Meinung -

Gastkommentar Das Schulfach Ernährung ist sinnvoll

Es gibt gute Argumente, das Fach Ernährung in die Lehrpläne der Schulen aufzunehmen. Davon würde auch das Handwerk profitieren.

Die Forderung nach einem verpflichtenden Schulfach "Ernährungsbildung“, wie sie jüngst von Bundesminister für Ernährung, Christian Schmidt, formuliert wurde, ist nicht neu. Seit Jahren kommt der Ruf regelmäßig und parteiübergreifend von den Gesundheits- und Ernährungsministerien. Genauso reflexartig antwortet die Kultusministerkonferenz, dass dies nur "schwer umzusetzen“ und auch "zu teuer“ sei. Wahrscheinlich wird auch jetzt kein grundsätzliches Umdenken erfolgen. Dabei bietet ein Fach "Ernährung“ viele Facetten und es geht um mehr als nur kopflastiges Wissen.

Gut gemachtes Brot erkennen

Wenn wir den Minister beim Wort nehmen, können unsere Kinder durch gemeinsames Kochen und Essen ihre teilweise schon verlorengegangene Genussfähigkeit wieder erlangen. Sie können dann nicht nur süß von salzig unterscheiden, sondern gut gemachtes Brot von einfacher Massenware. Die Chancen stehen gut, dass wir Verbraucher wieder Qualität erkennen und bereit sind, dafür auch mehr zu bezahlen. Mehr Wertschätzung für Lebensmittel wird von allen Teilnehmern der Ernährungsbranche gefordert. Das können wir Menschen jedoch nur, wenn wir auch befähigt sind, diesen Wert zu erkennen und einzufordern.

Bessere Schulküchen

Durch ein Zusammenführen der Bildungs- und Versorgungsebene in der Schule könnte das so häufig kritisierte Schul­essen endlich seinen ihm gebührenden Stellenwert erhalten. Das alles kostet natürlich Zeit und Geld zur Investition in gute Schulküchen. Es verlangt Mut und Verantwortung von Politik, Schule und Eltern. Die Belohnung ist aber eine neue Esskultur, die das Miteinander fördert und den Weg für Genuss und mehr Wertschätzung ebnet. Und weggeworfen werden gute Lebensmittel dann auch nicht mehr so ohne weiteres.

Professor Guido Ritter ist Ernährungswissenschaftler am Institut für Nachhaltige Ernährung der FH Münster.

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