Menschen + Betriebe -

Musikinstrumentenpreis für Gitarrenbauer Der gute Klang des Bodenständigen

Der Gitarrenbauer Launhardt Guitars hat sich mit gut gearbeiteten Gitarren einen Namen in der Musikszene gemacht. Für seine Jazzgitarre FS2 hat er den Musikinstrumentenpreis 2011 bekommen.

Einzelteile einer Akustikgitarre
Die Zutaten für eine Gitarre: Boden, Decke, Zarge, Hals und Zierspäne. Auch bei Launhardt Gitarren ist das nicht anders. Doch beim Gitarrenbauer aus Ehringshausen in Hessen kommt noch Erfahrung und gutes... -

" Wir haben hier nicht alles gemietet“, sagt Thomas Launhardt fast entschuldigend mit Verweis auf das etwas verfallene Industriegebäude, in dem seine Werkstatt jetzt sitzt. Der Gitarrenbauermeister ist vor rund einem Jahr nach Ehringshausen umgezogen. Ein kleines Dorf in der Nähe von Wetzlar. Dort hatte er bis dato sein Domizil. Doch dem Vermieter sei die Sanierung der feuchten Räume zu teuer gewesen. Jetzt arbeiten Launhardt und seine drei Mitarbeiter – ein Geselle, ein Lehrling und eine Bürokraft – in einem verlassenen Industriebau, in dem sie zwei große Räume angemietet haben und nur die Hälfte wie bisher bezahlen. Laufkundschaft kommt hier nicht vorbei, doch auf die ist Thomas Launhardt auch nicht angewiesen. Er baut seine Gitarren für Kenner. Feine Instrumente, ob E-, Konzert-, Jazz-Gitarre, Bässe oder Mandoline, für die er in der Gitarrenbauerszene einen guten Ruf genießt.

Gute Gitarren von Launhardt Guitars

Dieses Renommee hat er in diesem Jahr noch einmal mit dem Gewinn des Deutschen Musikinstrumentenpreises 2011 untermauert. Für seine Archtop-Gitarre FS2 – Archtop ist eine neumodische Bezeichnung für Jazz-Gitarre – hat er den vom Bundeswirtschaftsministerium gestifteten Preis erhalten.

Rammstein und Juli lassen bei Launhardt Gitarren anpassen

Doch nicht nur Hobbymusiker wissen seine Kompetenz zu schätzen. Auch berühmte Musiker wie Peter Maffay und Eros Ramazotti kaufen bei ihm ein. Für Bands wie Juli oder Rammstein richten der 48-Jährige und seine Mitarbeiter die Gitarren für ihre Shows her. Rammstein etwa hat einen Vertrag mit der bekannten amerikanischen Gitarrenfirma Gibson. Die Band, die für ihre exzentrischen, mit viel Pyrotechnik garnierten Auftritte bekannt ist, lässt sich ihre Gitarren äußerlich und technisch anpassen, etwa bei der Lackierung und bei gewissen Klangoptionen. Da Gibson dafür keine Kapazitäten hat, darf Launhardt diese Arbeit für die Amerikaner übernehmen. Zusätzlich ist seine Werkstatt als einer von drei Gitarrenbauern in Deutschland ein "Gibson Warranty Center“. Das heißt, er darf Garantiereparaturen für die Amerikaner ausführen. Trotz dieser Prominenz und der größeren Nachfrage, die bekannte Namen mit sich bringen, legt Thomas Launhardt viel Wert darauf, als bodenständiger und handwerklich guter Gitarrenbauer wahrgenommen zu werden.

Vielen Bewerbern fehlt die Leidenschaft

Äußerer Schein ist dem 48-Jährigen, der in Jeans und gestreiftem Baumwollhemd erscheint, unwichtig. Seine ruhige Art zu sprechen und der mit Ironie gewürzte Humor, der im Gespräch immer mal durchblitzt, zeugen von gepflegtem Understatement. Bei all der Zurückhaltung ist Launhardt dennoch Überzeugungstäter. Die Qualität, der eigene Klang und die Handschrift, die man seinen Instrumenten ansehen soll, sind ihm überaus wichtig. Diese Leidenschaft fordert er auch von seinen Mitarbeitern ein. "Man merkt Praktikanten oder Lehrlingen schnell an, wenn sie diese Hingabe nicht mitbringen“, sagt er. Viele der zahlreichen Bewerber kämen mit falschen Vorstellungen von dem Beruf. Dass man viel Geld verdienen könne zum Beispiel. Gleichzeitig interessierten sich nur die wenigsten für die handwerkliche Tätigkeit.

