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Schimmelpilzsanierung Schimmelspürhund Franzi: Dem Schimmel auf der Spur

Stuckateurmeisterin Christina Besemer setzt bei Schimmel auf Spürhund Franzi. Der Magyar Viszla findet auch nicht sichtbaren Befall in Wohnungen und auf Baustellen.

Aufgeregt steht Franzi auf ihren Hinterläufen und kratzt an der Wand. Stakkatoartig schnüffelt sie an einer Stelle. "Fein, Franzi", ruft Katrin Besemer ihren Hund mit einem Lob zurück und tätschelt ihm das hellbraune Köpfchen. Genüsslich schleckt Franzi ihre Belohnung, Leberwurst aus der Tube.

Was Franzi hier erschnüffelt hat, ist unsichtbarer Schimmel in der Wand. Schimmel aufzuspüren, ist ihr Job: Der sechsjährige Magyar Viszla ist ein zertifizierter Schimmel­spürhund. Für Stuckateurmeisterin Christina Besemer die ideale Ergänzung für ihr Handwerksunternehmen im baden-württembergischen Kohlberg: "Unser Betrieb bietet seit zehn Jahren Schimmelsanierungen und Schimmelberatungen an."

Ursache des Schimmels beheben

Menschen werden immer sensibler, was gesundes Wohnen und gesunde Baustoffe angeht. Tritt Schimmelbefall auf, können die Bewohner oft nichts für das Problem. Schimmel entsteht oft durch einen Wasser­schaden oder falsch konstruierte Bauteile. "Wichtig ist es für uns, zu wissen, warum sich der Schimmelpilz entwickeln konnte." Nur dann kann die Ursache behoben werden. Die Feuchtigkeit muss aus dem Gemäuer gezogen, befallene Tapeten oder Putz müssen abgetragen werden.

Nach einem Wasserschaden kann sich beispielsweise Schimmel in der Wand, im Boden oder in der Decke bilden und an der Oberfläche nicht zu erkennen sein. Hier kommt Franzi ins Spiel. Sie findet Schimmel, den die Stuckateurmeisterin auf den ersten Blick auf einer Baustelle oder in einer Wohnung nicht sehen kann. Die Hündin kann unsichtbare Schimmelsporen aufspüren. Kein Wunder: Die Nase eines Hundes hat bis zu 40-Mal so viele Geruchszellen wie die Nase eines Menschen. "Für unsere Kunden ist das ein guter zusätzlicher Service", sagt Christina Besemer.

Schlägt der Spürhund nicht an, kann sich der Handwerker das Aufbrechen einer Wand oder Decke oder das Herausreißen eines Bodens sparen. Schimmelsporen können zwar mit einem Test in der Raumluft nachgewiesen werden. Damit weiß der Handwerker aber nur, dass es Schimmel gibt. Er weiß noch nicht, wo er sitzt. Doch genau das kann Franzi anzeigen.

Schimmelspürhund Franzi übernimmt gerne Aufgaben

Die Idee zu einem Schimmelspürhund hatte Katrin Besemer, die Schwester von Christina Besemer. Sie ist das Frauchen von Franzi und im Hauptberuf Landschaftsgärtnerin. "Franzi übernimmt gerne Aufgaben, sie will arbeiten und fordert das auch", sagt Katrin Besemer über ihren ungarischen Jagdhund. Im Fernsehen hatte sie einen Bericht über Schimmelspürhunde gesehen. "Das fand ich toll."

Da sie wusste, dass ihre Schwestern im elterlichen Betrieb sich seit langem mit dem Thema Schimmel auseinandersetzen, packte Katrin Besemer die Gelegenheit beim Schopf, als sie von einem Hundetrainer hörte, der eine Ausbildung zum Schimmelspürhund anbietet. Im Mai vergangenen Jahres begannen Katrin Besemer und Franzi diese Ausbildung. Im Januar war sie zu Ende und im April legte das Duo im Bundesgesundheitsamt in Berlin eine Prüfung ab. Franzi ist seitdem zertifizierter Schimmelspürhund beim Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS). Diese Zertifizierung bietet der BSS seit 2013 an, sie muss nun jährlich erneuert werden.

Mehrfach war Franzi jetzt schon beim Kunden. Einmal sollte sie nach einem Wasserschaden im Winter klären, ob sich Schimmelsporen gebildet haben. Das war nicht der Fall und der Boden musste nicht aufgebrochen werden. Ein anderer Kunde wollte nach einer Schimmelsanierung Befall in benachbarten Räumen ausschließen. Hier fand der Spürhund eine kleine Stelle hinter dem Wohnzimmerschrank.

