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Kursschwankungen Was bei Aktienverlusten steuerlich noch zu retten ist

"No risk, no fun!" ist die Devise vieler Aktionäre, die aufgrund der Niedrigzinsphase wenigsten Kursgewinne mitnehmen möchten. Doch wer sich im März 2020 wegen der Corona-Krise von seinen Aktien getrennt hat, musste herbe Kursverluste hinnehmen. Allerdings sind die Aktienverluste steuerlich nutzbar.

Sinkender Aktienkurs.
Aktienverluste lassen sich nur unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich geltend machen. -

Letztes Jahr hat es so manchen Aktionär hart getroffen. Denn beim ersten harten Lockdown 2020 rauschten die Aktienkurse in den Keller. Wer sich von seinen Aktien trennte, musste teils hohe Kursverluste verschmerzen. Hart getroffen wurden aber auch diejenigen, die Papier von Wirecard im Depot hatten. Aufgrund eines Betrugsskandals des Zahlungsdienstleisters sanken auch hier die Kurse.

In der Praxis stellen sich deshalb viele Privataktionäre die Frage, wie sie Aktienverluste steuerlich geltend machen können.

Sind nur realisierte Verluste interessant?

Kursverluste alleine werden steuerlich nicht berücksichtigt. Hat ein Aktionär seine Aktien trotz Kursverluste behalten, können die Verluste nicht mit anderen Aktiengewinnen steuersparend verrechnet werden. Verluste sind nur steuerlich nutzbar, wenn Aktien tatsächlich mit Verlust verkauft wurden.

Kleine Einschränkung: Wurden Aktien verkauft, die vor Einführung der Abgeltungsteuer, also vor 2009, ins Depot genommen wurden, stellen die Verluste "Privatvergnügen" dar und werden steuerlich ignoriert.

Beispiel: Hans Müller hat Kursverluste in Höhe von 4.000 Euro zu verschmerzen, verkauft aber nicht.
Folge: Die Kursverluste gelten steuerlich als nicht entstanden.

Variante 1: Sarah Bauer verkauft Aktien und erzielt dabei Kursverluste in Höhe von 3.000 Euro.
Folge: Diese Verluste sind steuerlich mit anderen Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechenbar.

Variante 2: Frank Heinze verkauf Aktien mit 2.000 Euro Verlust, die er seit 2007 im Depot hat.
Folge: Dieser Verlust fällt unter den Tisch, weil die Aktien vor Einführung der Abgeltungsteuer gekauft wurden.

Sonderfall bei wertloser Ausbuchung von Aktien aus dem Depot

Bucht das Finanzamt wertlose Aktien aus einem privaten Depot aus, muss das Finanzamt nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs auch solche Verluste steuerlich berücksichtigen.

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Verlustverrechnungsverbot mit ­Zinsen und Dividenden

Bei Verlusten aus Aktienverkäufen gilt eine Besonderheit: Realisierte Veräußerungsverluste sind nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechenbar. Eine steuersparende Verrechnung mit Dividenden oder Zinsen ist nicht möglich.

Beispiel: Hanna Heller hat nur ein Aktiendepot bei der X-Bank. 2020 erzielte sie aus Aktienverkäufen einen Verlust von 3.000 Euro. Die Bank hat für Dividenden in Höhe von 2.000 Euro aus demselben Depot Abgeltungsteuer einbehalten.
Folge: Obwohl es sich um dasselbe Depot handelt, dürfen die Verluste aus den Aktienverkäufen nicht mit den Kapitalerträgen aus Dividendengutschriften verrechnet werden.

Verlustnutzung: Zwei Möglichkeiten

Können Verluste aus Aktienverkäufen nicht mit Aktiengewinnen bei derselben Bank verrechnet werden, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die Bank stellt die Verluste fest und verrechnet diese in den nächsten Jahren mit anfallenden Aktiengewinnen.
  • Hat der Aktionär bei einer anderen Bank Aktiengewinne, kann er eine steuersparende Saldierung der Verluste und Gewinne im Rahmen der Einkommensteuererklärung beantragen. Dazu muss er die Anlage KAP ausfüllen und bis spätestens 15. Dezember des betreffenden Steuerjahres eine Verlustbescheinigung bei der Bank beantragen. Ohne die Verlustbescheinigung bleiben die Verluste bei der Bank und eine Verlustverrechnung im Steuerbescheid ist tabu.

Beispiel 1: Aktionär Mirko Becker erleidet beim Verkauf von Aktien einen Verlust von 1.500 Euro. Da er kein weiteres Depot besitzt, heißt es abwarten.
Folge: Die Bank bescheinigt ihm aus dem Verkauf einen Verlust, den er in den nächsten Jahren mit Aktiengewinnen verrechnen kann.

Beispiel 2: Maria Katten erzielt aus dem Verkauf eines Aktienpakets 5.000 Euro Verlust. Da sie bei einer anderen Bank aus dem Verkauf von Aktien einen Gewinn in Höhe von 10.000 Euro erzielt hat, macht es Sinn, bis spätestens 15. Dezember bei der Bank mit den Verlusten eine Verlustbescheinigung zu beantragen.
Folge: Füllt Maria K. in der Steuererklärung die Anlage KAP aus und legt dem Finanzamt die Bescheinigung vor, verrechnet es Gewinne und Verluste und erstattet die einbehaltene Abgeltungsteuer für 5.000 Euro.

Verlustverrechnung bei Ehegatten – Variante 1

Haben Ehegatten jeweils eigene Aktiendepots bei verschiedenen Banken und ein Ehegatte erzielt Verluste aus Aktienverkäufen und der andere Ehegatte Aktiengewinne, kann eine steuersparende Saldierung dieser Verluste und Gewinne in der Steuererklärung samt Anlage KAP beantragt werden.

Voraussetzung ist wiederum die Beantragung der Verlustbescheinigung bei der Bank bis spätestens 15. Dezember des betreffenden Steuerjahres.

Verlustverrechnung bei Ehegatten – Variante 2

Ein Steuerprivileg genießen Ehegatten, wenn sie jeweils eigene Aktiendepots bei derselben Bank haben und ein Ehegatte Verluste und der andere Ehegatte Gewinne aus Aktienverkäufen erzielt. Eine steuersparende Saldierung der Verluste und Gewinne kann wie in Variante 1 beschrieben mit der Steuererklärung beantragt werden. Doch hier heißt es Geduld haben. Denn die Erstattung der Abgeltungsteuer erfolgt hier erst im Steuerbescheid des betreffenden Steuerjahres, also frühestens im April/Mai des Folgejahres.

Doch es geht einfacher: Ehegatten können bei der Bank einen Freistellungsauftrag über "null Euro" erteilen. In diesem Fall verrechnet die Bank umgehend die Verluste und Gewinne aus Aktienverkäufen und erstattet die bislang zu viel einbehaltene Abgeltungsteuer. Diese Steuererstattung winkt dadurch also viele Monate vor der Erstattung im Steuerbescheid. Im Freistellungsauftrag finden Ehegatten ein Kästchen zum Ankreuzen mit dieser Möglichkeit.

Dieser Beitrag wurde am 23. Januar 2021 aktualisiert.

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