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Von Feuchteschäden am Bodenbelag bis mangelhaften Abdichtungen Das sind die 10 häufigsten Mängel beim Bau von Mehrfamilienhäusern

Beim Mehrfamilienhausbau treten seit Jahren die immer gleichen Baumängel auf. Das zeigt eine Kurzstudie des Bauherren-Schutzbund und des Instituts für Bauforschung. Welche Fehler am häufigsten zutage kommen und wie sie vermieden werden können.

Die eigenen vier Wände – davon träumen viele Menschen. Doch nicht für jeden muss es gleich das Eigenheim sein: Oft fällt die Entscheidung auf den Kauf einer Eigentumswohnung, die in der Regel Teil eines Mehrfamilienhauses ist. Im Idealfall sollte das Bauwerk keine Mängel aufweisen. Doch Fehler passieren – und manche treten beim Bau von Mehrfamilienhäusern häufiger auf als andere. Das zeigt eine aktuelle Kurzstudie des Bauherren-Schutzbundes (BSB) und des Instituts für Bauforschung (IfB). Auch Handwerkern bieten die Studienergebnisse einen Anhaltspunkt, bei welchen Arbeiten besondere Sorgfalt geboten ist – denn für den ein oder anderen Baumangel können auch sie verantwortlich gemacht werden.

Mängel in allen Bereichen des Bauprozesses

"Viele Mängel werden durch eine Bauausführung verursacht, die nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht oder vom Vertrag abweicht", sagt BSB-Geschäftsführer Florian Becker. In diesem Fall hätten Wohnungskäufer Anspruch auf Mängelbeseitigung. Wichtig sei, dass die Mängel frühzeitig erkannt werden, damit Folgeschäden nicht erst nach der Abnahme sichtbar werden und die Käufer auf den Kosten sitzen bleiben. "Auch Fehler in der Planung, der Koordination und der Bauüberwachung können schwere Schäden verursachen, die erhebliche Kosten nach sich ziehen."

BSB und IfB führen regelmäßig Studien durch, die Mängelschwerpunkte und Schadenssummen bei privaten Bauvorhaben untersuchen. Die aktuelle Studie beruft sich dabei unter anderem auf Versicherungshaftschäden. Das BSB beschreibt exemplarisch drei Mängel, wie sich diese beseitigen lassen und welche Kosten dabei entstehen:

Lückenhafte Baubeschreibung

Ist die Ausstattung einer Wohnung nicht genau im Bauvertrag definiert, kann es zu Einschränkungen in der Nutzung kommen. So ist ein Bauprojekt beispielsweise nicht automatisch barrierefrei ausgeführt, wenn es mit dem Begriff "Seniorengerechter Wohnkomfort" wirbt. In der Folge kann der Balkonzugang durch eine hohe Türschwelle für Menschen, die auf eine Gehilfe angewiesen sind, blockiert sein. Eine nachträgliche Beseitigung ist dann nur mit hohem Aufwand möglich. Bei einem schwellenlosen Zugang müsste beispielsweise neben einer neuen Fenstertür auch der Feuchteschutz mithilfe einer Entwässerungsrinne vor der Tür sichergestellt sein. Die Kosten für den Umbau müsste in diesem Fall der Wohnungskäufer tragen, wenn die notwendige barrierefreie Ausstattung nach DIN 18040-2 nicht vertraglich vereinbart wurde.

Schallschutzprobleme

Wenn der Estrichboden in Eigentumswohnungen fehlerhaft verlegt ist, können Schallbrücken zu den Nachbarwohnungen entstehen. Bewohner klagen dann häufig über erhebliche Schallbelästigungen. Insbesondere Trittgeräusche übertragen sich von Wohnung zu Wohnung und werden als störend empfunden. Grund dafür können Körperschallbrücken sein, die den Schall an angrenzende Räume weiterleiten. Häufig handelt es sich dabei um Mörtelreste in den Randfugen und Fehlstellen im Randdämmstreifen, sodass der Estrich beim Einbau gegen die Wand und auf den Boden fließen konnte. Zur Schadenbeseitigung müssten die Schallbrücken gefunden, aufwendig beseitigt und der Bodenbelag erneuert werden. Die Kosten können dann schnell 15.000 Euro pro 100 Quadratmeter Wohneinheit betragen.

Feuchteschäden am Bodenbelag

Wird ein Parkett verlegt, bevor der Estrich seine Belegreife erreicht hat, drohen teure Feuchteschäden. Beispielsweise können Schüsselungen entstehen, bei denen sich die Holzstäbe nachträglich auf dem Boden nach oben oder unten wölben. Die Ursache liegt darin, dass der erhöhte Restfeuchtegehalt im Estrich zum Anstieg des Feuchtegehalts im Holzparkett führt und das Holz beginnt aufzuquellen. Um solche Schüsselungen zu beseitigen, ist es notwendig das gesamte Parkett aufzunehmen, den Kleber zu entfernen und den Estrich technisch zu trocknen. Grundsätzlich gilt ein Estrich als belegreif, wenn er soweit ausgetrocknet ist, dass er seine Nennfestigkeit erreicht hat. Anschließend kann ein neuer Bodenbelag aufgebracht werden. In diesen Fällen liegt die Verantwortung häufig beim Bodenleger, der zu früh mit dem Verlegen des Parketts beginnt. Die Schadensbeseitigungskosten wachsen dann schnell auf 25.000 Euro und mehr.

Überblick: Typische Fehler beim Bau von Mehrfamilienhäusern

  1. Lückenhafte Baubeschreibung
  2. Feuchteschäden am Bodenbelag
  3. Legionellenbefall wegen fehlender Wärmedämmung
  4. Schallschutzprobleme
  5. Mangelhafte Sockelabdichtung wegen Planungsfehlern
  6. Feuchteschaden im unbeheizten Dachgeschoss
  7. Nachrüstpflicht – oberste Geschossdecke
  8. Feuchteschäden im Keller nach Heizkesselaustausch
  9. Vorgestellte Balkone ohne thermische Trennung
  10. Mangelhafte Beheizung nach Gebäudeerweiterung
Verbrauchern empfiehlt BSB-Geschäftsführer Florian Becker, sich Sachverständigenunterstützung an die Seite zu holen: "Wer beim Wohnungskauf auf Nummer sicher gehen will, lässt den Kaufvertrag oder Modernisierungs-Bauvertrag vorab prüfen." Das Hinzuziehen eines unabhängigen Experten, der den Wohnungskäufer oder die Wohneigentümergemeinschaft bei der Kontrolle der Bauausführung und bei der Abnahme sachgerecht unterstützt, senke das Verbraucherrisiko darüber hinaus immens.

Die vollständige Studie mit tiefergehenden Infos zur Schadensvermeidung und -behebung der genannten Baumängel finden Interessierte im Download-Bereich des BSB. ew

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