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Frauenrallye Aïcha des Gazelles 2016 Daumendrücken fürs Finale: Handwerksteam hegt Siegchancen

Vor der abschließenden Marathon-Etappe spitzt sich der Zweikampf bei der Rallye Aïcha des Gazelles weiter zu. Der Vorsprung des Handwerksteams im Mercedes Vito ist geschmolzen, aber noch liegen Viola Hermann und Vanessa Wagner vorn.

Die fünfte Etappe war für alle vier Teams aus dem Mercedes-Rennstall die bislang anstrengendste. Erstmals haben die Fahrzeuge kräftig gelitten, denn das Gelände wechselte ständig zwischen Geröll, Steinwüste und Sandpassagen.

Vor allem die spitzen Steine sind als Reifenkiller gefürchtet, während das Qued Bou Haiara, ein großer ausgetrockneter Flusslauf, als Sandfalle berüchtigt ist. Wer da das rechtzeitige Anpassen des Reifendrucks verpasst, beschäftigt sich mit Räder wechseln. Das ist nicht nur aufgrund der Länge der Etappe von 170 Kilometern ärgerlich, sondern kostet unter der prallen Wüstensonne viel Kraft.

Das Führungsduo mit Startnummer 318 kam erst gegen 21.30 Uhr als letztes der vier Mercedes-Teams im Biwak von Mhamid an, wo auf die Mechaniker erstmals eine harte Nachtschicht wartete. Denn zum Finale der Rallye müssen die Transporter zwei Tage ohne den nächtlichen Service überstehen, denn alle Teams biwakieren im Gelände.

Rallye endet mit Herzschlagfinale

Die Mercedes-Mechaniker um Sascha Belca haben zur Sicherheit mehr Teile getauscht als sonst üblich. So wurden noch einmal alle Stoßdämpfer gewechselt, während sich der völlig neu konzipierte Unterfahrschutz bei den Vitos bestens bewährt hat. „Er wurde wie ein Schlitten ausgelegt. So können die Fahrerinnen mehr oder weniger über Hindernisse hinwegrutschen, ohne das Fahrzeug zu beschädigten“, erklärt Teamchef Thomas Konzelmann.

Zwischen Stolz und Muffensausen

Frauenrallye Aicha de Gazelles Highlights 3

Für Goldschmiedemeisterin Viola Hermann und SHK-Meisterin Vanessa Wagner blieb vor dem großen Showdown also besonders wenig Zeit zur Erholung. Aufgrund ihres knappen Vorsprungs sind die beiden Handwerkerinnen riskanter gefahren als während der ersten Etappen. "Ich hatte mehrfach Muffensausen", gestand Vanessa Wagner, die sich über einige Fehler ärgerte. Aber Fahrerin Viola Hermann baute ihre Teamkollegin wieder auf: „Wir können auf die heutige Leistung stolz sein“, sagte die Stuttgarterin, die aber im Ziel auch noch ein wenig aufgewühlt wirkte.

Das Juniorteam mit einer immer noch geschwächten Madeleine Oster am Steuer des Sprinters mit Startnummer 321 und Navigatorin Catrin Peest hat das Rennen wieder aufgenommen und konnte seinen Rückstand auf die vor ihnen liegenden Französinnen Habbouba Hanan und Chrystelle Sanchez um 82 Punkte verringern. Und so breitet sich bei den Neulingen langsam aber sicher auch das Gazellenvirus aus.

Vom Rallye-Virus infiziert

Viola Hermann (l.) und Vanessa Wagner

Auf die Frage, ob sie sich denn eine weitere Teilnahme vorstellen könnte, antwortet die Tischlermeisterin Catrin Peest: "Die Rallye strahlt einen gewissen Sog aus. Zum einen fasziniert mich die Tatsache, dass hier nur Frauen starten, zum anderen die Art des Reglements." Madeleine Oster hingegen kann sich gut vorstellen, die Wüste nochmals gemeinsam mit ihren Brüdern zu besuchen.

Doch vorher steht noch die abschließende Marathon-Etappe auf dem Programm. In der Kategorie Crossover fiebern alle einem Herzschlagfinale zwischen dem Handwerksteam Hermann/Wagner und ihren französischen Kontrahentinnen Véga-Rïoatti/Fabri entgegen.

Wenn Daumendrücken hilft, dann müssten die beiden Meisterinnen aus Deutschland ihren Vorsprung ins Ziel retten können. Sowohl bei Mercedes-Benz in Stuttgart, als auch bei der Deutschen Handwerk Zeitung in Bad Wörishofen und bei handwerk magazin in Planegg sowie bei vielen Rallyefans im Handwerk wird kräftig mitgefiebert.

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