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KfW-Programme für Handwerker Das sollten Sie über Fördergelder wissen

Etliche Unternehmer finden keinen Nachfolger. Die Gründe sind vielfältig, doch an der Finanzierung liegt es nicht. Doch viele dieser Förderprogramme sind in der Branche nicht bekannt. Wie Sie diese Wissenslücke schließen können.

Rund 227.000 mittelständische Unternehmer planen, bis Ende 2020 ihr Unternehmen in die Hand eines Nachfolgers zu legen, das zeigen aktuelle Zahlen von KfW Research. Wer also heutzutage ein Unternehmen übernehmen will, der hätte es eigentlich gut. Noch nie war die Auswahl so groß. Doch das große Angebot an Unternehmen ist nur die eine Seite der Medaille.

Die andere: Wohl nur knapp die Hälfte der bundesweit suchenden Betriebsinhaber wird tatsächlich auch fündig werden.

Warum das so ist, darüber gibt es durchaus unterschiedliche Einschätzungen. Häufig genannt: die allgemein sinkende Bereitschaft, (unternehmerische) Verantwortung zu übernehmen. Neue Erhebungen belegen jedoch, dass sich der seit Jahren beobachtete Trend rückläufiger Gründerzahlen deutlich verlangsamt hat. Waren es im Vergleich von 2016 zu 2017 noch über 17 Prozent weniger Menschen, die in eine Selbständigkeit wechselten, betrug der Unterschied zu 2018 nur noch zwei Prozent.

Andere sehen einen Teil der Schuld auch bei den alten Betriebsinhabern selbst, die es versäumen, sich für die Zukunft aufzustellen und ein tragfähiges Konzept zu entwickeln oder angeblich zu hohe Ablösungen verlangen. Wobei das KfW-Mittelstandspanel, zumindest was die Ablösen betrifft, ebenfalls zu einem anderen Schluss kommt. Im Durchschnitt über alle Nachfolgeplaner zeigt sich demnach, dass die Werteinschätzung der Inhaber ungefähr dem einfachen Jahresumsatz entspricht beziehungsweise im Mittel sogar noch leicht darunter liegt.

Kaufpreise sind meist nicht überteuert

Wird eine Nachfolge konkret in den kommenden fünf Jahren anvisiert, müsste ein potenzieller Nachfolger im Durchschnitt 351.000 Euro für den Kauf eines Unternehmens einplanen. Etwa ein Drittel der zur Nachfolge anstehenden Unternehmen setzt allerdings einen Kaufpreis von maximal 100.000 Euro an. Von allgemein überteuerten Kaufpreisen kann also keine Rede sein.

Birgit Felden von der in Köln ansässigen TMS Unternehmensberatung sieht die Problematik denn auch ganz woanders. Felden befasst sich seit Jahren mit dem gesamten Feld der Nachfolgeregelung und sieht vor allem die mangelnde Wertschätzung von Politik und Gesellschaft als Grund für das geringe Interesse. Ein Start-up zu gründen, so Felden, gelte vielleicht noch als ­"sexy". Bei dem Thema Nachfolge dagegen dächten viele an verstaubte Betriebe und alte Zöpfe. Sie ist überzeugt, dass es umfassende Anstrengungen aller Marktbeteiligten ver­lange, Übernahmen attraktiver zu ­machen.

In einem Punkt jedoch sind sich alle Marktkenner einig: An mangelnder finanzieller Unterstützung kann es nicht liegen. "Geld ist genug vorhanden", stellt denn auch Expertin Felden klar. Eine Einschätzung die man bei der LfA Förderbank Bayern teilt. 2018 unterstützte das Institut mehr als 740 Unternehmensnachfolgen mit einem Darlehensvolumen von knapp 210 Millionen Euro. "Damit konnten Investitionen in Höhe von rund 265 Millionen Euro realisiert und über 6.400 Arbeitsplätze gefestigt oder neu geschaffen werden", freut sich Pressesprecher Markus Wöhnl. Ausgeschöpft allerdings sind die Töpfe damit noch lange nicht – weder in Bayern noch allgemein.

Die Palette an Finanzierungsangeboten ist groß, aber unübersichtlich

In den letzten Jahren hat sich deutschlandweit ein breites Spektrum an öffentlichen Förderprogrammen etabliert – sowohl auf lokaler und regionaler als auch auf gesamtstaatlicher und europäischer Ebene. Das Problem: "Viele potenzielle Neuunternehmer", so noch einmal Felden, "kennen die Vielzahl der öffentlichen Fördermittel aber nicht."

Als Aufgabe der Zukunft sieht Felden denn auch weniger den Ausbau der Fördermöglichkeiten als darin, das Angebot so transparent zu machen, dass es Interessenten auch erreicht. "Es könnte sogar sein, dass eine Verschlankung der Sache gut tut."