Franzis Einsätze mit Frauchen ­Katrin Besemer laufen nach einem festen Ritual ab. Der Hund bekommt sein orangenes "Arbeitshalsband" um – das Zeichen: Jetzt wird gearbeitet. Dann führt Katrin Besemer ihren Hund in den Raum, in dem er suchen soll, und befiehlt ihm "Sitz!". Franzi wartet mit gespitzten Ohren und beobachtet aufmerksam ihr Frauchen. Katrin Besemer zeigt Franzi die Wände und Stellen an, die sie absuchen soll. Mit dem Befehl "Such Schimmel!" geht es los.

Der intensive Einsatz der Nase ist Schwerstarbeit

Ist Franzi nicht im Arbeitsmodus, trägt sie ihr blaues Halsband und dann sucht sie auch nicht nach Sporen. "Sie geht nicht in eine Wohnung und kratzt an den Wänden, weil es Schimmel gibt", sagt ihre Besitzerin. Soll sie Schimmel aufspüren, kann sie etwa 20 Minuten am Stück suchen. Spätestens dann gewährt ihr Katrin Besemer eine Pause. Der intensive Einsatz der Nase ist für einen Hund Schwerstarbeit.

Findet die Nase etwas, kratzt Franzi an der Stelle oder stellt sich auf die Hinterbeine und erstarrt, wenn der Befall oben an der Wand ist. "Es ist meine Aufgabe, den Hund zu lesen", sagt Katrin Besemer. Die Reaktionen ihres Hundes muss sie einschätzen können. Nicht jede Reaktion ist ein Hinweis auf Schimmelbefall. Vielleicht hat da auf der Baustelle ja auch nur mal ein Wurstbrot gelegen. "Ich muss deuten können, ob da etwas ist."

Um ihr Niveau zu halten, müssen die beiden zwei- bis dreimal in der Woche trainieren. Oft üben sie auf einer Baustelle des Stuckateur- und Malerbetriebs Besemer Ausbau und Fassade, beispielsweise vor oder nach einer Schimmelpilzsanierung. Wenn der Besitzer einverstanden ist, üben sie auch mit eigenen Schimmelproben. "Nach dem Training wird natürlich alles mit Alkohol oder Schimmelspray wieder desinfiziert", sagt Katrin Besemer. Alternativ kann auch mit chemischen Geruchsproben trainiert werden, diese sehen aus wie Zigarettenfilter und sind mit einem künstlichen Schimmelpilzduft angereichert.

Es gehört zu den Aufgaben eines Hundeführers mit Schimmelspürhund, eine Auswahl an Schimmelsporen für das Training zu züchten. "Die Schimmelproben brauchen viel Pflege." Katrin Besemer kann zwischen 20 verschiedenen Schimmelarten wie Aspergillus restrictus oder Penicillin wählen. "Der Hund soll möglichst viele verschiedene Geruchsarten erkennen können. So wird er immer sicherer", sagt Franzis Besitzerin. Es handelt sich um gängige Schimmelarten, die etwa bei einem Wasserschaden entstehen.

Nie an den Geruch von Schimmelsporen gewöhnen

Die Idee, mit Hilfe von Hunden Schimmel aufzuspüren, kommt aus Skandinavien und England. In Deutschland werden Schimmelspürhunde seit etwa 20 Jahren eingesetzt. Der BSS schätzt, dass es hierzulande rund 50 Schimmelspürhunde gibt.

Ein guter Spürhund darf sich jedoch nie an einen Geruch gewöhnen. Deshalb muss immer wieder mit verschiedenen Schimmelsporen geübt werden. "Ich muss genau Tagebuch führen, welche Sporen ich wo verwendet habe, ob ich unten oder oben an der Wand präpariert habe." Auch das Material, auf dem Schimmel erschnüffelt werden soll, muss variiert werden. "Wenn ich nur mit Tapete trainieren würde, könnte es sein, dass sie Schimmel nur auf Tapete erkennt", sagt Katrin Besemer. Franzi würde dann alles andere ausblenden, weil sie nur für Schimmel auf Tapete eine Bestätigung bekommen hat.

Die Kosten für einen Einsatz von Katrin Besemer und Franzi richten sich nach Aufwand und Umfang des Objekts, ob ein ganzes Haus, ein Raum oder nur eine Wand abgesucht werden muss. Das Interesse bei den Kunden ist da, doch "im Moment kann ich es noch neben meinem Beruf machen", sagt die Landschaftsgärtnerin. "Wir müssen abwarten, wie sich die Nachfrage entwickelt", stimmt ihre Schwester zu. Katrin Besemer kann sich vorstellen, ganz umzusatteln. Im Stuckateur- und Malerbetrieb Besemer Ausbau und Fassade in Kohlberg würden dann drei von vier Schwestern arbeiten.

