Meisterstücke -

Fortschritt beim Brunnenbau Der Glaskugel-Effekt

Während der Kies sich nach Jahren auflöst, die Filterrohre verstopft und eine Brunnensanierung nötig macht, bleibt Glas in seiner Struktur immer gleich. Glatt, fest, rund und gleich groß erfüllt es all die Bedingungen, die Kies nicht mitbringt. Die Kugeln halten außerdem Belastungen von über einer Tonne aus. Am Ende liegen die Energie- und Unterhaltskosten von Glaskugelbrunnen rund 20 Prozent unter denen von Kiesbrunnen.

Unwillkürlich fragt man sich, warum nicht jemand früher auf die Idee gekommen ist, Glas zu nehmen. Frank Herrmann erklärt es mit der Genügsamkeit der Kunden. Kiesbrunnen funktionieren ja schließlich immer noch und auch mit dem Wasser gibt es keine Probleme. Und sie sind billiger. Nachteil: Die Brunnen müssen öfter saniert werden.

Die Idee kam vom Kunden

Frank Herrmann mit Glaskugeln verschiedener Größe
© Foto: Frank Muck

Die Initialzündung kam bei Ochs mit einer Kundenanfrage. Ein Wasserversorger aus Nürnberg musste alle fünf bis zehn Jahre eine Brunnenreinigung durchführen lassen. Ob man nicht so etwas wie Glaskugeln benutzen könne, schlug der Kunde vor. "Warum nicht, doch woher nehmen?", fragte sich Frank Herrmann. Bis zu 50 Tonnen Füllmaterial braucht man schließlich pro Brunnen. Solche Glaskugelbestände gab es nirgendwo.

Doch Frank Herrmann entdeckte einen Hersteller von Glaskugeln für Spirituosenflaschen: Neun Millimeter Kugeldurchmesser und belastbar mit einer Tonne Gewicht. Da der Hersteller auch andere Kugelgrößen liefern konnte, hatte Herrmann seinen Lieferanten. Das Beste daran: Die Glaskugeln sind bereits steril und müssen nicht wie der Kies erst aufwendig sterilisiert werden.

Zwei bis drei Jahre weiter

Brunnenbau Ochs hat die Technik seitdem verfeinert und sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorsprung bei  den Glaskugeln erarbeitet. "Wir sind zwei bis drei Jahre weiter als die anderen", sagt Frank Herrmann, zum Beispiel bei der Frage, welche Kugelgröße optimal zum Erdreich passt. 70 Prozent seiner Brunnen baut das Unternehmen mit der Glasbefüllung.

Inzwischen kommen Anfragen aus ganz Deutschland – von Wilhelmshaven bis zum Allgäu. Anfragen aus dem Ausland lehnt Herrmann ab – zu ­unwirtschaftlich. Maschinen- und Materialaufwand seien zu hoch. Herrmann will sich von der Nachfrage nicht unter Druck setzen lassen. "Unser Auftragsvolumen sollte nicht schneller wachsen als unsere Kompetenz", sagt er. Pro Jahr werden maximal zwei zusätzliche Leute eingestellt.

Am Ende hat Frank Herrmann fast alle Kugeln eingesammelt. Der Rest  hat sich in Polsterritzen festgesetzt und auf dem Teppich unsichtbar gemacht. Manchmal sind Glas und Sand eben doch ganz ähnlich.

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