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Digitaler Geschäftsverkehr De-Mail und E-Post-Brief im Vergleich

Die E-Mail liegt weiter im Trend. Für sensible Daten setzen viele Unternehmer aber immer noch auf die klassische Briefpost. De-Mail und E-Post-Brief sollen digitale Nachrichten vertrauensvoll und sicher machen. In der Praxis gibt es aber Mängel.

Über 100 Milliarden E-Mails täglich werden in diesem Jahr allein im Geschäftsverkehr versendet, schätzt das Marktforschungsunternehmen Radicati Group. Einige dieser Nachrichten enthalten sensible Daten, wie Kontoverbindungen, private Telefonnummern oder Vertragsdetails. Sind die E-Mails gar nicht oder nur mangelhaft verschlüsselt, können sie von Dritten mitgelesen werden. Viele Unternehmer bevorzugen bei vertraulichen Dokumenten deshalb immer noch einen klassischen Brief.  

Als Alternativen sind inzwischen die De-Mail und der E-Post-Brief verfügbar. Das Versprechen der Anbieter lautet, digitale Nachrichten vertraulich, sicher und nachweisbar versenden zu können. Beide Konzepte verfolgen das Ziel, dass Nutzer mit Behörden, Unternehmen und Privatpersonen ohne Sicherheitsbedenken kommunizieren und Daten austauschen. Mit wenigen Mausklicks ließen sich die Kosten für Briefpapier, Druck und Kuvert sparen und auch der mühsame Weg zur Post wären, nicht mehr nötig. Doch wie gut sind die Modelle bei genauerem Hin­sehen?

De-Mail: Einfach, aber nicht ganz sicher

Im Zuge des E-Government-Gesetzes, das Bürgern die Möglichkeit bieten soll, Behördengänge ab dem nächsten Jahr elektronisch zu erledigen, hat die Bundesregierung vor drei Jahren die De-Mail auf den Weg gebracht. Bisher haben die Deutsche Telekom und deren Tochter T-Systems, 1&1 sowie Mentana-Claimsoft die staatliche Lizenz für das Angebot erhalten.

Bevor De-Mails verschickt werden können, muss der Kunde ein Konto anlegen. Privatpersonen können sich mit ihrem Ausweis identifizieren und registrieren. Unternehmen müssen einen Auszug aus dem Handelsregister vorlegen. Die Nachweise sollen sicherstellen, dass sich hinter De-Mail-Nachrichten auch wirklich der angegebene Absender verbirgt. Kriminellen soll die Möglichkeit genommen werden, betrügerische Nachrichten zu versenden. Auch die Menge an Spam-Botschaften soll damit weit niedriger ausfallen als bei der klassischen E-Mail.

Für jede versendete Standard-Nachricht fallen derzeit Gebühren zwischen 0,33 Cent und 0,39 Cent an. Zusatzfunktionen wie „Einschreiben“ und „Rückschein“ kosten allerdings extra und zum Teil mehr als die eigentliche Nachricht. Zum Beispiel verlangt der Anbieter Metana-Claimsoft für eine De-Mail bis 50 Kilobyte 0,33 Cent. Ein Einschreiben und Rückschein kosten aber jeweils weitere 0,69 Cent. Je nach Anbieter gibt es pro Monat oder zum Einstieg ein paar kostenfreie De-Mails.

Inhaber eines De-Mail-Kontos können Nachrichten nur an andere De-Mail-Kunden schicken, die sich ebenfalls identifiziert haben. Damit ist das Modell komplett abgetrennt vom herkömmlichen E-Mail-Verkehr. Betriebe müssen sich deshalb darauf einstellen, nicht jeden Geschäftskontakt erreichen zu können. Bis das System annähernd die Verbreitung wie die E-Mail erreicht hat, dürften noch Jahre vergehen.

Die De-Mail wird direkt beim Versenden verschlüsselt und kommt auch beim Empfänger verschlüsselt an. Trotzdem kritisiert etwa der Hackerverein Chaos Computer Club, dass die De-Mail nicht wirklich sicherer als die E-Mail ist, weil die Mails nicht durchgängig verschlüsselt sind. Denn auch die De-Mail wird auf dem Versandweg entschlüsselt, um sie auf Schaddateien zu prüfen. Das sieht das De-Mail-Gesetz so vor.

E-Post-Brief: Viele Funktionen, aber teuer

Die Deutsche Post setzt der De-Mail den E-Post-Brief entgegen. Die Registrierung kann online über die Webseite des Unternehmens durchgeführt werden. Die Identifizierung erfolgt mit dem bekannten Post-Ident-Verfahren in der Filiale oder beim Postboten an der Haustür.

Wie bei der De-Mail entstehen für die Anmeldung keine Kosten. Allerdings sind die Gebühren beim Versenden der virtuellen Briefe höher. Der digitale Versand kostet mit 58 Cent genauso viel wie der Papierbrief. Für ein digitales Einschreiben mit Empfangsbestätigung fallen 1,60 Euro an. Das sind zwar rund 50 Prozent weniger als beim Papierversand, aber deutlich mehr als bei den De-Mail-Angeboten.

Mit einem E-Post-Brief kann praktisch jeder Empfänger erreicht werden, obwohl die Nachrichten nicht mit den De-Mail-Konten kompatibel sind. Die Deutsche Post bietet den Service an, E-Post-Briefe auszudrucken und dann Empfängern auf dem herkömmlichen Versandweg zukommen zu lassen. Drei Schwarz-Weiß-Seiten pro Versand sind inklusive, jede weitere kostet zehn Cent.

Dieser Zusatzservice erweist sich aber zugleich als Sicherheitsproblem des E-Post-Briefs. Werden die Nachrichten ausgedruckt, muss die Verschlüsselung notgedrungen aufgehoben werden.  

Ob sich De-Mail und/oder E-Post-Brief im Geschäftsalltag etablieren können, muss sich in den nächsten Jahren zeigen, wenn das Angebot auf dem Markt bekannter wird. Beide Modelle haben aber noch deutliche Schwachstellen.

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