Denn die Programmpalette ist breit gefächert. Das fängt bei Zuschüssen an und geht mit geförderten Darlehen weiter, die mit günstigen Zinsen, langfristiger Zinsbindung und anfänglicher Tilgungsfreiheit aufwarten. Hinzu kommen Nachrangdarlehen oder Beteiligungs-/Mezzaninkapital – beides dient zur Eigenkapitalaufstockung – und Bürgschaften.
Wobei gerade an letzteren besonders großes Interesse besteht, wie Experte Guy Selbherr, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bürgschaftsbanken, betont. "Aufgrund der florierenden Wirtschaft sind auch die Unternehmenswerte weiterhin hoch. Und auch im Hinblick auf die Konjunkturperspektive", weiß Selbherr, "haben viele Nachfolger das Problem mit fehlenden Sicherheiten." Diese können mit Bürgschaften ersetzt werden. 2018 war mehr als ein Viertel der genehmigten Vorhaben der Bürgschaftsbanken in Deutschland Übernahmen. Gemessen am Volumen war das sogar fast ein Drittel. Im direkten Vergleich zwischen Gründern und Nachfolgern haben die Bürgschaftsbanken 2018 wieder mehr Übernehmer (51,8 Prozent) als Neugründer (48,2 Prozent) gefördert.

Ansprechpartner für Finanzierung: Arbeitsagentur, KfW und Förder- und Bürgschaftsbanken

Möglich sind auch Kombinationen aus verschiedenen Förderungen. Zudem gibt es bereits im Vorfeld geplanter Übernahmen Beratungsförderungen, die teilweise auch vom Übergeber beziehungsweise von beiden gemeinsam in Anspruch genommen werden können. Angebote gibt es bei unterschiedlichen Organisationen, wie zum Beispiel bei der Arbeitsagentur, die in jedem Fall immer dann Ansprechpartner ist, wenn aus der Arbeitslosigkeit heraus ein Unternehmen übernommen werden soll. ALG-I-Empfänger können einen Gründungszuschuss beantragen, für ALG-II-Bezieher gibt es das sogenannte Einstiegsgeld. Ansprechpartner für Finanzierungen sind im Wesentlichen die KfW (siehe Kasten) sowie die Förder- und Bürgschaftsbanken bzw. Beteiligungsgesellschaften der Bundesländer. Berechtigt sind alle Unternehmen, die die KMU-Definition der EU einhalten, also unter 250 Mitarbeiter haben, einen Umsatz, der 50 Millionen nicht überschreitet, und eine Bilanzsumme bis 43 Millionen Euro.

Dabei gilt, dass die wenigsten Fördertöpfe speziell auf Übernahmen zugeschnitten sind. In der Regel eignen sich für Nachfolger dieselben Angebote, die auch für Existenzgründer gelten. Mit einem Unterschied: Nachfolger haben zumeist einen deutlich höheren Finanzbedarf. Bei den 2018 von den Bürgschaftsbanken ausgegebenen Bürgschaften lag die durchschnittliche Höhe für Nachfolger mit etwas mehr als 216.000 Euro deutlich über der von Gründern mit über 109.000 Euro.

Bundesweite KfW-Programme

ERP-Regionalförderprogramme

Für wen: Antragsberechtigt sind in- und ausländische Unternehmen sowie Angehörige der freien Berufe, die seit mindestens fünf Jahren am Markt aktiv sind. Das Vorhaben muss in einem deutschen Regionalfördergebiet durchgeführt werden.
Was: Zinsgünstiges Darlehen. Maximal drei Millionen Euro pro Vorhaben.
Konditionen: Laufzeit bei Unternehmensübernahmen und tätigen Beteiligungen maximal 20 Jahre bei höchstens drei tilgungsfreien Anlaufjahren.

ERP-Kapital für Gründung

Für wen: Erforderlich sind fachliche und kaufmännische Qualifikation. Seit Aufnahme der Geschäftstätigkeit dürfen höchstens drei Jahre vergangen sein.
Was: Zinsverbilligtes Nachrangdarlehen. Bis zu 500.000 Euro je Antragsteller.
Konditionen: Laufzeit 15 Jahre, die Tilgung beginnt nach sieben Jahren.Der Zinssatz wird in den ersten zehn Jahren der Laufzeit aus Mitteln des ERP-Sondervermögens vergünstigt.

ERP-Gründerkredit – StartGeld

Für wen: Gefördert werden alle Formen der Existenzgründung. Der Antragsteller soll nach Möglichkeit vorhandene eigene Mittel einbringen.
Was: Darlehen bis 100.000 Euro, davon maximal 30.000 Euro Betriebs­mittel.
Konditionen: Laufzeit maximal zehn Jahre, davon bis zu zwei Jahre tilgungsfreie Anlaufzeit. 80-prozentige Haftungsfreistellung für das durchleitende Kreditinstitut.

ERP-Gründerkredit – Universell

Für wen: Natürliche Personen, die Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft übernehmen oder sich beteiligen, auch wenn sie bereits länger als fünf Jahre selbstständig sind.
Was: Darlehen, maximal 25 Millionen Euro pro Vorhaben
Konditionen: Laufzeit maximal 20 Jahre bei höchstens drei tilgungsfreien Anlaufjahren.

Anträge für KfW-Fördermittel können nie direkt gestellt, sondern müssen über die Hausbank beantragt werden.

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