Frankfurt-Rhein-Main -

Den „Fliesenpeter“ im Gepäck

Der Bickenbacher Handwerksmeister Peter Weigold hat ein neues Arbeitsgerät erfunden

Die Idee kam bei der Arbeit. Als er in dem Dreifamilienhaus tätig war. Und jede einzelne Fliese exakt zuschneiden musste. Vom Keller bis unters Dach. Maße aufnehmen, Treppe runter, Fliese schneiden, Treppe hoch. Immer wieder. Im Auftrag inbegriffen: eine Wendeltreppe. „Der Aufwand war enorm“, erinnert sich Peter Weigold, „und die Arbeit ging nur langsam voran.“

Heute kann der Fliesenlegermeister aus Bickenbach über die Arbeit damals nur lächeln. Der 54-Jährige hat sich selbst zu helfen gewusst. Nach wochen- und monatelangem Tüfteln und Ausprobieren hat er eine völlig neuartige Fliesenschneidemaschine entwickelt. „Fliesenpeter“ hat er sie genannt. „Man muss schließlich einen Bezug dazu haben“, sagt er und schmunzelt. Die Erfindung ist einfach, aber bahnbrechend im Nutzen, sagt Weigold. „Sie ermöglicht passgenaue Schrägschnitte, die mit den Vorgaben des Bauwerks identisch sind.“

Optisch ähnelt das Gerät einer Papierschneidemaschine. Ein fester Untersatz, eine silberfarbene Anschlagschiene, ein Führungsarm mit Schneidevorrichtung. Der Clou: Beide Schienen sind mit Maßeinheiten versehen und beweglich. Auf diese Weise können sie individuell den jeweiligen Bauwerkserfordernissen angepasst werden.

Integriert ist ein Fugenraster, das der Nutzer je nach Fliesensorte einfügen kann. Weitere Rafinesse: verstellbare Winkelanschläge, die Diagonalverlegungen am Boden erleichtern. „Man muss nur einen Schritt weiterdenken“, sagt Weigold und lächelt, „dann funktioniert manches wie von selbst.“

Die Handhabung ist simpel: Fliesen auf der Auflageplatte an der Anlageschiene auslegen. Entsprechende Fugenraster anbringen und festdrehen. Klemmwinkel oder Klemmschmiege an Ober- und Unterseite montieren. Führungsschiene positionieren und an der Ober- und Unterseite der Maschine festdrehen. Die Fliesen schneiden. Führungsschiene wieder lösen. Geschnittene Fliese entnehmen, brechen, fertig.

Hohe Zeitersparnis

Vier bis fünf Keramikplatten können soin einem Arbeitsgang zugeschnittenwerden. „Die Zeiteinsparung ist enorm“, sagt Weigold. „Und der Verschnitt deutlich geringer als mit dem handelsüblichen Gerät.“

Die Schneidevarianten, die Weigolds Erfindung ermöglicht, sind vielfältig. „Das reicht von einfachen Grund- und Winkelschnitten über Pfeil- und Kreuzschnitte bis hin zu Winkelschnitten in Serie mit Teilstücklösungen“, beschreibt er. „Damit kann man jede keramische Veränderung, die auf den Markt kommt, bearbeiten.“

Das sagt einer, der Erfahrung hat. Das Fliesenlegerhandwerk hat Weigold von der Pike auf gelernt. Nach Lehr- und Gesellenzeit legte er 1979 seine Meisterprüfung ab und machte sich anschließend selbstständig. Inzwischen hat er sich ausschließlich auf Privatkunden spezialisiert. „Damit habe ich meine Nische gefunden“, sagt er.

Mit seinem „Fliesenpeter“ hofft er, eine weitere Nische auf dem Markt zu finden. Auf nationalen und internationalen Fachmessen hat er bereits gute Resonanz erzielt. Einen Hersteller hat er ebenfalls gefunden. Jetzt sucht er noch einen Handelspartner. „Ich bin nur ein kleiner Handwerker und will mich auch weiterhin um meine Kunden kümmern.“ In Gedanken hat er den „Fliesenpeter“ bereits weiterentwickelt: um eine Brechzangenvorrichtung, die in die Maschine integriert ist. Die Urkunde zum Gebrauchsmusterschutz hängt in der Werkstatt an der Wand.

Wer sich für den „Fliesenpeter“ interessiert, kann sich direkt bei Peter Weigold, Tel. 06257/2982, melden. Mehr Infos auch auf der Internetseite unter www.fliesen-weigold.de.

Wer ebenfalls an einer für das Handwerk neuartigen Erfindung tüftelt und auf der Suche nach geeigneten Ansprechpartnern ist, kann sich bei der Technologie-Transfer-Stelle der Handwerkskammer Rhein-Main informieren; Ansprechpartner ist Uwe Mirzwa, Tel. 069/97172-484.

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