Thomas Launhardt mit preisgekrönter Archtop-Gitarre FS2
© DHZ

Launhardt hat seine Leidenschaft für das Instrument beim Spielen entwickelt. Mit zwölf Jahren hat er angefangen. Seit er 15 ist, steht er auf der Bühne. Sein gutes Hintergrundwissen verdankt er der Ausbildung bei einem exklusiven Gitarrenbauer, dem alteingesessenen, bekannten Gitarrenatelier Dieter Hopf in Taunusstein, wo er bereits bekannte Künstler betreuen durfte. Der Austausch mit den Gitarristen und die Instrumente nach deren Wünschen herzurichten, ist nach Launhardts Empfinden das Schönste neben dem Handwerk. Widerspruch gegenüber den Wünschen des Künstlers fürchtet er dabei nicht, wenn er meint, dass es der Musik dient. Überhaupt gehe es ihm nicht nur darum, Umsatz zu machen. Wenn es seinem handwerklichen und künstlerischen Anspruch entspricht, empfiehlt Launhardt auch gerne mal, auf den Kauf einer Gitarre zu verzichten. So wie vor nicht allzu langer Zeit, als er einer Frau, die ihrem Neffen eine Gitarre für 4.000 Euro kaufen wollte, den Kauf ausredete, weil der Neffe gar nicht fähig war, das Instrument zu spielen.

Bei derzeit vollen Auftragsbüchern gibt er solche Empfehlungen natürlich umso leichter. Diese Nachfrage musste er sich anfangs erst erarbeiten. Angefangen hat Launhardt bei seiner Betriebsgründung 1993 als Lieferant exklusiver Gitarren, die größere Hersteller innerhalb ihrer Standardserien nicht herstellen konnten. Nachdem er zwei Jahre später auf der Frankfurter Musikmesse ausgestellt hatte, stieg nach und nach der Bekannheitsgrad und bereits 1998 konnte Launhardt vom Bau eigener Gitarren leben. Die Kontakte aus der Lehr- und Gesellenzeit halfen, einen eigenen Kundenstamm aufzubauen.

Der Traum von der eigenen Gitarre

Eine eigens zu fertigende Launhardt-Gitarre hat im Moment eine Lieferzeit von einem halben Jahr, wobei die Herstellung selbst rund vier Wochen dauert. Auch Launhardt profitiert von der Konjunktur. Fleißige Gitarrenkäufer seien aber auch die gutsituierten 40- bis 60-Jährigen, die ihre musikalischen Jugendträume von einer eigenen, für sie gefertigten Gitarre verwirklichen wollen und jetzt das Geld dafür übrig haben. Ein Musikinstrumentenpreis gibt natürlich zusätzlichen Schub und festigt den Ruf als Hersteller von Qualitätsware, gibt Launhardt zu. Vergrößern will er sich im Moment dennoch nicht. Da bleibt er genauso bodenständig wie bei seinem Handwerk. Schließlich werde bei der Kultur als Erstes gespart, wenn es wieder schlechter läuft. Über mangelnde Beschäftigung kann sich der Musiker eh nicht beklagen. Nebenbei arbeitet er für die Kammer als Sachverständiger und für große Vertriebsgesellschaften prüft er die Qualität der Instrumentenproduktion in China. Wenn er von den dortigen Produktionsbedingungen berichtet, merkt man ihm den Zwiespalt an, den die Billigherstellung in ihm auslöst. Letztlich möchte er mit dafür sorgen, dass diese sich langfristig verbessern. Ein bisschen Zeit braucht er schließlich noch für die Pflege seines eigenen Gitarrenspiels. In zwei Bands, einem Ensemble für Saiteninstrumente und einer Band für Britpop, zeigt er dann, was den guten Klang seiner Gitarren ausmacht.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten