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Internationale Grüne Woche Der Bio-Boom

Der Biomarkt in Deutschland verzeichnet nach wie vor zweistellige Zuwachsraten. Der Boom ist sichtbar auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin, die Bundeslandeswirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) zusammen mit Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eröffnete.

Die Umsätze mit Biolebensmitteln seien im vergangenen Jahr voraussichtlich um 15 Prozent auf über fünf Milliarden Euro gestiegen, sagte Hans-Christoph Behr von der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP).

Bio ist nicht gleich Bio

Vor diesem Hintergrund fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, eine "verpflichtende Herkunftskennzeichnung" für Bioware. Der Markt brauche mehr Transparenz, denn Bio sei nicht gleich Bio, sagte Sonnleitner. "Die gestiegene Nachfrage wird vor allem mit ausländischer Ware befriedigt." Dies sei ein Nachteil für Verbraucher und Umwelt, denn im Ausland unterlägen die Produkte oft nicht so hohen Standards wie in Deutschland. Mit einer entsprechenden Herkunftsbezeichnung könnten sich die Verbraucher auch tatsächlich bewusst für deutsche und regionale Erzeugnisse entscheiden. Unter "Öko" verstehe er vor allem regionale Produkte, sagte der DBV-Präsident.

Doch die Biobauern in Deutschland hätten einen Wettbewerbsnachteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz: "Wir müssen auch sehen, dass Öko wesentlich mehr Arbeitszeit und Arbeitskraft erfordert." Beides sei in Deutschland teurer als in anderen Ländern. Hinzu komme, dass die Anforderungen und Standards für den Ökolandbau in der Bundesrepublik deutlich höher seien als in anderen Teilen der Welt.

Auch Bioland-Präsident Thomas Dosch verwies darauf, dass die heimische Bioerzeugung einem zunehmenden Konkurrenzdruck in den globalen Märkten ausgesetzt sei. "Die Schere zwischen boomendem Biomarkt und Rohstoffknappheit aus heimischer Produktion öffnet sich weiter", sagte Dosch in Berlin. Angesichts der guten Marktchancen sei es bedauerlich, dass nicht mehr Landwirte den Schritt zur Umstellung ihrer Betriebe auf Bio-Erzeugung mitgehen. Ein Grund dafür sei die nicht leistungsgerechte Honorierung der Umweltleistungen des Biolandbaus.

Nach Angaben von Dosch haben im vergangenen Jahr fast alle Bundesländer die Prämiensätze für den Biolandbau gekürzt und damit die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe im internationalen Wettbewerb geschwächt. Bioland fordere eine deutliche Anhebung der sogenannten Ökoprämien. Die Umstellungsrate bei Betrieben und Flächen zeige 2007 zwar wieder nach oben, sagte Dosch. Sie reiche aber bei weitem nicht aus, um die Nachfrage nach Bioprodukten zu befriedigen.

Den Angaben zufolge lag 2006 in Deutschland die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe bei 17.557 und die Anbaufläche bei 826.000 Hektar. Für das vergangene Jahr rechnete Dosch bei der Fläche mit einem Zuwachs von etwa zehn Prozent und bei der Zahl der Betriebe mit einem Wachstum im einstelligen Prozentbereich.

Seehofer eröffnet Grüne Woche

Mit einem Glas Frankenwein haben Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ihren Eröffnungsrundgang auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin gestartet.

Zur Begrüßung bei zünftiger Blasmusik hatte der Freistaat Bayern ein 220-Liter-Eichenholzfass mit einem Würzburger Stein Silvaner Kabinett von 2007 aufgebaut. Damit solle gezeigt werden, dass Bayern nicht nur für sein Bier berühmt ist, sondern auch exzellente Weine herstellt, sagte der bayerische Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU). Er überreichte Seehofer einen Drei-Liter-Bocksbeutel und bedankte sich damit symbolisch für die Unterstützung im Kampf auf EU-Ebene um den Schutz dieser traditionellen Flaschenform des Frankenweins.

Niederlande mit den meisten Ständen

Zweite Station des rund dreistündigen Rundgangs von Seehofer und Wowereit, an dem auch der Präsident des Deutschen Bauernverbands, Gerd Sonnleitner, teilnahm, war der Stand der Niederlande. Dort wurden Käse und Matjes gereicht. Die Niederlande präsentieren sich in diesem Jahr zum 56. Mal in Folge auf der Grünen Woche und weisen damit die meisten Beteiligungen eines Landes auf.

Auf der nach Angaben der Veranstalter weltgrößten Schau der Agrar- und Ernährungswirtschaft sind in diesem Jahr 1.610 Aussteller aus 52 Ländern vertreten. Die Verbraucherschau ist bis 27. Januar geöffnet. Die Veranstalter erwarten an den zehn Messetagen wieder mehr als 400.000 Besucher, im vergangenen Jahr waren es 430.000.

ddp

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