzeit die Berufszugänge in allen Ländern und schielt dabei auch auf die deutsche Meisterpflicht.

Mehr Abiturienten im Handwerk

Für Esser spielen Aufstiegsabschlüsse eine große Rolle in der Arbeitswelt. "Aufstiegsfortbildungen eröffnen breitere Beschäftigungsperspektiven und attraktive Karrieremöglichkeiten. Sie machen berufliche Bildung für alle interessant, auch für schulisch höher Qualifizierte." Der Anteil an Abiturienten hat sich im Handwerk zuletzt erhöht.

Die OECD bescheinigte Deutschland jüngst Erfolge in der Berufsbildung: Erwachsene mit Berufsabschluss weisen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern überdurchschnittliche Beschäftigungsquoten auf. Explizit nennt die OECD das duale Ausbilungssystem als Erfolgsmerkmal. Dennoch fordert die OECD für Deutschland weiterhin mehr Studenten und mehr universitäre Ausbildung.

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