Bundesverband Schimmelpilzsanierung (BSS)

Die Aktivitäten des Bundesverbandes Schimmelpilzsanierung (BSS) konzentrieren sich darauf, eine bundeseinheitliche Qualifizierung auf dem Gebiet der Schimmelpilzsanierung auf der Basis der Schimmelleitfäden des Umweltbundesamtes einzuführen. Dazu gehören neben der Öffentlichkeitsarbeit und der Mitarbeit in Fachgremien vom BSS entwickelte Fortbildungsmaßnahmen für Gutachter und Sanierungsbetriebe. Der Lehrgang A - Fachkraft für Schimmelpilzsanierung - vermittelt die erforderlichen Fachkenntnisse für die Durchführung einer fachgerechten Sanierung. Auf diesen Lehrgang bauen weitere Lehrgänge auf. Dr. Charlotte Herrnstadt, Mitglied im Vorstand des Bundesverband Schimmelpilzsanierung, erläutert im DHZ-Interview die Anforderungen an einen Schimmelspürhund.

DHZ: Seit wann zertifiziert der BSS Schimmelspürhunde?

Herrnstadt: 2013 hat der BSS die erste Zertifizierung durchgeführt. Seitdem findet die Prüfung jährlich an wechselnden Standorten statt. Unser Ziel ist es, eine Qualitätssicherung beim Einsatz von Schimmelspürhunden zu etablieren.

DHZ: Seit wann gibt es Schimmelspürhunde in Deutschland?

Herrnstadt: Spürhunde werden für die Schimmelsuche bereits seit ca. 20 Jahren eingesetzt.

DHZ: Woher kommt die Idee, Schimmelspürhunde einzusetzen?

Herrnstadt: Aufgrund ihres herausragenden Geruchssinns gibt es sehr viele Suchaufgaben für Hunde. Wesentlich bekannter ist ihr Einsatz bei der Suche von Verschütteten oder beim Aufspüren von Drogen oder Sprengstoff. Die Idee, die beachtliche Nasenleistung von Hunden für das Aufspüren von versteckten Schimmelschäden im Gebäude zu nutzen, kam zuerst in Skandinavien und England auf.

DHZ: Können Sie einschätzen, wie viele Schimmelspürhunde es inzwischen in Deutschland gibt?

Herrnstadt: Wir schätzen, dass es ungefähr 50 Schimmelspürhunde in Deutschland gibt.

DHZ: Wer setzt Schimmelspürhunde ein?

Herrnstadt: Der Einsatz eines Schimmelspürhundes erfolgt immer gemeinsam mit seinem Hundeführer. Es ist eine Teamaufgabe von Mensch und Tier. Liegt ein Verdacht auf einen verdeckten Schimmelschaden in einem Gebäude vor, kann ein Spürhundteam geordert werden. Dies passiert häufig durch Sachverständige. Der Einsatz eines Spürhundteams kann Bestandteil der Quellensuche sein und Hinweise auf Schimmelquellen geben, liefert aber noch nicht den Beweis. Schimmelspürhunde sind auf Geruchsstoffe von Schimmel trainiert, zeigen also dort an, wo solche Gerüche aus Bauteilen austreten. In dem Moment, in dem der Hund eine Anzeige macht und diese durch den Hundeführer bestätigt wird, kommt die Bewertung durch einen Sachverständigen ins Spiel. Der Sachverständige muss entscheiden, wie er fortfährt, ob und wo eine Bauteilöffnung vorgenommen beziehungsweise eine Probenahme erfolgen soll. Auch Handwerker mit einer entsprechenden Zusatzqualifikation zur Bewertung eines Schimmelbefalls können Schimmelspürhundteams ordern.

DHZ: Welche Rassen sind besonders geeignet?

Herrnstadt: Grundsätzlich sind alle Rassen geeignet. Die Nasenleistung von Hunden mit flachen, kurzen Nasen ist nicht so ausgeprägt. Auch schaut man bei der Ausbildung auf Charakter und Wesensmerkmale. Die Hunde dürfen kein aggressives Wesen haben und auch die Motivierbarkeit des Tieres ist wichtig.

DHZ: Was wird bei der Zertifizierung geprüft?

Herrnstadt: Die Hunde müssen einen Wesenstest bestehen. Es wird unter anderem geprüft, wie der Hund auf optische und akustische Reize und wie er auf Menschen reagiert. Bei der Hauptprüfung muss das Spürhundteam einen Prüfungsparcours durchlaufen. In zwei bis vier Räumen sind unterschiedliche Schimmelproben versteckt, die der Hund finden muss. Der Spürhundführer muss die Anzeigen seines Spürhundes bestätigen und in einer Raumskizze vermerken. Ist die Suche erfolgreich, wird dem Spürhundteam ein Zertifikat ausgestellt. Dies ist je nach Prüfungsergebnis zeitlich auf ein oder zwei Jahre begrenzt.

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